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Neymar macht gegen den FC Bayern eines der besten Spiele seiner Karriere. Es scheint, als löse der Brasilianer endlich ein Versprechen ein.

Vor einem Spiel von Paris St.-Germain konnte sich die Fußball-Welt zuletzt nie so wirklich sicher sein, welchen Neymar sie sehen würde. Nach Dienstagabend dürfte jedem Fan aber klar sein: Genau diesen Neymar braucht der Fußball. 

"Neymar, der Zauberer", titelte die französische Tageszeitung Le Figaro am Mittwoch und war mit dieser Meinung nicht alleine. Von einer "Neymar-Show" war beim italienischen Corriere dello Sport zu lesen - und auch in Spanien schlug die Leistung des Offensivstars hohe Wellen. "Die Bayern fallen vor einem unaufhaltsamen Neymar auf die Knie", schrieb die Sport. Die As ging sogar noch weiter: "Neymar zeigte eines der besten Spiele seiner Karriere."

Es ist verrückt, dass Letzteres gerade nach einer 0:1-Niederlage von PSG geschrieben wird, auch wenn die Franzosen mit dem Ergebnis den FC Bayern ausschalteten und das Halbfinale der Champions League erreichten. Wer das Spiel gesehen hat, der dürfte aber zumindest einer ähnlichen Meinung sein. (Spielplan und Ergebnisse der Champions League)

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Neymar zaubert und kämpft

In den ersten Minuten des Viertelfinal-Rückspiels lag Neymar noch zwei- oder dreimal auf dem Rasen des Parc des Princes - inklusive der einen oder anderen Rolle, die ihn in der Fußball-Welt nicht gerade beliebt gemacht hat. Doch die restliche Spielzeit übernahm dann der Superfußballer Neymar - der Zauberer mit dem Ball.

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Sobald Neymar die Kugel am Fuß hatte, brannte es schon bei den Bayern. Teilweise schien es, als entstamme der 29-Jährige einer anderen Altersklasse. Als spiele ein hochbegabter Jugendlicher gegen eine Horde von kleinen Jungs.

Der Brasilianer kickte dabei tatsächlich ein wenig wie auf dem Bolzplatz. Er ging keinem Eins-gegen-eins aus dem Weg, achtete sorgsam darauf, wann er einem Gegenspieler den Ball durch die Beine schieben konnte und spielte mit der Hacke, wenn es vollkommen sinnfrei erschien.

Es war die komplette Spielfreude eines kleinen Jungen aus Brasilien zu sehen, der Fußball spielt, weil es ihm Spaß macht. 

Doch Neymar zauberte nicht nur, er kämpfte auch. Er zog Bayerns Verteidiger Lucas Hernández einmal fast das Trikot aus und rauschte ihn einmal in einem Luftduell um. Als er bei einem Zweikampf mit dem Franzosen im Strafraum der Münchner zu Boden ging und keinen Elfmeter bekam, lachte er - ob sarkastich oder nicht, darf jeder Beobachter für sich entscheiden.

In der Schlussphase warf er sich in jeden Zweikampf und fiel nicht einmal mit außergewöhnlich unschönem Zeitspiel auf. 

Neymar zaubert gegen Lucas Hernández
Neymar zaubert gegen Lucas Hernández © Imago

Neymar trifft dreimal Aluminium

Im ersten Durchgang brachte Neymar zudem ein Kunststück zustande, was wohl noch keinem Spieler in der Königsklasse gelungen ist. Innerhalb von gut fünf Minuten traf der 103-malige Nationalspieler Brasiliens sage und schreibe dreimal das Torgestänge. 

Zunächst lenke Bayern-Keeper Manuel Neuer einen Schuss von Neymar - nach einer herausragenden Einzelaktion - an den Pfosten. dann schlenzte der PSG-Star den Ball gegen die Latte, um ihn nur wenige Augenblicke später wieder gegen den Pfosten zu spitzeln. Eine aberwitzige Situation, die einem Neymar so manches Mal in seiner Karriere die Lust genommen hätte.

Nicht so am Dienstagabend. Neymar haderte nicht - im Gegenteil: Mit jedem Aluminiumtreffer schien er noch ein wenig entschlossener zu werden, noch ein geniales Dribbling mehr zu ziehen und noch drei Gegenspieler mehr ins Leere laufen zu lassen. 

Auch der Egoist Neymar war nicht zu sehen. Der Superstar gab den Ball ab, wenn es Sinn machte. Oft ergab es aber keinen Sinn, weil Neymar selbst die beste Idee hatte. 

Wer diesen Neymar gesehen hat, der dürfte kaum glauben, was vor einer Woche geschehen ist. 

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Der Exzentriker verliert die Fassung

Im Spitzenspiel der Ligue 1 hatte Neymar vor gut einer Woche seine andere Seite gezeigt - die des aufbrausenden Exzentrikers. 

Bei der 0:1-Pleite gegen Lille offenbarte er die komplette Palette von dem, was Fußball-Fans nicht von ihm sehen wollen. Er rollte sich auf dem Rasen, er verlor die Lust am Spiel und kurz vor dem Abpfiff auch noch die Beherrschung. 

Neymar hatte Lilles Tiago Djaló gestoßen und dafür die Gelb-Rote Karte gesehen. Im Spielertunnel hätte er sich dann mit seinem Gegenspieler geprügelt, wenn nicht Betreuer dazwischen gegangen wären. 

Gut eine Woche später ist alles anders, in rund zehn Tagen hat Neymar der Fußball-Welt die komplette Bandbreite seiner Persönlichkeit auf dem Platz gezeigt. 

Neymar löst endlich ein Versprechen ein

"Wenn du mir sagst, dass ich etwas nicht kann, dann wirst zu mich doppelt so hart daran arbeiten sehen" - diesen Satz hat Neymar vor vielen Jahren gesagt. 

Es scheint, als habe er genau das gemacht. Man kann sich nur vorstellen, dass PSG-Coach Mauricio Pochettino - der einen sehr guten Draht zu seinem Superstar haben soll - dem Brasilianer eine Ansage gemacht hat. Und Neymar hat am Dienstagabend ein Versprechen eingelöst. 

Dabei handelt es sich nicht nur um ein Versprechen an seinen Trainer und die Mannschaft, die auch zunehmend genervt von Neymar war, sondern auch eines an die Fußball-Welt. 

Am Dienstagabend haben alle Betrachter der Partie in Paris gesehen, dass Neymar ein einzigartiges Talent hat. Ein Talent, das dem von Lionel Messi ähnelt. Es wäre eine Schande, wenn ein solcher Fußballer nur mit seinen negativen Seiten in Erinnerung bliebe. 

"Wir wollen den Pokal hier haben", sagte der Superstar von PSG nach der Partie kämpferisch. Mit diesem Neymar scheint das große Ziel des französischen Serienmeisters greifbar. 

Die Krönung in der Champions League hatten die PSG-Bosse aus Katar im Sinn, als sie 2017 die Rekordsumme von 222 Millionen für Neymar zahlten - mit dem Henkelpott würde der Superstar endgültig seine Bestimmung erfüllen.

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