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München - Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge heizt die Diskussion um die Reform der Champions League an. Wie könnte sie aussehen? SPORT1 zeigt fünf Modelle.

Wird die Champions League in naher Zukunft zum Auslaufmodell? Oder wird eine grundlegende Veränderung sie in neuem Glanz erstrahlen lassen?

Seit mittlerweile mehreren Jahren diskutieren die Mächtigen des Fußballs, wie es mit der Königsklasse weitergeht: Wird sie reformiert oder fällt sie dem Szenario einer europäischen Superliga zum Opfer?

Eine solche Super League, in der die europäischen Topklubs unter sich wären - auf Kosten der heimischen Ligen und der kleineren europäischen Verbände - ist ein Gedankenspiel, das zuletzt immer konkreter geworden war und damit die UEFA unter Druck gesetzt hat, die Kritikpunkte an der Champions League auszumerzen oder ihr Ende zu riskieren.

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Karl-Heinz Rummenigge, Vorstand des FC Bayern München, hat die Diskussion nun wieder in den Blickpunkt gerückt: Er enthüllte, dass eine "Week of Football" mit Halbfinals und Finale in einer Stadt künftig von der Not- zur Dauerlösung werden könnte - und mahnte gleichzeitig Lösungen für ein Problem an, das er großen Schwachpunkt der Champions League in ihrer aktuellen Form sieht.

"Die Gruppenphase fängt an, ein bisschen langweilig zu werden. Sie hat sechs Spiele, und in diesem Jahr waren wir zum wiederholten Mal nach dem vierten Spieltag schon qualifiziert", sagte Rummenigge, der im CHECK24 Doppelpass zuletzt auf Distanz zu den Superliga-Plänen gegangen war. Er verwies auf Planspiele innerhalb der UEFA, "diese Gruppenphase attraktiver zu machen". Was er gehört hätte, werde "den Leuten gefallen, davon bin ich überzeugt".

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Mit einer Champions League im neuen Gewand ist ab 2024 zu rechnen, nach Ablauf der bis dahin geltenden Fernsehverträge. Bis dahin ist auch zu klären, in welcher Form die Champions League mit der Europa League und der in diesem Jahr startenden Europa Conference League verflochten sein wird - und wie sehr die neue Champions League auf Kosten der nationalen Wettbewerbe wie der Bundesliga gehen wird.

Wie könnte die Reform aussehen? SPORT1 nennt Szenarien - und was für und gegen sie spricht.

- Weniger oder kleinere Gruppen:

Bayern, Real Madrid, der FC Barcelona, PSG, die Topklubs aus Italien und England: Aus Sicht vieler Fans geht die Champions League erst dann richtig los, wenn die Top-Teams in der K.o.-Phase unter sich sind.

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Mit einer kompakteren Gruppenphase - acht Gruppen mit drei Teams oder auch weiter vier Teams, dafür nur noch sechs Gruppen - würde es früher zur Sache gehen, das Problem der früh entschiedenen Gruppen und bedeutungslos-langweiligen Duelle vor der K.o.-Phase würde sich relativieren.

Das Problem dabei: Dass die UEFA eine solche Reform auf Kosten der kleineren Klubs und Länder durchführt, ist unwahrscheinlich. Die betroffenen Verbände müssten das selbst mitbeschließen, um der Idee eine Mehrheit zu verschaffen - was kaum vorstellbar ist.

- Qualifikation für die Gruppenphase:

Eine andere Möglichkeit, die Gruppenphase kompakter und attraktiver zu gestalten: Eine radikal verkleinerte Gruppenphase (z.B. 4x4 Teams) könnte zwischen zwei K.o.-Phasen geschaltet werden - eine aufgewertete Qualifikation und eine Endrunde.

In diesem Modell wäre die Gruppenphase hochwertig, ohne dass die kleineren Klubs und Verbände ganz außen vor blieben.

Der Haken: In einer ernsthaften Quali-Phase könnten Topteams rausfliegen - was deren Interessen und letztlich auch denen der UEFA zuwiderläuft. Vermieden werden könnte das durch eine Setzliste, die den Meistern und Vizemeistern der Top-Ligen einen Gruppenstart garantiert.

Wenn der Zirkel auf diese Weise aber wiederum zu exklusiv wird, fehlt den kleineren Verbänden der Anreiz, sich auf das Modell einzulassen.

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- Mehr K.o.-Faktoren in der Gruppenphase:

Es gäbe auch Varianten, mit denen an der Grundkonstellation nichts geändert werden würde, die die Gruppenphase aber trotzdem straffen und spannender machen würden.

Die Abschaffung von Hin- und Rückspielen etwa: Die Top-Teams könnten sich dann keine Ausrutscher erlauben, was von Beginn an attraktivere Spiele verspricht - und weniger bedeutungslose Duelle um die goldene Ananas am Ende der Gruppenphase. Zu klären wäre allerdings die Frage, wie das Thema Heimrecht fair gelöst werden kann.

Eine weitere einfache Idee, um den Reiz der Gruppenspiele zu erhöhen: Unentschieden und Punkteteilungen abschaffen und bei Remis-Ständen immer ein Elfmeterschießen ansetzen - so, dass es immer einen Sieger gibt.

- Das Schweizer System:

Die hinter den Fußballkulissen gut vernetzte Times berichtete im Dezember, dass ein neues Ligasystem bei der internen Reformdiskussion gut im Rennen liegt.

Grundidee: Jeder der 32 Klubs soll zehn Spiele gegen zehn zugeloste Gegner bestreiten (wohl ohne Hin- und Rückspiel), aus den Spielen wird eine Gesamttabelle errechnet. Die ersten 16 ziehen in die K.o.-Runde ein - der Erste gegen den 16., der Zweite gegen den 15. usw.

Das sogenannte Schweizer System würde definitiv frischen Wind bringen und das Problem der oft spannungsarmen letzten Gruppenspieltage beheben, wenn jedes Spiel noch Einfluss auf die K.o.-Runden-Konstellation hat.

Nachteile: Das Thema Heimrecht ist zu klären, mit zehn statt sechs Spiele wäre die Gruppenphase aufgebläht statt gestrafft - und als Fan kann man das System auch zu kompliziert finden.

- Auf- und Abstieg:

Bereits im Jahr 2019 waren Pläne durchgesickert, ein Auf- und Abstiegssystem zwischen Champions, Europa und der künftigen Conference League einzuführen.

Die damals veröffentlichten Gedankenspiele sahen acht Absteiger aus der Champions League vor - als Teil einer umfassenden Qualifikations-Reform: In dem Modell sollten 24 der 32 Champions-League-Teilnehmer automatisch auch in der nächsten Saison dabei sein.

Die Einführung eines Abstiegskampfs würde mehr Brisanz in die Königsklasse bringen, allerdings auf Kosten der nationalen Ligen, in denen dann nur noch wenige der begehrten Königsklassen-Tickets ausgespielt werden könnten. Entsprechend fraglich ist, ob die nationalen Verbände ihre eigenen Wettbewerbe derart schwächen werden.

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