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München - Vor 15 Jahren erschütterte der Hoyzer-Skandal die Fußballszene. Bei SPORT1 erinnert sich der damalige HSV-Coach Klaus Toppmöller mit Schrecken zurück.

Vor knapp 15 Jahren erschütterte ein handfester Skandal den deutschen Fußball. Der Zweitliga-Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte im Jahr 2004 Spiele verschoben. Dies geschah im Auftrag der kroatischen Sapina-Brüder, die in Berlin als Wett-Paten das berüchtigte Cafe King betrieben. Hoyzer erhielt dafür 67.000 Euro und einen Fernseher.

Auch das Pokalspiel des Hamburger SV beim SC Paderborn war eine der betroffenen Begegnungen. Nach zwei Elfmetern und einer Roten Karte gegen den damaligen HSV-Stürmer Emile Mpenza gewannen die Ostwestfalen 4:2 - später stellte sich heraus, dass die Partie verschoben war. 

Am Dienstag kommt es zur Neuauflage des Spiels (ab 18.30 Uhr im LIVETICKER), wieder in Paderborn, wieder im Pokal. Hoyzer wurde vom DFB lebenslang gesperrt. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn außerdem wegen Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis.

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Der HSV erhielt vom DFB zwei Millionen Euro Entschädigung. Hoyzer arbeitet heute beim Online-Vergleichsportal Idealo. Zahlen muss er 126.000 Euro, weil der Verband ihm nicht komplett seine Zukunft verbauen wollte. Bis 2026 muss er jährlich 8400 Euro an den Verband überweisen.

Einer, der ihm bis heute nicht verzeihen kann, ist der damalige HSV-Coach Klaus Toppmöller. Der 67-Jährige verlor kurz nach dem Pokal-Aus seinen Job bei den Hanseaten.

"Alles angerufen, was Rang und Namen hat"

"Das Ding war so offensichtlich, dass das Betrug war, das kann ich heute noch nicht glauben. Robert Hoyzer hat meine Zeit beim HSV kaputt gemacht. Den Typ will ich nie mehr sehen. Wer mich einmal betrügt, mit dem will ich nichts mehr zu tun haben. Das Thema ist durch", sagt Toppmöller im Gespräch mit SPORT1.

Er erinnert sich an schlimme Tage nach der Partie. "Ich habe danach alles, was im Fußball Rang und Namen hat, angerufen, bin aber nur müde belächelt worden. Ein Schiedsrichter drohte mir damals sogar, mich zu verklagen. Ich hatte die Nase voll vom Fußball, war so enttäuscht. Für mich war das unfassbar, dass so etwas passieren konnte. Das war meine schlimmste Phase als Trainer. Ich hatte sonst nur harmonische Stationen."

Toppmöller gerät in Rage, als er darüber spricht: "Das war eine harte Zeit, ich habe den Fußball so geliebt und wurde dann so enttäuscht. Ich habe damals im stillen Kämmerlein geweint, weil ich diese Ungerechtigkeit nicht begreifen konnte."

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Erfolgreiche Zeit in Georgien

Nach seiner Zeit beim HSV brauchte Toppmöller erst einmal Abstand vom Fußball, wurde dann im Februar 2006 Nationaltrainer in Georgien. Eine erfolgreiche Zeit bis zum 2. April 2008, da wurde sein Vertrag mit dem georgischen Fußballverband vorzeitig aufgelöst. Die Freude am Fußball hatte er aber wiedergefunden.

"Eigentlich war ich mit Hoffenheim und kurz danach mit dem 1. FC Köln einig. Georgien hat mir dann wieder gutgetan, das war von der Euphorie meine beste Station, eine wunderbare Zeit, da war ich der beste Freund vom Staatspräsidenten." 

Und was macht Toppmöller heute? "Ich bin nicht weg vom Fußball, mache viel Scouting und bin fast jedes Wochenende auf dem Fußballplatz. Ich habe weiter ganz Europa im Blick, nicht nur meine früheren Vereine. Ich war immer ein Fußballverrückter und kenne mich in allen Ligen aus."

Keine guten Erinnerungen an HSV

An seine Zeit in Hamburg hat er nicht nur wegen Hoyzer keine guten Erinnerungen. "Beim HSV war alles so, wie man es sich nicht wünscht. Das eine Jahr hätte ich mir sparen können. Ich war froh, als ich weg war. Die Fans waren sensationell, aber nach dem Pokalspiel ist es ganz auseinander gebrochen, als wir da verschoben wurden."

Toppmöller erinnert sich an einen Vorfall, der sinnbildlich für seine Zeit bei den Rothosen war. "Nach dem Nordderby gegen Werder Bremen sollten wir am nächsten Tag nach dem Training zu den Fans gehen, weil dort eine Feier war. Das haben wir auch gemacht, wurden dort aber übelst beschimpft, weil wir gegen Werder verloren hatten. Ich holte die Spieler alle in die Kabine und dann kam der gesamte Vorstand zu mir und wollte, dass wir wieder zurückgehen."  

Auch wegen mancher Spielertransfers eckte er in Hamburg an. "Ich musste mich beschimpfen lassen, weil ich nach Holland fuhr, um Khalid Boulahrouz zu holen, der später für rund elf Millionen zum FC Chelsea verkauft wurde. Damals stand in der Zeitung‚ Toppmöller lässt Mannschaft im Stich."

Toppmöller besorgt Spieler

Auch Daniel Van Buyten lotste Toppmöller nach Hamburg. "Ein Riesen-Typ, den keiner kannte. Er kostete drei Millionen Euro und wurde später dann für elf Millionen an die Bayern verkauft."

Er sei "immer positiv vorangegangen, aber meine Freude an diesem Sport hat beim HSV schon sehr gelitten".

Heute hegt er gegen den HSV keinen Groll mehr: "Der Verein gehört in die Bundesliga und ich wünsche ihm und dem 1. FC Köln den Aufstieg. Der HSV steht zurecht da oben. Ich hoffe, dass der Abstieg im Endeffekt gut war für den Klub."

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