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Oliver Bierhoff will von der Debatte um Joachim Löw nichts wissen
DFB-Direktor Oliver Bierhoff (r.) will die Nähe zu den Fans wieder intensivieren © Getty Images
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München - Der Direktor der Nationalmannschaft hat seine Bilanz aus dem frühen WM-Aus gezogen. Er kündigt mehr Bodenständigkeit an - und weniger Marketing.

Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hat als Konsequenz aus dem WM-Desaster für die Spieler der DFB-Auswahl wieder bestimmte Leitlinien angekündigt.

 "Vor der WM 2006 haben wir einen Verhaltenskodex entwickelt. Der wurde gelebt, das war selbstverständlich. Das haben wir ein bisschen schleifen lassen. Wir werden künftig wieder eine klare Richtung vorgeben", sagte Bierhoff am Mittwoch in München bei der WM-Analyse zusammen mit Bundestrainer Joachim Löw.

Bierhoff will Nähe aufbauen

Dem DFB-Team war vor und bei der WM eine gewisse Entfremdung von den Fans vorgeworfen worden. "Das hat mich besonders getroffen. Das ist ein wichtiger Aspekt, den ich sehr ernst nehme", sagte der Europameister von 1996. Man werde versuchen, "Nahbarkeit und Bodenständigkeit wieder zu intensivieren. Wir müssen wieder Nähe aufbauen."

Löw übt Selbstkritik: "Das war fast schon arrogant"

Grundsätzlich sei man in Russland "selbstgefällig aufgetreten. Wir haben die Unterstützung für zu selbstverständlich erachtet, geglaubt, dass das ein Selbstläufer ist. Da waren wir nachlässig." Er ärgere sich, "dass ich gewisse Entwicklungen und Muster unterschätzt und nicht konsequent genug eingegriffen habe".

Spagat zwischen Kommerz und Arbeit

Kritik gab es auch an den kommerziellen Auswüchsen. "Wir müssen den Spagat zwischen Kommerz und ehrlicher Arbeit schaffen. Wir werden die mannschaftsrelevanten Tätigkeiten betrachten, anders und dezenter auftreten", kündigte Bierhoff an.

In diesem Zusammenhang stehe auch der umstrittene Begriff "Die Mannschaft" auf dem Prüfstand. Man werde "das analysieren und dann eine Entscheidung treffen".

Team hinter dem Team deutlich verkleinert

Sicher ist, dass der Stab um die Mannschaft verkleinert wird. "Wir wollen den Personenkreis so klein wie möglich halten und die Abläufe optimieren", sagte Bierhoff. Bei einem Turnier werden künftig elf Personen, bei Länderspielen sieben weniger zum "Team hinter dem Team" gehören.

Nicht mehr dabei sind künftig Assistent Thomas Schneider, der in die Scouting-Abteilung wechselt, Chefscout Urs Siegenthaler, der andere Aufgaben wahrnimmt, Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Physiotherapeut Klaus Eder (beide aus Altersgründen). Darüber hinaus wurde eine Stelle im Teammanagement und in der Medienabteilung gestrichen.

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