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München - Am Dienstag trifft Leon Goretzka mit dem FC Bayern München auf den VfL Bochum in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Der 24-Jährige spricht vor der Heimkehr im SPORT1-Interview.

Der Bochumer Junge kehrt zurück!

Am Dienstagabend trifft Leon Goretzka mit dem FC Bayern München in der zweiten Runde des DFB-Pokals auf Zweitligist VfL Bochum. Für den 24-Jährigen ist es zugleich eine Heimkehr.

In Bochum wurde Goretzka geboren, zum Ruhrpott-Klub wechselte er 2001 in die F-Jugend und entwickelte sich zum Profi. In 36 Pflichtspielen erzielte er vier Tore und lieferte acht Assists. 2013 wechselte er zu Schalke 04, 2018 wagte er den Schritt nach München.

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Pünktlich zum Bochum-Hit greift Goretzka nach wochenlanger Verletzungspause wieder an. Niko Kovac machte ihm sogar Hoffnung auf einen Startelfeinsatz im Mittelfeld.

"Leon war sieben Wochen raus. Wir müssen versuchen, ihn sukzessive nach vorne zu bringen. Es sieht ganz gut aus, dass er gegen seinen Heimatklub auflaufen darf", sagte der Trainer am Montag.

Vorab spricht Goretzka im SPORT1-Interview.

SPORT1: Herr Goretzka, Ihre Gedanken, als das Los gezogen wurde?

Leon Goretzka: Ich habe mich einfach nur gefreut. In erster Linie für meine Familie und Freunde. Das Telefon hat einen halben Tag nicht aufgehört zu klingeln. Es wird eine coole Geschichte, für mich ist das ein ganz spezielles Spiel. Seit meinem Wechsel habe ich darauf gehofft, dass das zustande kommt. Jetzt ist es endlich soweit.

SPORT1: Wer meldete sich?

Goretzka: Ehemalige Jugendtrainer haben mich gleich nach Karten gefragt, denn es war ein Stück weit wie: "Der Junge kommt nach Hause." Für sie ist es eine tolle Geschichte, dass sie mich nochmal in dem Stadion sehen.

SPORT1 zeigt Goretzka sein erstes Profi-Tor für den VfL Bochum im Jahr 2012. Beim 2:1-Heimsieg gegen Dynamo Dresden, zugleich sein Profi-Debüt, traf er zum 1:1 per Kopf - vor 16.191 Zuschauern. Er lacht und greift das iPad fest mit beiden Händen.

SPORT1: Wie war dieser Moment für Sie?

Goretzka: Es war etwas ganz Besonderes, ich habe meinen Emotionen da freien Lauf gelassen. Für mich war es speziell, weil ich noch 17 war und meine Jugendmannschaft im Stadion saß – und viele meiner Freunde und Schulkameraden waren in der Ostkurve. Es war ein Überkommen der Gefühle.

Die SPORT1-Reporter Florian Plettenberg und Stefan Kumberger trafen Leon Goretzka zum Interview in der Allianz Arena
Die SPORT1-Reporter Florian Plettenberg und Stefan Kumberger trafen Leon Goretzka zum Interview in der Allianz Arena © SPORT1

Goretzka: "Ich freue mich einfach unheimlich"

SPORT1: Malen Sie sich schon Szenen im Kopf aus?

Goretzka: Ich habe mir schon Gedanken gemacht, wieder in dem Gang zu stehen. Die Treppe hochzugehen. Wenn man die Stufen hochgeht, sieht man schon das Flutlicht. In meinen Gedanken ist das alles noch extrem präsent, wie es da aussieht. Ich freue mich einfach unheimlich, wieder zurückzukommen.

SPORT1: Was macht es mit Ihnen, wenn Herbert Grönemeyer am Dienstag "Bochum" singt?

Goretzka: Ist er wieder da? Er lässt sich dort ja immer seltener blicken (lacht).

SPORT1: Er wird ja immer von Band gespielt. Würden Sie sich wünschen, dass er öfter vorbeikommt?

Goretzka: Ich glaube, dass es reicht, wenn er in Bochum alle fünf Jahre sein Konzert gibt (lacht wieder). Dann macht er ja zwei Tage hintereinander das Stadion voll. Sein Lied sorgt auf jeden Fall für eine besondere Atmosphäre.

SPORT1: In Bochum waren die Fans damals sehr enttäuscht, als Sie zu Schalke 04 gewechselt sind. 

Goretzka: Ich möchte dieses Fass nicht mehr aufmachen. Mich hat gerührt, dass Bochum vor einer gewissen Zeit ein Schreiben dazu veröffentlicht hat.

SPORT1: Eine Art Liebesbrief, in welchem man Ihnen Ende 2017 zum Tor des Monats gratuliert hat und sich bedankt hat, wie Sie sich immer zum VfL Bochum bekannt haben und dem Verein mit der Ablösesumme halfen.

Goretzka: Das hat mir gut getan, weil ich mich dazu (Wechsel nach Schalke, d. Red.) nie rechtfertigen wollte. Damit wurde dann aber nochmal einiges klargestellt. Den Leuten kannst du aber keinen Vorwurf machen. Wenn man seine Informationen aus den Zeitungen bekommt, die eventuell nicht mal richtig informiert sind, dann macht man sich ein Bild mit den Infos, die man hat. Trotzdem weiß ich, warum ich meine Entscheidung getroffen habe und kann dann auch hundertprozentig dahinterstehen.

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Besondere Atmosphäre in Bochum 

SPORT1: Kommen wir mal zum Pokal-Duell. Der FC Bayern tat sich zuletzt gegen vermeintlich kleine Gegner schwer. Hat Bochum Chancen?

Goretzka: In der Tat haben wir uns in den letzten Wochen schwer getan. Zusätzlich ist es ein K.O.-Spiel. Dann spielt es fast keine Rolle, in welcher Liga du spielst. Man hat also immer das Gefühl, dass eine Chance besteht. Trotzdem wollen wir natürlich weiterkommen. Ich habe meine Mitspieler übrigens seit Wochen zugelabert, dass es eine ganz besondere Atmosphäre mit traditionellem Flutlicht wird. Die fragen sich alle: 'Hä, es ist die zweite Runde im DFB-Pokal.'

SPORT1: Was erwartet die Bayern ganz genau?

Goretzka: Ein schöner Fußballabend, auch durch die Fan-Freundschaften. Ich muss leider oft mit einem weinenden Auge im Ruhrstadion sitzen, weil ich sehe, dass das Stadion nicht mehr gefüllt ist und das Flair verloren geht. Dieser Abend wird aber vieles wieder zurückbringen. Das Stadion wird voll sein und die Leute in der Region sehnen sich nach so Abenden.

SPORT1: Sie sagten einmal, dass sie dem VfL etwas zurückgeben wollen. Klingt nach Karriereende in Bochum mit 38 Jahren.

Goretzka: Wenn ich mit 38 noch helfen kann, dann würde ich das mit Sicherheit in Erwägung ziehen.

SPORT1: Gibt es schon konkrete Pläne?

Goretzka: Ich bin jetzt 24. In den nächsten Jahren werde ich dazu nicht die Möglichkeit finden. Ich gebe dem Verein aber als Fan schon jetzt etwas zurück.

SPORT1: Trainerlegende Peter Neururer prägte Sie einst beim VfL. Wie denken Sie an die Zusammenarbeit mit ihm zurück?

Goretzka: Meine erste Saison als Profi war turbulent. Wir hatten eine ambitionierte Mannschaft, sind dann aber in der Tabelle hinten reingerutscht. Dann kam Zauber-Peter und hat innerhalb von vier Tagen das Ruhrstadion vollgemacht. Mit seiner Präsenz, die er mitbrachte, hat er geholfen, dass wir da schnell wieder rauskommen. Er hat uns dann in ruhigere Gewässer gefahren, wie er das in seiner Karriere schon oft geschafft hat.

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"Ich darf nicht überdrehen"

SPORT1: Fußball im Ruhrgebiet. Warum wird dieser Sport dort so intensiv gelebt?

GoretzkaDort leben einfach unheimlich viele fußballbegeisterte Menschen, die den Fußball auch ein bisschen als Religion ansehen. Am Wochenende die Mannschaft anzufeuern und mit ihnen durch dick und dünn zu gehen, daran fesseln sich die Menschen in dieser Region. Es ist ein Seil, an dem sie sich festhalten können. Auch, wenn es im Privatleben vielleicht mal nicht so gut läuft.

SPORT1:  Bei Ihnen lief es in dieser Saison sportlich noch nicht rund. Sie verpassten das Pokalfinale, absolvierten dann aber eine Top-Vorbereitung, fielen zuletzt wochenlang verletzt aus. Sind Sie ein Pechvogel?

Goretzka: Es war natürlich bitter. Ich bin in der Vorbereitung super durchgekommen und habe keine Trainingseinheit verpasst. Durch eine vermeintliche Lappalie bin ich dann fast sieben Wochen ausgefallen. Das ist ärgerlich, aber jetzt bin ich zurück, topfit und bin bereit, der Mannschaft zu helfen. Ich bin jetzt einfach froh, dass wieder da zu sein. Ich beschäftige mich nicht damit, ob ich Pech oder Glück gehabt habe.

SPORT1: Wären Sie enttäuscht, wenn Sie Dienstag nicht von Anfang an spielen?

Goretzka: Ja. Schon.

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SPORT1: Nach Abpfiff gegen Union Berlin verließen Sie als Erster den Platz. Mehr Spielzeit erhofft?

Goretzka: Man will wieder rankommen und braucht Minuten in den Beinen. Die bekommt man natürlich nicht mit drei, vier Minuten am Ende. Trotzdem, man muss es auch differenziert sehen: Ich bin noch keine zwei Wochen im Mannschaftstraining. Da muss man sich auch selbst manchmal bremsen und aufpassen, dass man nicht überdreht. Ich bin aber ambitioniert und da ich mich fit und gesund fühle, möchte ich so schnell wie möglich wieder auf den Platz und auch in die Startelf.

SPORT1: Ist es für den Kopf eine andere Herausforderung, wenn man beim FC Bayern, mit all der Konkurrenz-Situation, länger verletzt ist?

Goretzka: Ich glaube schon, dass ich bei Bayern in der vergangenen Saison gesetzt war. Natürlich ist es dann schon was anderes, aber ich beachte es als positiv.

SPORT1: Klingt paradox.

Goretzka: Bei einem Verein, wo mehr an dir allein dranhängt, hast du das Gefühl, dass du schneller wieder zur Mannschaft kommen musst. Ich habe mir in dem Fall jetzt aber die Zeit genommen, die ich gebraucht habe. Weil ich auch weiß, dass Spieler da sind, die auch Erfolg bringen können.

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