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Robert Lewandowski wechselte 2014 vom BVB zum FC Bayern
Robert Lewandowski wechselte 2014 vom BVB zum FC Bayern © Imago
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Lissabon - Vor dem Halbfinale gegen Olympique Lyon spricht Herbert Hainer im exklusiven SPORT1-Interview. Der Bayern-Präsident träumt vom Triple und erklärt das Erfolgsgeheimnis von Hansi Flick.

Selbstverständlich wird Herbert Hainer auch am Mittwochabend in Lissabon vor Ort sein.

Für den Präsidenten des FC Bayern heißt es dann, im Estadio José Alvalade die Daumen zu drücken, die Münchner erwarten im Halbfinale der Champions League Olympique Lyon (Champions League: Olympique Lyon - FC Bayern München, Mittwoch 21 Uhr im LIVETICKER).

Der Gewinner dieses Duells trifft man Samstag im Finale auf Paris-Saint Germain.  

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SPORT1: Herr Hainer, welche drei Gedanken sind Ihnen während des Viertelfinals gegen den FC Barcelona durch den Kopf gegangen? 

Herbert Hainer: Unglaublich. WM-Halbfinale 2014 Deutschland gegen Brasilien. Schade, dass keine Zuschauer im Stadion sein können.

SPORT1: Kann dieses 8:2 die Geburtsstunde eines großen Teams gewesen sein? 

Hainer: Ob das der Startschuss einer goldenen Ära war, kann man erst im Nachhinein beurteilen. Schon in der gesamten Rückrunde kann man sehen, dass wir eine großartige Mannschaft haben, die derzeit einen fantastischen Fußball spielt, erfolgreich und attraktiv. Der Mischung innerhalb des Kaders stimmt, die Stimmung im Team ist hervorragend, die Spieler, die eingewechselt werden, bringen immer noch einmal frischen Wind, neue Impulse. Wir dürfen im Moment beim FC Bayern sehr, sehr zufrieden sein.

SPORT1: Hans-Joachim Watzke sagte am Montag: "Womöglich ist das die beste Mannschaft, die jemals bei Bayern München gespielt hat." Stimmen Sie zu? 

Hainer: Unser aktuelles Team ist, wie gesagt, hervorragend. Ob es das beste unserer Vereinsgeschichte ist, lässt sich nur schwer sagen. Der FC Bayern hatte auch früher schon großartige Mannschaften. In den Siebziger Jahren mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Paul Breitner und Uli Hoeneß, die dreimal hintereinander den Europapokal der Landesmeister gewonnen haben. Dann die Champions-League-Sieger mit Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Stefan Effenberg um die Jahrtausendwende und natürlich die Triple-Sieger aus dem Jahr 2013 um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Thomas Müller.

SPORT1: Heute Abend steht das Halbfinale an. Wäre alles andere als ein Weiterkommen gegen Olympique Lyon eine große Enttäuschung? 

Hainer: Wir wollen mit aller Macht ins Finale!

Das Halbfinale des FC Bayern gegen Olympique Lyon in der Live-Analyse - der FANTALK u.a. mit Roman Weidenfeller und Mario Basler am Mittwoch ab 20.15 Uhr LIVE im TV & Stream bei SPORT1

SPORT1: Sie könnten in Ihrem Premieren-Jahr als Präsident des FC Bayern direkt das Triple holen.  

Hainer: Jeder träumt davon, aber jetzt müssen wir erst mal ins Finale einziehen.

SPORT1: Seit Ihrem Amtsantritt im November 2019 schwebt der FC Bayern auf einer Erfolgswelle. Welchen Anteil haben Sie daran? 

Hainer: Ich möchte nicht über meinen Anteil am Erfolg sprechen, das sollen andere beurteilen. Aber ich kann sagen, dass ich mit dem gesamten Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge, mit meinen Kollegen im Präsidium und im Aufsichtsrat sehr gut und sehr gerne zusammenarbeite, genau wie mit der sportlichen Führung und allen Mitarbeitern. Und als Team haben wir viel Spaß und derzeit auch viel Erfolg.

SPORT1: Was müssen Sie als Präsident investieren? 

Hainer: Viel Zeit und wenig Kraft, denn das Amt des Präsidenten des FC Bayern bereitet mir sehr viel Freude.

SPORT1: Warum schafft es der FC Bayern, sich im Duell mit Finanz-Mächten wie Paris-Saint Germain oder Manchester City zu behaupten oder stößt man irgendwann an Grenzen?  

Hainer: Der FC Bayern arbeitet im sportlichen und im wirtschaftlichen Bereich seit Jahrzehnten sehr vernünftig und sehr erfolgreich. Dennoch sind uns insbesondere die Engländer gerade in Sachen TV-Erlöse und durch das Engagement großer Investoren voraus. Teilweise kompensieren wir das durch sehr große Erfolge in der nationalen und internationalen Vermarktung mit unseren langjährigen Sponsoren aber auch mit neu hinzugewonnenen Partnern. Zudem sind wir im Kerngeschäft - und das ist immer noch der Fußball - sehr gut aufgestellt. Der Kader ist super zusammengestellt, die Nachwuchsarbeit funktioniert nun wieder sehr gut und das Trainerteam arbeitet hervorragend.

Herbert Hainer (r.) übernahm das Amt des Bayern-Präsidenten von Uli Hoeneß
Herbert Hainer (r.) übernahm das Amt des Bayern-Präsidenten von Uli Hoeneß © Imago

SPORT1: Erkennen Sie im Führungsstil von Hansi Flick eigentlich Parallelen zu Ihrem Führungsstil beim FC Bayern oder als früherer adidas-Chef? 

Hainer: Wenn Sie das so fragen: Ja, vielleicht ähnelt sich unser Führungsstil tatsächlich ein wenig. Wir geben beide die Richtung vor und treffen am Ende natürlich auch Entscheidungen. Dabei gehen wir aber beide auf die Menschen ein, wir versuchen Verantwortung zu übertragen und als Team erfolgreich zu sein.

SPORT1: Warum hat sich unter Hansi Flick ein solcher Erfolg und eine solche Stimmung eingestellt? 

Hainer: Hansi Flick ist es gelungen, die Spieler zu einer Einheit und zu einem echten Team zu formen. Er führt viele Gespräche, er ist offen und ehrlich, er schwört jeden Einzelnen auf den Erfolg der Mannschaft ein. Und er überzeugt die Spieler durch seine Arbeit auf dem Platz, durch seine taktischen Anweisungen und seine strategischen Überlegungen. 

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SPORT1: Lassen Sie uns bitte über ein paar Personalien sprechen. Welcher Bayern-Spieler hat Ihrer Meinung nach in dieser Saison die größte Entwicklung genommen? 

Hainer: Es ist immer schwierig, einzelne Spieler hervorzuheben, aber natürlich ist die Entwicklung von Alphonso Davies fantastisch. Wie er sich innerhalb von nur 18 Monaten vom Nobody aus Kanada zu einem der besten Linksverteidiger der Welt entwickelt hat, beeindruckt derzeit die gesamte Fußballwelt. Aber genauso imponiert mir die Entwicklung von Leon Goretzka. Er ist selbstbewusst, physisch unglaublich stark, ein echter Leader, eine starke Persönlichkeit. So ist er aus der Mannschaft des FC Bayern nicht mehr wegzudenken.

SPORT1: Erwarten Sie, dass Bundestrainer Joachim Löw Thomas Müller und Jérôme Boateng zurück in die Nationalmannschaft holt? Vor allem in Anbetracht ihrer Entwicklung unter Hansi Flick. 

Hainer: Ob Joachim Löw seine Entscheidung noch einmal überdenkt, weiß ich nicht, ich möchte ihm auch nicht in seine Arbeit reinreden. Aber: Der FC Bayern hat das Double gewonnen und steht nach einem 8:2-Sieg gegen den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League. Jérôme Boateng ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft und Thomas ist bei uns Leader und Torjäger zugleich. Er war meiner Meinung nach nie besser als heute.

SPORT1: Karl-Heinz Rummenigge hat sich für die Weltfußballer-Wahl ins Zeug gelegt. Jetzt soll sie stattfinden. Kann diese Wahl in diesem Jahr ein anderer Spieler gewinnen als Robert Lewandowski?  

Hainer: Ich denke, Robert Lewandowski hätte es absolut verdient. Er ist der überragende Torjäger der Bundesliga und der Champions League. Was er leistet, ist fast unglaublich. Mir fällt kein Spieler ein, der in dieser Saison vor ihm stehen könnte.

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SPORT1: Können Sie bestätigen, dass man sich mit David Alaba und seinem Management auf der Zielgeraden befindet? Schließlich wollen beide Seiten den Vertrag verlängern.  

Hainer: Wir halten es wie immer. Über Transferverhandlungen geben wir keine Zwischenstände bekannt. Aber es ist ja bekannt, dass wir uns über eine Vertragsverlängerung von David Alaba sehr freuen würden.

SPORT1: Zuletzt wurde berichtet, dass Jérôme Boateng den Verein bereits am Ende dieser Saison verlassen soll. Stimmt das oder ist es sogar möglich, dass er bis 2021 bleibt oder sogar verlängert? 

Hainer: Auch hier bitte ich um Ihr Verständnis, dass wir solche Gerüchte nicht kommentieren werden. 

SPORT1: Vorerst soll es keine Rückkehr von Zuschauern in die Bundesliga-Stadien geben. Wie lange kann sich der FC Bayern eine Allianz Arena ohne Fans leisten? 

Hainer: Wir haben keine Existenzsorgen, aber empfindliche finanzielle Einbußen. Die müssen wir auf der Ausgabenseite kompensieren. Schwerer wiegt aber noch, dass wir keine Emotionen im Stadion haben. Fußball lebt von den Fans, von der Stimmung, er wird letztendlich für die Zuschauer gespielt. Die Gesundheit der Menschen hat oberste Priorität, und unter diesen Aspekten haben wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein sehr gutes Konzept entwickelt. Nun hoffen wir, dass die Fallzahlen nicht weiter steigen und wir in nicht allzu ferner Zukunft Grünes Licht von der Politik bekommen.

SPORT1: Borussia Dortmund teilte am Montag mit, dass man in den drei Monaten der Coronakrise bis zu 25 Millionen Euro verloren habe. Klagt man beim FC Bayern über ähnliche Summen? 

Hainer: Ich möchte hier nicht über konkrete Zahlen sprechen. Aber natürlich fehlen uns insbesondere die Ticketeinnahmen komplett, und die machen beim FC Bayern allein rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Zudem hat Corona auch zu Rückgängen im Bereich Merchandising gesorgt.

SPORT1: Muss der FC Bayern in den kommenden Wochen Spieler verkaufen, um finanzielle Löcher zu stopfen? 

Hainer: Nein.

SPORT1: Wird es nach der Champions League zu weiteren Neuzugängen kommen? 

Hainer: Das Transferfenster hat bis zum 5. Oktober geöffnet. Bis dahin halten wir uns am Transfermarkt alle Optionen offen.

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