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München - Ralf Rangnick steht mit RB Leipzig vor einer Rekordsaison und strebt den Pokaltitel an. Auf Nachfolger Julian Nagelsmann wartet eine Herausforderung.

Im Schatten des Titel- und Abstiegskampfs der Bundesliga fliegt das Team der Stunde in Fußball-Deutschland unter dem Radar: RB Leipzig.

Die Leipziger haben die vergangenen fünf Liga-Partien und alle Auswärtsaufgaben 2019 für sich entschieden, insgesamt sind sie seit 14 Pflichtspielen unbesiegt.

Da sollte das Pokal-Halbfinale am Abend beim HSV (Hamburger SV - RB Leipzig ab 20.45 Uhr im LIVETICKER), der seit fünf Spielen sieglos ist, nur Formsache sein (Hier zum Spielplan des DFB-Pokals).

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"Jeder bei uns im Verein brennt darauf, ins Pokal-Finale einzuziehen", gab Trainer Ralf Rangnick die Marschroute vor (Alle Infos zum DFB-Pokal im Volkswagen Pokalblog).

Der 53-Jährige will sich mit einem Titel vom Team verabschieden, ehe er sich wieder auf den Sportdirektor-Posten konzentriert – und Julian Nagelsmann an der Seitenlinie übernimmt.

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Stellt sich die Frage: Kann Nagelsmann RB überhaupt besser machen?

Leipzig mit bester Defensive

In der Defensive besteht wenig Steigerungspotenzial. Gerade einmal 23 Gegentore hat RB in der Bundesliga-Saison bislang kassiert und damit sechs weniger als der in dieser Kategorie zweitplatzierte FC Bayern.

Damit ist Leipzig auf einem Level mit Manchester City (22) und Juventus Turin (23) und besser als Paris Saint-Germain (27). Peter Gulacsi hielt seinen Kasten bereits 15 Mal sauber.

Dabei hatte man nach vier Partien bereits acht Gegentreffer auf dem Konto.

Leipzig ist inzwischen auch in der Lage, an durchschnittlichen Tagen einen Weg zu finden, Spiele zu gewinnen - eine Fähigkeit, die Spitzenteams auszeichnet.

Das stellte der Klub am Samstag unter Beweis, als man gegen Borussia Mönchengladbach durchaus Mühe hatte und das selbstkritisch anmerkte, am Ende aber mit einem 2:1-Sieg nach Hause fuhr.

Rangnick sorgt für Disziplin

Ein weiteres Problem der frühen Saisonphase hat Rangnick ebenfalls in den Griff bekommen. Disziplinlosigkeiten, die sich besonders in Person von Jean-Kevin Augustin oder Nordi Mukiele geäußert hatten, gehören der Vergangenheit an.

"Wie Nordi sich entwickelt und eingeordnet hat, und wie er sich jetzt verhält, ist wunderbar", erklärte Yussuf Poulsen dem kicker: "Wenn jemand erkennt, dass er etwas falsch gemacht hat, und sich dann so verändert und so präsentiert, dann ist das klasse."

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Während sich Mukiele auch wegen der Verletzung von Dayot Upamecano zum Leistungsträger in der Innenverteidigung gemausert hat, stand Augustin 2019 gerade einmal 35 Minuten auf dem Feld.

Doch auch der Stürmer, der angeblich auf der Verkaufsliste steht, ist laut Poulsen "richtig professionell" geworden.

Potenzial in der Offensive 

Allerdings gibt es auch Steigerungsbedarf - und damit Chancen für Nagelsmann. Während Leipzig defensiv Spitze ist, hat das Team 15 bzw. 22 Tore weniger als Dortmund und München erzielt.

Die meisten Siege kommen durch konzentrierte Verteidigung, Pressing und Effizienz zustande, selten begeisterte Leipzig mit rauschendem Offensivfußball.

"Es geht darum, noch mehr Möglichkeiten herauszuspielen, noch mehr Balleroberungen zu schaffen und somit die Zahl und Qualität der Torchancen zu erhöhen", wurde Rangnick Ende März im ZDF zitiert.

Er fügte hinzu: "In den Umschaltmomenten haben wir noch Luft nach oben: Spiele ich den Pass oder schieße ich? Sehe ich den besser postierten Mann oder nicht? Da können wir noch besser werden."

Null Punkte gegen Bayern und BVB

Zudem hat Leipzig in den bisherigen Duellen mit Bayern und dem BVB alle Punkte liegen gelassen, auch wenn man im Rückspiel gegen Dortmund laut Marcel Sabitzer "nie hätte verlieren dürfen".

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"Wir müssen einfach in den Spielen gegen Bayern und den BVB noch mehr abliefern", sagte Sabitzer der Bild. Dann spreche "nicht viel" dagegen, dass der Klub in den Titelkampf der Bundesliga eingreife.

Indirekt ist das in diesem Jahr noch möglich. Denn Leipzig kann den Bayern nicht nur in einem möglichen Pokalfinale in die Suppe spucken, sondern auch in der Liga, wo RB am 11. Mai am vorletzten Spieltag die Münchner empfängt – und damit zu Dortmunds Trumpf werden kann.

Nagelsmann und Rangnick: Passt das?

Mit Nagelsmann, der womöglich als Einziger Timo Werner noch vom Bleiben überzeugen könnte, kommt ein gieriger Trainer. "Spätestens in sechs Jahren möchte ich was Silbernes in der Hand halten", sagte er zuletzt beim RNZ-Forum.

Und klar ist: Wenn der begehrteste Trainer Deutschlands zum drittbesten Klub der Liga wechselt, klingt das erst einmal vielversprechend.

Sowohl Rangnick als auch Nagelsmann rechnen zwar mit Reibung, heben aber die Chancen der Zusammenarbeit hervor. "Unsere Vorstellungen von Fußball passen zusammen, deswegen haben wir uns für den Schritt entschieden", sagte Nagelsmann im Beyond Sports Talk.

Er wolle sich weiterentwickeln, und Rangnick "ist ein Mensch, der die Leute drumherum weiterentwickelt und ihnen Raum gibt, aber auch seine eigenen Ideen vertritt."

Deswegen ist Nagelsmann davon überzeugt, "dass es mit Ralf Rangnick gut funktioniert. Da kommt gute Kompetenz zusammen. Wenn ich in Leipzig so arbeiten kann wie in Hoffenheim, wird das auch in Leipzig gut."

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