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München - In Corona-Zeiten werden die Amateurvertreter im DFB-Pokal vor schwierig zu erfüllende Aufgaben gestellt, wenn sie in der ersten Hauptrunde zu Hause antreten wollen.

Es könnte ein, wenn nicht sogar das Highlight der Vereinsgeschichte sein: Die erste DFB-Pokal-Hauptrunde, und dann am besten noch mit einem Bundesligisten als Gegner zu Gast im eigenen Stadion.

Welcher Amateurklub träumt nicht davon? Doch in Corona-Zeiten dürfte dieser Wunsch für viele Underdogs unerfüllt bleiben, selbst wenn sie zwischen dem 11. und 14. September zu den 64 Teams zählen, die in der ersten Hauptrunde an den Start gehen dürfen.

Denn der DFB verlangt von ihnen bis zum 11. August das klare Bekenntnis, ob sie sämtliche der in diesem Jahr aufgrund der Pandemie noch einmal erhöhten Auflagen für eine Austragung des Pokalhits im eigenen Stadion erfüllen können – mit entsprechend zeitnah einzureichenden Formularen als Erschwernis.

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Dabei werden die aktuell noch fehlenden 23 Teilnehmer der ersten Hauptrunde erst in den Landespokalfinals am 22. August ermittelt. Für viele Klubs steht zuvor sogar erst noch das Halbfinale des Landespokals an.

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Um die frühe Festlegung mit der Inkaufnahme des bestenfalls nur enormen bürokratischen Aufwands kommen also auch viele kleinere Klubs nicht herum, die im, ungünstigen Fall im September trotzdem nur Zuschauer sind.

"Ich muss dem Verband bis 11. August die Antwort auf die Frage mitteilen: Kann die 1. Hauptrunde hier ausgetragen werden, ja oder nein?", sagt Christoph Thyssen, Vorsitzender des 1. FC Kleve, im Gespräch mit SPORT1. "Wenn ich da ja sage, muss ich das durchziehen. Dann kann ich nachher nicht mehr zurück."

Für den Oberligisten vom Niederrhein ist schon der Einzug in das Landespokal-Halbfinale gegen den 1. FC Bocholt ein herausragender Erfolg in der 20-jährigen Vereinsgeschichte.

Arminia Bielefeld wartet in erster Pokal-Hauptrunde

Das findet allerdings erst am 18. August statt, nach der Genehmigung eines eigens erstellten Hygienekonzepts immerhin vor 300 Zuschauern im eigenen Stadion.

Gewinnen die Klever gegen den Ligarivalen, wartet im Endspiel des Niederrheinpokals der Sieger der Partie TVD Velbert gegen Rot-Weiss Essen – nach Stand der Dinge in Essen. Ein Auswärtscoup beim Deutschen Meister von 1955 und aktuellen Spitzenteam der Regionalliga West wäre eine Riesenüberraschung. Und hätte als verdienten Lohn ein Pokal-Aufeinandertreffen mit Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld zur Folge.

"Ich kann leider nicht sagen, wenn wir den Einzug in die 1. Hauptrunde geschafft haben, jetzt überlege ich doch nochmal, ob wir das Spiel nicht doch stemmen können", gibt Thyssen für den Fall der Fälle zu bedenken.

So stellt sich für die Klever die gleiche Frage wie für viele andere Hauptrundenaspiranten aus dem Amateurlager.

"Wir sind rein ehrenamtlich engagiert. Ich habe auch nur gesehen, dass das eine Riesenliste ist", sagt er zu den zu bearbeitenden Unterlagen. "Und wenn das zu aufwendig wird, machen wir es natürlich nicht."

Tausch des Heimrechts wird konkret angeboten

Die fast logische Konsequenz: Ein Tausch des Heimrechts, der große Tag des Außenseiters stiege in Ostwestfalen. "Das wird ja sogar explizit angeboten", erklärt Thyssen. Doch so einfach will er das im Fall der Fälle größte Heimspiel des Klubs dann doch nicht abschreiben.

"Wir sind natürlich bemüht, unseren Fans und Zuschauern hier auch mal was zu zeigen. Daher will ich jetzt nicht pauschal sagen, wir geben das auf jeden Fall ab, weil das jetzt zu aufwendig ist", meint er. "Wir werden das genau prüfen, und wenn wir das mit unserer ehrenamtlichen Arbeit stemmen können, machen wir das."

Wenn nicht, müsse der Klub über Alternativen nachdenken, das könnten dann ja auch ein Ausweichstadion in der Nähe wie Duisburg oder Krefeld sein. Bis es dazu kommt, fließt noch viel Wasser den Rhein herunter. Und womöglich ist der Pokaltraum des 1.FC Kleve ja bereits am 18. August ausgeträumt. Den bürokratischen Aufwand für den eventuellen Fall des großen Coups hätten sie dann vergeblich betrieben.

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