Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

Alexander Ceferin wurde von der Verkündung der Super League ebenso kalt erwischt wie viele andere. Der UEFA-Boss schildert die entscheidenden Stunden.

Die Gründung der Super League erschütterte die Fußball-Welt. 

Nicht nur Fans, Spieler und Klubs, auch hochrangige Funktionäre wurden von der Schocknachricht eiskalt erwischt. Unter ihnen auch der Präsident der UEFA, Alexander Ceferin. 

Nun hat der Boss des europäischen Dachverbands geschildert, wie er die Entstehung der vorerst gescheiterten Eliteliga erlebte - und nannte dabei pikante Details. Der 53-Jährige schilderte unter anderem, wie er von Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin, angelogen wurde. 

Anzeige

Der CHECK24 Doppelpass mit Roman Weidenfeller und Peter Neururer am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Doch der Reihe nach. 

"Donnerstag vor einer Woche rief mich der Vizepräsident von Manchester United an. Er erzählte mir, wie toll er unsere Reformpläne für die Champions League findet und dass sein Klub diese komplett unterstützt. Sehr nettes Gespräch", erzählte Ceferin in der Welt am Sonntag .

Agnelli zu Ceferin: Kannst mir vertrauen

Am nächsten Tag habe ein Meeting der ECA (European Club Association, Anm.) stattgefunden. "Dort waren auch alle zwölf Vereine vertreten, die wenig später die Super League ausrufen sollten. Alle unterstützten unsere Pläne, lobten uns. Andrea Agnelli, der Präsident von Juventus Turin, leitete als Vorsitzender sogar die Sitzung." 

Meistgelesene Artikel

Am Samstag sei er in einem Anruf dann darauf hingewiesen worden, "dass angeblich zehn oder elf Klubs eine Gründungsurkunde für die Super League unterschrieben hätten und das am Sonntag veröffentlichen würden. Ich war schockiert!" Er habe sich im Auto befunden, auf dem Weg in die Schweiz. 

"Ich rief Agnelli an und fragte, was los sei." Der Juve-Boss, mit dem er zuvor ein enges Verhältnis pflegte, habe ihm beteuert, dass es sich um "eine Lüge" handele und er ihm vertrauen könne. Ceferin fühlte sich auch beruhigt und schlug vor, die Gerüchte per Pressemitteilung aus der Welt zu räumen. 

"Einige Leute haben uns seit Jahren angelogen"

"Ich hielt an einer Tankstelle, schrieb ein paar Zeilen. Er rief mich kurz darauf zurück, wollte ein paar Änderungen machen, 'gib mir eine Viertelstunde'. Das war unser letzter Kontakt", sagte Ceferin. "Danach war er nicht mehr zu erreichen, hatte das Handy aus. Dann platzte die Bombe, und als ich zwei Tage später wieder zurück nach Slowenien fuhr, waren 3800 SMS auf meinem Handy eingegangen. Es war verrückt." 

Seine Beziehung zu Agnelli, dessen Tochter immerhin sein Paten-Kind ist, sei zerstört. "Der schlimmste Tag war Samstag, weil ich dann realisierte, dass es der reine Verrat war, dass uns einige Leute seit Jahren angelogen hatten."

Die Super League hält er für "tot". Einen ähnlichen Vorstoß erwartet er in näherer Zukunft nicht. 

Nächste Artikel
previous article imagenext article image