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FC Bayern: Wie lange darf Niko Kovac noch weiterrumpeln?

Wie lange darf Kovac weiterrumpeln?

Lesedauer: 6 Minuten

Trotz Weiterkommen im DFB-Pokal wird die Luft für Niko Kovac dünner. In der Bayern-Kabine rumort es, Salihamidzic kann über die Darbietungen nur noch lachen.

"Erste Liga, keiner weiß warum!", hallte es von der Bochumer Ostkurve hämisch in Richtung der Stars des FC Bayern. Was für eine Schmach!

Am 14. August 1994 - heute vor 25 Jahren - machte sich Roland Stein unsterblich: Dank seinem Tor gelang dem TSV Vestenbergsgreuth in der 1. Runde des DFB-Pokals die Sensation gegen den FC Bayern © Imago
Eine Blamage, die den Rekordmeister und -pokalsieger bis heute verfolgt. "Jetzt müssen wir mit der Schmach leben", sagte Lothar Matthäus schon nach dem Spiel. Der ebenfalls direkt beteiligte Dietmar Hamann stellte 2015 in einer "Spiegel"-Kolumne fest: "Dass alle dann über uns gespottet haben, ist normal" © Imago
Alljährlich wird bei der Frage, welchem Außenseiter diesmal ein Pokal-Coup gelingen könnte, an die Sensation im Nürnberger Frankenstadion erinnert. Bei den Bayern standen damals weitere große Namen wie Kahn, Helmer, Scholl und Papin auf dem Platz - auf der Bank saß Giovanni Trapattoni © Imago
"Vor der Partie hat keiner dran geglaubt, dass wir gegen die Bayern mithalten können. Aber im Spiel haben wir dann gemerkt, dass wir mithalten können", sagte Siegtorschütze Stein anlässlich des 20-jährigen Jubiläums 2014 im "Volkswagen Pokalfieber" auf SPORT1 © Imago
Erinnerungsstücke von den Bayern-Stars gab es übrigens kaum. "Anschließend hat man keinen mehr von den Bayern gesehen, die waren gleich nach dem Spiel verschwunden. Man wollte Geschenke und Autogramme, aber es war nicht möglich", erinnerte sich Stein © Imago
Der TSV Vestenbergsgreuth war aber längst nicht der einzige Verein, der in der Geschichte des DFB-Pokals für eine faustdicke Überraschung sorgte. SPORT1 zeigt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums die 15 größten Sensationen der Pokal-Historie © SPORT1-Montage: Zimmermann/Tirl/Getty Images/Imago
PLATZ 15: Ein Drittligist macht 2015 von sich reden: Arminia Bielefeld schafft die Sensation und zieht ins Halbfinale ein. Arminia setzt sich gegen Borussia Mönchengladbach nach Elfmeterschießen verdient mit 5:4 durch. Nach 90 wie auch nach 120 Minuten stand es 1:1 © Getty Images
Arminias Abwehrspieler Florian Dick jubelt nach dem Spiel mit den Fans. Nicht nur Gladbach wird besiegt, zuvor bereits auch Hertha BSC und Werder Bremen. Die Bielefelder scheitern erst im Halbfinale am späteren Pokalsieger, dem VfL Wolfsburg © Getty Images
PLATZ 14: 1974 unterliegt der Hamburger SV in der ersten Runde beim badischen Amateurklub VfB Eppingen 1:2 © Imago
Auch Torwart Rudi Kargus kann die Pleite nicht verhindern. Zu der Zeit ist der HSV Tabellenführer der Bundesliga © Imago
PLATZ 13: Und wieder ist der HSV der Leidtragende - 2015 ist Regionalligist Carl Zeiss Jena der Stolperstein für die Hanseaten © Imago
Der Bundesliga-Dino zieht in Runde eins auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld mit 2:3 den Kürzeren © Imago
PLATZ 12: Besser macht es da der HSV-Stadtrivale vom FC St. Pauli. Die Kiezkicker schalten im Viertelfinale der Pokalsaison 2005/2006 Werder Bremen mit 3:1 aus © Getty Images
Torsten Frings (l.) und Patrick Owomoyela (M.) rutschen auf schneebedecktem Boden böse aus © Getty Images
Nach dem Coup gibt es hinterher den endlosen Millerntor-Jubel. Die Pauli-Spieler machen eine große Party - erst im Stadion und danach auf dem Kiez © Getty Images
PLATZ 11: Frust für Schalke 04: Der Champions-League-Teilnehmer scheitert 2014/2015 im DFB-Pokal erstmals seit 25 Jahren wieder in der 1. Hauptrunde gegen Dynamo Dresden © Getty Images
Schwarz auf Gelb: Mit 2:1 bezwingt der Drittligist aus Sachsen die Königsblauen. Eine Runde später muss auch Zweitligist VfL Bochum dran glauben © Getty Images
PLATZ 10: Was für ein Spiel! In der ersten Pokalrunde! 1995/1996 hat das Los dem VfB Stuttgart eine recht kurze Anreise beschert. Es geht in den beschaulichen Hardtwald nach Sandhausen, doch beschaulich ist es da nicht mehr. Mit sage und schreibe 13:12 nach Elfmeterschießen gewinnen die Sandhäuser - damals in der Regionalliga - gegen den Bundesligisten © Imago
PLATZ 9: Die Amateure des VfB Stuttgart gewinnen 2000 gegen Eintracht Frankfurt mit 6:1! Die Schwaben treten von Beginn an couragiert und respektlos auf. Bei den Gästen entpuppt sich die Mehrzahl der Bundesligaspieler als pomadige Stolperkünstler, Unterschiede gibt es nur zwischen Ausfällen und Totalausfällen © Getty Images
PLATZ 8: Eintracht Frankfurt blamiert sich in der ersten Runde des DFB-Pokals 2018/2019 gegen den Viertligisten SSV Ulm 1846. Die Hessen unterliegen dem krassen Außenseiter nach einer schwachen Partie mit 1:2. Neu-Coach Adi Hütter feiert damit einen verkorksten Einstand als Eintracht-Trainer © Getty Images
Frankfurt scheitert als erster Titelverteidiger seit 22 Jahren wieder in der ersten Runde. Beim Ulmer Pokal-Comeback nach 17 Jahren Pause treffen Steffen Kienle und Vitalij Lux vor 18.440 Zuschauern im ausverkauften Donaustadion. Die SPORT1-User wählen die Partie auf Platz 5 der größten Pokal-Sensationen © Getty Images
PLATZ 7: In der Saison 1990/91 leistet sich der FC Bayern (Bild: Brian Laudrup) im DFB-Pokal eine peinliche 0:1-Niederlage in Weinheim an der Bergstraße. In Runde eins ist die Fallhöhe besonders hoch. Mit fünf frischgebackenen Weltmeistern treten die Münchner beim Oberligisten an © Imago
Dort blamieren sie sich bis auf die Knochen. Jürgen Kohler verursacht einen Elfmeter, den Thomas Schwechheimer gegen Raimond Aumann eiskalt verwandelt. Den Bayern gelingt bei 35 Grad kein Tor mehr, sie sind raus. Für die SPORT1-User war die Bayern-Pleite sogar die zweigrößte Pokal-Sensation © Imago
PLATZ 6: Der FK Pirmasens sorgt in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals 2006/07 für eine faustdicke Überraschung und wirft den fünfmaligen Pokalsieger Werder Bremen aus dem Wettbewerb © Imago
Der Regionalliga-Aufsteiger setzt sich im Elfmeterschießen mit 3:1 durch. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Arg gebeutelt reisen die Bremer daraufhin zum Champions-League-Hit beim FC Chelsea © Imago
PLATZ 5: Der Auftritt in Berlin ist für Hoffenheims neuen Keeper Tim Wiese im Sommer 2012 ein rabenschwarzer Tag - so hat sich der selbst ernannte Europa-League-Kandidat den Auftakt sicher nicht vorgestellt. Der Berliner AK 07 bejubelt dagegen den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte © Getty Images
Hoffenheims Defensive agiert auf Hühnerhaufen-Niveau und befindet sich in Berlin unter Dauerbeschuss. Der Viertligist schickt die TSG mit einer 4:0-Packung auf die Heimreise. Die SPORT1-User wählten die TSG-Blamage sogar auf Platz 3 © Getty Images
PLATZ 4: Die Bayern bleiben nicht von weiteren Pokalsensationen verschont. 2000 scheitern die Münchner am 1.FC Magdeburg mit 3:4 nach Elfmeterschießen © Getty Images
Der Traditionsklub aus Sachsen-Anhalt hatte zuvor bereits den 1.FC Köln mit 5:2 vermöbelt © Getty Images
PLATZ 3: In der Saison 1984/85 gelingt dem SC Geislingen ein Pokalcoup: Gegen den unter Ernst Happel zur europäischen Spitzenklasse zählenden Hamburger SV setzt sich das Team von der Schwäbischen Alb sensationell mit 2:0 durch. Für die SPORT1-User landet die HSV-Pleite auf Platz 6 der Pokal-Überraschungen © Imago
PLATZ 2: Keine Freunde im Ruhrgebiet macht sich Eintracht Trier in der Pokalsaison 1997/98. Erst eliminieren die Trierer UEFA-Cup-Sieger Schalke 04 mit 1:0 ... © Imago
dann muss Champions-League-Sieger Borussia Dortmund auch dran glauben © Getty Images
Triers Knipser Rudi Thömmes macht sich beim 2:1 unsterblich. Die SPORT1-User wählen die BVB-Blamage auf Platz vier © Getty Images
PLATZ 1: Die Mutter aller Pokal-Sensationen. Wer erinnert sich nicht? Das Pokal-Debüt von Giovanni Trapattoni 1994 bei Rekordmeister Bayern München im Spiel bei der TSV Vestenbergsgreuth. Es wird kein schönes... © Imago
Die Mannschaft der Münchner ist im Umbruch, das Tor des Tages durch Roland Stein (l.) für die Greuther fällt kurz vor der Pause. Am Ende ist es eine verdiente 0:1-Niederlage für die Bayern und den total angefressenen Torwart Oliver Kahn in seiner ersten FCB-Saison. Auch die SPORT1-User wählten die Bayern-Pleite auf Platz 1 © Imago

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Münchner beim abstiegsgefährdeten Zweitligisten 0:1 in Rückstand und agierten in Runde zwei des DFB-Pokals lustlos, behäbig und ohne jede Spielidee.

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Nur ein zehnminütiger Schlussspurt und Tore von Serge Gnabry und Thomas Müller verhinderten die Total-Blamage. Dennoch war es wieder einmal ein Sieg, der sich wie eine Niederlage anfühlte.

Der Frust bei Bayern sitzt tief

Grund: Die Leistung war erneut nicht "Bayern-like". Wieder war es langsamer Rumpelfußball, Niko Kovac sah sogar ein "Fehlpassfestival".

Eines, das mit einem Bierwurf in Richtung des Bayern-Trainers endete. Mit einer Diskussion zwischen den daraufhin erbosten Co-Trainern Hansi Flick und Robert Kovac mit zwei wütenden Bayern-Fans an der Auswechselbank. Mit einem Ironie-Interview von Hasan Salihamidzic, dessen Worte irgendwo zwischen sarkastisch ausgedrückter Verzweiflung und indirektem Klartext einzuordnen sind.

Mit einem Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der vor dem Abflug nach München am Mittwochmorgen nicht reden wollte. Dem der Auftritt am Abend zuvor aber die Zornesröte ins Gesicht getrieben hatte. Wie auch Uli Hoeneß, der im Stadion neben Rummenigge saß.

Nicht mehr wegzudiskutieren ist die Frage: Wie lange darf Kovac noch weiterrumpeln?

Spieler stehen nicht hinter Kovac

Auf dem Platz bestätigt sich, was auch aus der Bayern-Kabine zu hören ist: Die Mannschaft spielt nicht für den Trainer, weil Kovac in den Augen etlicher Spieler zu wenig tut, um für ihn durchs Feuer zu gehen. Zu wenig Lob, insgesamt keine gute Moderation von Personalentscheidungen.

Es herrscht, wie schon im vergangenen Jahr, keine Symbiose. Das Team präsentiert sich blutleer und ohne jeden Esprit. Das Passspiel, einst ein Aushängeschild der Bayern, ist seit Wochen miserabel. Im Ballbesitz agiert das Team viel zu lässig. "Laissez-faire", wie es Gnabry ausdrückte. Ebenfalls seit Wochen.

Alle Video-Highlights der 2. Runde im DFB-Pokal in der SPORT1-Mediathek und in der SPORT1 App

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Robert Lewandowski, den Kovac überraschend schonte und nach der Halbzeit notgedrungen brachte, motzte gegenüber seinen Mitspielern in Bochum wie in grauen Vorzeiten. Kaum ein Spieler reagierte auf das, was Kovac von der Seitenlinie aus versuchte, mit auf den Weg zu geben. Manch einer zeigte ihm die sprichwörtlich kalte Schulter. Was für eine Arroganz!

Die Mannschaft und Kovac - es ist längst nur noch eine Zweckbeziehung. Liebe war es ohnehin nie.

Beim FC Bayern ist das Team im sportlichen Bereich in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. "Wir haben ein Expertenteam aus Datenwissenschaftlern, Programmierern, Trainern und Sportwissenschaftlern zusammengestellt", sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic © Getty Images
Doch welche Trainer, Physios, Ärzte und Sportwissenschaftler arbeiten an der Säbener Straße? SPORT1 stellt das sportliche Team um Cheftrainer Niko Kovac vor © Credit: SPORT1-Montage/Getty Images/Imago
NIKO KOVAC: Taktik, Aufstellung und Trainingsinhalte: Der Ältere der beiden Kovac-Brüder hat als Cheftrainer immer das letzte Wort im sportlichen Bereich. Ihm wurde es durch die Bayern-Oberen in seinem ersten Jahr nicht gerade leicht gemacht. Biss sich aber durch und erkämpfte sich damit auch die Anerkennung der meisten Fans © Getty Images
ROBERT KOVAC: Der zweite Kovac steht seinem Bruder Niko als erster Co-Trainer nicht nur im Privatleben stets zur Seite. Für den symbolischen Preis von einem Euro wurde Robert Kovac ebenfalls von Eintracht Frankfurt losgeeist. "Wir diskutieren auf Augenhöhe, das letzte Wort hat er", beschreibt Robert die interne Hierarchie © Getty Images
HANSI FLICK: Der frühere Co-Trainer der DFB-Elf an der Seite von Joachim Löw nimmt seit Juli 2019 neben Niko Kovac Platz, den er aus gemeinsamer Zeit bei RB Salzburg kennt. Mit seiner Erfahrung und seinem taktischen Verständnis soll er ein zusätzliches unterstützendes Element für den Cheftrainer darstellen © Getty Images
"Wir haben eine gemeinsame Vergangenheit. Von daher freue ich mich. Das ist ein ganz toller Transfer", sagt Kovac über Flick. Laut Präsident Uli Hoeneß war Flicks Verpflichtung der "ausdrückliche Wunsch" des Cheftrainers und "eine sehr gute Entscheidung, weil wir einen Mann brauchen, der mit der Jugend arbeitet und der integriert" © Getty Images
TONI TAPALOVIC (r.): Der gebürtige Gelsenkirchener ist als Torwarttrainer schon seit 2011 beim Rekordmeister beschäftigt. Als aktiver Profi spielte er unter anderem für Schalke 04 und Mainz 05. Absolute Vertrauensperson von Manuel Neuer © Getty Images
SIMON JENTZSCH: Der frühere 1860-Keeper gehört zwar nicht zum unmittelbaren Team von Niko Kovac, fungiert seit der Saison 2019/20 als neuer Torwarttrainer der U17. Auf der USA-Reise der Profis wurde Jentzsch von Tapalovic, dem Torwarttrainer von Manuel Neuer und Sven Ulreich, eingearbeitet © Getty Images
MICHAEL NIEMEYER: Der Leiter des Innovationszentrums, das im Juli 2018 Eröffnung feierte, ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Niemeyer leitet seit zehn Jahren die Abteilung Spielanalyse beim FC Bayern und gilt als einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet © Getty Images
DANNY RÖHL (l.): Anfang August wechselte der 30-Jährige vom FC Southampton nach München, wo er als Co-Trainer Analyse in Kovacs Team rückt. Der gebürtige Zwickauer hatte bei RB Leipzig als U16-Trainer begonnen, stieg dann vom Videoanalysten zum Co-Trainer auf. Zuvor galt auch Christoph Daums Sohn Marcel als Kandidat für den Posten © Getty Images
DIETER NICKLES: Als Klubsprecher ist der frühere DSF-Moderator schon seit drei Jahren beim Rekordmeister im Amt. Zu sehen ist Nickles regelmäßig bei den Pressekonferenzen der Bayern, wenn er die Fragerunde der Journalisten moderiert. Er pflegt ein enges Verhältnis zu Kovac, beide verlassen nach Spielen oft gemeinsam das Stadion © Getty Images
MARKUS HÖRWICK: Als langjähriger Pressesprecher beim FC Bayern kennt Hörwick den Verein in- und auswendig. Diese Expertise macht sich seit letztem Jahr Niko Kovac zunutze, Hörwick berät ihn im Hintergrund und steht Kovac mit Rat und Tat zur Seite. "Mentalität ist für Niko wichtiger als Qualität“, sagte Hörwick bei der "Zeit" über den Coach © Getty Images
DR. HANS-WILHELM MÜLLER-WOHLFAHRT: Koryphäe "Mull" ist beim Rekordmeister eine Institution. Auch viele andere Sportgrößen wie Ex-Sprintstar Usain Bolt schwören auf seine Dienste © Getty Images
Während Guardiolas Amtszeit verließ Müller-Wohlfahrt aufgrund von Differenzen mit dem Katalanen den Verein, um im Jahr 2017 zurückzukehren. Seit diesem Sommer befindet sich ein Praxis-Ableger direkt an der Säbener Straße © Getty Images
DR. HOLGER BROICH: Der Fitness-Chef und wissenschaftliche Leiter ist schon seit 2014 beim Rekordmeister, kam damals von Leverkusen. Bei den Trainingseinheiten führt er beispielsweise schnelle Laktattests durch einen kleinen Pieks in den Zeigefinger der Spieler durch, um mögliche Übersäuerungen in den Muskeln festzustellen © Getty Images
DR. ROLAND SCHMIDT: Der Internist und Kardiologe darf sich über sechs neue Kollegen freuen, die in die neu aufgestellte medizinische Abteilung integriert werden. In dem Neubau an der Säbener Straße wurde jüngst eine neue Praxis eröffnet. So können aufkommende Probleme bei den Bayern-Stars nun noch schneller behandelt werden © Imago
KATHLEEN KRÜGER: Das "Mädchen für alles" beim FC Bayern ist für Kovac und die Stars Kollegin, Organisatorin und Problemlöserin in Personalunion. Als einzige Person außerhalb des eigentlichen Teams ist sie Teil der WhatsApp-Gruppe der Mannschaft © Getty Images
Für die Spieler ist Krüger sieben Tage die Woche rund um die Uhr erreichbar. "Ich würde mich nie beschweren. Dafür mache ich meinen Job einfach viel zu gerne", beschreibt Krüger ihre Arbeit auf fcbayern.de © Getty Images
THOMAS WILHELMI: Der Fitnesstrainer kümmert sich vor allem um die Reha der verletzten Bayern-Spieler. Drehte in der vergangenen Saison zum Beispiel seine Runden mit Arjen Robben, kümmerte sich häufig um den Aufbau von Corentin Tolisso © Getty Images
PETER SCHLÖSSER: Seit zwei Jahren arbeitet mit Schlösser ein Pilates- und Yoga-Spezialist mit an der Reha der verletzten Stars (im Bild noch mit Mats Hummels) © Getty Images
HELMUT ERHARD: Der Physio-Chef ist für die Erstversorgung verletzter Stars auf dem Rasen zuständig. Löste 2017 Christian Huhn ab, offenbar auf Drängen von Sportdirektor Hasan Salihamidzic © Getty Images
Nach Informationen der "Bild" sind zudem Fitness-Coach SIMON MARTINELLO, Leistungsanalyst SONER MANUSOGLU und Physiotherapeut FLORIAN BRANDTNER inzwischen Teil des medizinischen Stabs © Getty Images

Kovacs verbale Fehltritte häufen sich

Kovac, sofern danach gefragt, äußert sich oft schützend und lobend über seine Spieler, verliert die Kabine aber zunehmend, weil er neuerdings von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt.

Seine "Not-am-Mann"-Aussage über Thomas Müller hängt ihm bis heute nach. Auch der jüngste km/h-Vergleich mit dem FC Liverpool war mehr als unglücklich. Seine Wetter-Ausflüchte (u. a. in Cottbus und Piräus) nahm am Dienstabend sogar Kapitän Manuel Neuer auf: "Wir brauchen keine Ausreden suchen beim Platz, Flutlicht, Sonne, Wind oder sowas. Jeder muss bei sich selbst anfangen."

Die Frankfurt-Fans bezeichnete Bayerns Trainer als "die Besten" der Liga. Seine eigenen, die ihn Ende der vergangenen Saison mit "Kovac-Sprechchören" feierten und somit die Bayern-Bosse gehörig unter Druck setzten, dürften sich darüber wundern.

Kovac wälzt Schuld auf die Spieler ab

Auffällig ist auch: Kovac sucht die Schuld, wie in der Vorsaison, öffentlich bei seinen Spielern, nicht bei sich. "Wenn alle das machen, was der Trainer sagt, dann funktioniert es", meinte Kovac lobend in Richtung des VfL Bochum. Anders formuliert: Würden meine Spieler machen, was ich ihnen sage, würde es auch funktionieren.

In Piräus stellte er fest, dass man sich in der Defensive "verschlechtert" habe. Die abermals vielen Fehlpässe in Bochum waren ihm "ein Rätsel". Das habe "ganz klar mit der Einstellung" zu tun, kritisierte er seine Spieler.

Für die Einstellung aber ist Kovac mitverantwortlich!

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Die Luft für Kovac wird immer dünner

Zur Wahrheit gehört auch, dass Spieler durchaus berichten, dass die internen Analysen und Ansprachen von Kovac oft gut seien, er klar anspreche, was er erwarte - und was abgestellt werden müsse. Die Umsetzung jedoch erfolgt nicht.

Die Frage nach dem Warum werden sich auch die Bayern-Verantwortlichen stellen müssen.

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Kovacs letzte öffentliche Bastion in Person von Hoeneß zieht sich in wenigen Tagen in die zweite Reihe zurück. Rummenigge forderte bereits beim Bankett in Athen eine zügige Entwicklung. Die Worte von Salihamidzic werden auch immer deutlicher. Für ihn, der Sportvorstand werden will, geht es schließlich auch um den Nachweis von Entwicklung und Erfolg.

Hinzukommt, dass im Hintergrund längst Gedankenspiele über mögliche Nachfolger laufen und diese öffentlich nicht einmal dementiert werden.

Welche Alternativen gibt es?

Erik ten Hag scheint in Amsterdam nur auf den Anruf aus München zu warten und bringt sich seit Wochen selbst in Spiel. Nach SPORT1-Informationen gilt er für Rummenigge als Nachfolge-Favorit, sollte es mit Kovac nicht mehr weitergehen.

Ralf Rangnick brachte sich hinter den Kulissen bereits vor dem vergangenen Pokalfinale als möglicher Kovac-Nachfolger in Stellung, hat vereinsintern aber Widersacher.

Salihamidzic hingegen ist nach SPORT1-Informationen ein Fan von Mauricio Pochettino von den Tottenham Hotspur, dessen Handynummer er längst hat.

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Kovac aber will sich durchbeißen und seinen bis 2021 laufenden Vertrag erfüllen. Zuletzt machte er klar, was geschehen könne, setze man, wie im Falle von Jürgen Klopp, auf Kontinuität und Zeit. Diese beiden Faktoren seien "im Fußball entscheidend", betonte der Kroate.

Bei Klopp und dem FC Liverpool allerdings ging die Entwicklung steil nach oben. Bei den Bayern dagegen befindet sie sich im steilen Sinkflug.