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Die Borussia hat im Champions-League-Gruppenspiel gegen Madrid einen womöglich entscheidenden Trumpf im Ärmel, meint SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp.

Hallo Bundesliga-Freunde,
Eine der größten Gefahren für vermeintlich unerfahrene Champions League-Teilnehmer ist die Motivation und Kräfte-Mobilisierung für die Spiele "danach".

Wenn es drei Tage nach Flutlicht-Auftritten auf der größten Bühne der Welt, gegen die größten Gegner der Welt, wieder zur Alltags-Arbeit in der Bundesliga kommt. Zum Beispiel Mönchengladbach jetzt in Mainz, beim Tabellenletzten. Eine schwierige Aufgabe zwischen Inter Mailand und Real Madrid.

Vielleicht war das Gladbacher 3:2 in Mainz, irgendwann rückblickend, einer der größten und wichtigsten Siege in ihrer Saison. Denn die Herausforderung, gerade für den Kopf, eben nicht auf "Ach, klappt schon irgendwie" umzuschalten, ist extrem. Beziehungsweise, wenn es anfangs doch passiert, dann noch die Kurve zu bekommen - das ist eine reife Leistung.

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Mönchengladbach hat in Mainz den Warnschuss bekommen. Die Borussen lagen lange Zeit zurück, aber sie haben am Ende drei Punkte geholt. Man darf davon ausgehen, dass sie sich an das Spiel erinnern werden - wenn das nächste Schwarzbrot-Spiel auf den Tisch kommt, ein paar nach dem Gala-Dinner in einer europäischen Metropole.

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Trumpf mach Gladbach zum Favoriten gegen Real

Den Luxus der Super-Klubs, im Grunde zwei Top-Teams im Kader zu haben, um dann in der Liga eine ebenso ausgeruhte wie hochmotivierte zweite Garnitur ins Rennen zu schicken, kann sich die Borussia noch nicht leisten. Nur in Ansätzen ist Rotation möglich, zumindest, wenn diese den Anspruch verfolgt, sich qualitativ nicht zu verschlechtern.

Für das Real-Spiel sehe ich bei Borussia Mönchengladbach einen Trumpf im Ärmel, der sie für mich sogar zum Favoriten macht - zumindest zum Gegner auf Augenhöhe. Es war schon in Mailand zu sehen, mit welchem Einsatz und welch großer Freude daran, sich füreinander zu zerreißen, die Elf vom Niederrhein in der Partie war.

Das wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch am Dienstag der Fall sein, im eigenen Stadion, dass ihr Hunger und Bock auf die Partie einfach deutlich größer ausfällt als bei den Topspiel-verwöhnten Real-Stars. Für sie ist Mönchengladbach so etwas wie Mainz für die Borussia, eine Pflichtaufgabe auf dem langen Weg durch die Saison. 

Mönchengladbach sagt der jüngeren Generation wenig

In Deutschland gibt es, so die Wahrnehmung in den großen Fußball-Ländern, vor allem Bayern München. Gut, dann noch Borussia Dortmund, die sich durch die regelmäßigen Champions-League-Teilnahmen, auch an den Entscheidungsspielen nach der Gruppenphase, einen Namen gemacht hat. Neuerdings wurde RB Leipzig registriert, als spannender Newcomer - aber Mönchengladbach ist der jüngeren Generation kaum ein Begriff, die großen Zeiten im Europapokal liegen zu lange zurück.

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Genau da liegt die Chance für die Borussia. Denn fußballerisch - das war in Mailand zu sehen - sind sie auf Augenhöhe zu den großen Namen. Super eingestellt, taktisch variabel - und vor allem spiel- und handlungsschnell mit und ohne Ball.

Trainer Marco Rose ist es mit seinem Staff gelungen, der Mannschaft genug Mittel zur Verfügung zu stellen, um immer wieder eigenständig für Gefahr sorgen zu können. Die Mentalität der Spieler ist herausragend. Das Team um Kapitän Lars Stindl vertraut Marco Rose, der mit 2,16 Punkten im Schnitt als Europokal-Experte gelten darf. Schon in Salzburg gelang es ihm regelmäßig, namhaften Gegnern mit vermeintlich schwächer besetzten Teams schmerzhafte Niederlagen zuzufügen. 

Ein blamables Aus, wie in der vergangenen Saison in der Europa League, als die Borussia als Bundesliga-Tabellenführer in letzter Sekunde schon nach der Gruppenphase ausschied, will keiner wieder erleben. Die Gladbacher sind überzeugt, aus den schmerzhaften Niederlagen gegen Wolfsberg oder Basaksehir gelernt zu haben, eine Menge sogar. Real Madrid wird diese gewachsene Borussia zu spüren bekommen.

Tobias Holtkamp, der Autor dieses Textes, war in der Chefredaktion von Sport Bild und Chefredakteur von transfermarkt.de. Heute berät er Sportler und Marken in ihrer inhaltlichen und strategischen Ausrichtung. Für SPORT1 schreibt Holtkamp als Chef-Kolumnist die wöchentliche "Bundesliga-Kolumne".

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