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München - Alexander Nübel bestreitet gegen den 1. FC Düren den ersten seiner vom FC Bayern garantierten Einsätze - ein Thema, das noch viel Zündstoff birgt.

Am heutigen Donnerstagabend beginnt der FC Bayern München, seine Pflicht gegenüber Alexander Nübel zu erfüllen.

Zum ersten Mal seit seinem Wechsel im Sommer steht der frühere Keeper des FC Schalke 04 erstmals unter regulären Bedingungen für die Münchener im Tor. Im DFB-Pokalspiel gegen den Fünftligisten 1. FC Düren macht Manuel Neuer Platz für den 24-Jährigen - womit das heikle Konstrukt, auf das Bayern sich mit dem Nübel-Deal eingelassen hat, wieder in den Blickpunkt rückt.

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FC Bayern hat Alexander Nübel Spiele garantiert

Zur Erinnerung: SPORT1 enthüllte im Januar 2020, dass Nübel vom FC Bayern eine schriftliche Zusicherung für eine bestimmte Anzahl von Pflichtspieleinsätzen bekommen hatte.

Ein unübliches Detail, das Bayern (wie einst im ähnlich gelagerten Fall Jürgen Klinsmann) bis heute nicht bestätigt hat, dementiert aber eben auch nicht. 

Bekanntermaßen hat Neuer - im Januar selbst noch in Vertragsverhandlungen mit den Bayern - verärgert reagiert, als Bayerns Pläne für das Torhüter-Jobsharing durchsickerten ("Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und möchte immer spielen“). Nach SPORT1-Informationen hat sich Neuers Management in den Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung explizit nach der Nübel-Klausel erkundigt.

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Der Ärger mit Neuer ist nun zwar beigelegt und die Torhüter-Situation beim Triple-Sieger durch den Wechsel von Sven Ulreich zum HSV entschärft. Dennoch sind Fragen offen geblieben, die für weitere Verstimmung sorgen könnten. Das wurde schon bei genauem Hinhören auf der Bayern-PK vor dem Spiel deutlich.

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Manuel Neuer ließ sich bislang kaum auf Pausen ein

Hansi Flick bestätigte da die allgemeine Ahnung, dass er Nübel gegen den Fünftligisten aufbieten wird - auch mit der Begründung, dass Neuer noch am Dienstag für die Nationalmannschaft aktiv war.

"Ich denke, Manu hat da auch Verständnis, dass wir morgen Alex Nübel spielen lassen", sagte Flick. Und sagte gewiss nicht zufällig "Ich denke" statt "Ich weiß".

So üblich es bei anderen Klubs speziell im Ausland ist, den Stammtorhüter in Pokalpartien zu schonen und dem Ersatzmann Spielpraxis zu geben: Für Neuer war das bisher die Ausnahme anstelle der Regel.

Hansi Flick vor schwierigem Balance-Akt

In neun Jahren bei Bayern saß er nur dreimal im Pokal auf der Bank, wenn er hätte spielen können: 2011 in der zweiten Runde gegen Ingolstadt ließ Jupp Heynckes Jörg Butt ran, 2012 gegen Kaiserslautern Tom Starke, 2015 gönnte Pep Guardiola in der Erstrunden-Partie gegen Nöttingen dem frisch verpflichteten Ulreich einen Pokal-Auftritt.

Auch in anderen Wettbewerben waren Pausen für Neuer bislang eine absolute Seltenheit: In der Bundesliga saß Neuer bei Bayern bislang siebenmal fit auf der Bank, Bayerns Vorsprung in der Meisterschaft war da jeweils immer schon zweistellig. In der Champions League pausierte er ein einziges Mal, 2011 im sechsten Spiel der Gruppenphase gegen Manchester City, die zu diesem Zeitpunkt - natürlich - schon gewonnen war.

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Man sieht: Flick steht vor einer Balance-Übung mit hohem Schwierigkeitsgrad: Er muss einen Einschnitt in Neuers Gewohnheiten vornehmen, der möglichst nicht so tief ist, dass Neuer verärgert ist - aber auch tief genug, dass Nübel sich nicht veralbert vorkommt.

Nübel kämpft gegen unvorteilhafte Wahrnehmung

Der Anspruch des früheren U21-Nationalkeepers ist bekanntlich ein anderer als der von Butt, Starke und Ulreich. Er ist zu Bayern gewechselt, um Neuer zu beerben, wenn die Zeit gekommen ist.

Bei seiner vielfach in Frage gestellte Entscheidung, sich bis dahin mit einem Bankplatz bei Bayern zufrieden zu geben, spielt die ausgehandelte Einsatzgarantie eine Schlüsselrolle. Wird er den Geist der Vereinbarung erfüllt sehen mit Einsätzen gegen Düren und in weniger wichtigen Liga- und Gruppenphasenspielen?

Jede Gelegenheit für Nübel, sich unter Wettbewerbsbedingungen zu zeigen, kann ihm nur guttun. Jede gute Leistung im Bayern-Dress ist ein Kontrapunkt gegen die unvorteilhaften Eindrücke, die sich seit der Anbahnung seines Wechsels angesammelt haben: der Kung-Fu-Tritt gegen Frankfurts Gavinovic, die zwischenzeitliche Degradierung bei Schalke, der Tribünenplatz, den er von Flick gegen Hoffenheim zugewiesen bekam - worauf ein Leihgeschäft mit Nübel für eine Weile ein Thema war.

Der ehemalige U21-Nationalkeeper ist geblieben, kämpft nun aber gegen die Wahrnehmung, seinen Status als Deutschlands Torwart der Zukunft verzockt zu haben – Gegenargumente kann er nur auf dem Platz liefern.

Wann spielt Neuer, wann spielt Nübel? Die T-Frage wird noch oft zu einem Belastungstest werden, auch für die Autorität von Flick, der ungern den Eindruck erweckt, dass seine Entscheidungen Beweggründe haben, die keine sportlichen sind.

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