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Mit Wolfgang Kleff erreichte 1977 letztmalig eine Gladbacher Elf das Achtelfinale des Landesmeister-Pokals. Der damalige Keeper schreibt bei SPORT1 über seine Nachfolger.

Liebe Fußball-Freunde,

es ist so schade, dass Borussia solch einen großartigen Erfolg in der Corona-Pandemie ohne seine Fans erleben muss. Ich ärgere mich wirklich, dass die treuen Anhänger meiner Gladbacher diese Spiele nicht im Stadion sehen dürfen. Das Fernsehen ist bei weitem kein Ersatz für die tolle Atmosphäre im Stadion. Nach Madrid wären sonst mit Sicherheit 5000 bis 6000 Borussen mitgefahren.

Ich freue mich aber riesig, dass wir im Achtelfinale stehen. Keiner weiß, wer da auf uns wartet, das ist aber auch piepegal. Das Achtelfinale ist erstmal geschafft und da hat Borussia nichts zu verlieren. Was jetzt kommt, ist reines Zubrot - sportlich und finanziell. Gladbach ist immer für eine Überraschung gut. Das ist das, worauf ich baue. 

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Aber - und das ist ein kleiner Wermutstropfen - das Team muss sich dann besser verkaufen als in Madrid. Das war leblos und emotionslos. Da hat Borussia Glück gehabt, aber man hat sich dieses in dieser Champions-League-Saison auch verdient.

Beide Ereignisse hat kein Borusse vergessen 

Und außerdem ist es eine süße Rache an Inter Mailand nach dem Büchsenwurf-Spiel 1971. Daran habe ich sofort gedacht.

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Jeder Gladbacher erinnert sich noch daran, als uns damals zwei Tore in Madrid aberkannt wurden und in Gladbach der Büchsenwurf im Spiel gegen Inter für einen Skandal sorgte. Beide Ereignisse hat kein Borusse vergessen.

Schon im Vorfeld zu den Spielen gegen Inter und Real in dieser Runde hätte man mehr erreichen können, wenn Publikum die Mannschaft unterstützt hätte. Real und Inter waren die beiden Vereine, die dafür gesorgt haben, dass in der DNA der Borussia Kampfgeist und Leidenschaft verankert wurde.

Diese Partien haben sich bis heute in den Köpfen der Leute festgesetzt. Das wird ewig so bleiben.

Gladbach kann das Viertelfinale schaffen

Beide Klubs hatten wir in dieser Saison in einer Gruppe und es wäre daher fatal gewesen, wenn wir ausgerechnet jetzt ausgeschieden wären. 

Das waren die beiden prägnanten Spiele, die Borussia durch das Auftreten und den Beschiss von Madrid zugunsten der Gegner so viel Sympathien eingebracht haben. Durch das Auftreten des Teams einst und die Benachteiligung von Madrid damals zugunsten des Gegners.

Ich bin nun guter Dinge, dass Borussia jetzt auch das Achtelfinale überstehen kann. Warum auch nicht? Jetzt ist für meine Gladbacher alles drin. In Madrid kannst du verlieren, du musst aber anders verlieren. Und ich denke, dass man die nächste Runde auch ganz anders angehen wird.

Borussia hat jetzt schon alles erreicht. Das Größte, was man seit 43 Jahren erreichen konnte. Ich bin einfach nur stolz auf meinen Klub.

Wolfgang Kleff war in den 1970er Jahren hinter Bayern-Keeper Sepp Maier der stärkste deutsche Torhüter. Mit Borussia Mönchengladbach gewann der heute 74-Jährige fünf deutsche Meistertitel und einen DFB-Pokal. Im Europapokal der Landesmeister, dem Vorgänger-Wettbewerb der Champions League, scheiterte Kleff mit den Fohlen 1977 im Finale am FC Liverpool. Es war gleichzeitig das letzte Mal, dass die Borussia das Achtelfinale des bedeutendsten Europapokal-Wettbewerbs erreichte. 

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