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Mats Hummels (r.) debütierte im Mai 2010 für die deutsche Nationalmannschaft
Mats Hummels (r.) debütierte im Mai 2010 für die deutsche Nationalmannschaft © Getty Images
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Mats Hummels äußert sich vor dem Auftakt in die Nations League gegen Frankreich zum Thema Mesut Özil. Auch sein eigenes Auftreten hinterfragt der Nationalspieler.

Nationalspieler Mats Hummels hat eingeräumt, die Aufregung rund um Mesut Özil und dessen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan unterschätzt zu haben.

"Wir haben intern darüber gesprochen. Aber ich habe es nicht als so einflussnehmend auf unsere Leistung erachtet, wie es am Ende wahrscheinlich doch war. Vielleicht war das falsch eingeschätzt", sagte der 29-Jährige in einem Interview mit dem kicker.

"Habe überlegt, ob ich mich äußern soll"

Zudem erklärte Hummels, warum er Özils Rücktritt unkommentiert ließ: "Es gab ja nicht das eine Thema bei Özil. Seine Rücktrittserklärung war vier, fünf Seiten lang. Ich überlegte, ob ich mich äußern sollte – zu welchem der sechs, sieben Themen."

Hummels erklärt sein Schweigen im Fall Özil

Sein eigenes Auftreten auf und neben dem Platz reflektierte der 66-fache Nationalspieler gewohnt kritisch: "Die sportlichen Probleme, die wir auf dem Platz hatten und die ich sah, habe ich zwar angesprochen, aber ich hätte sie deutlich vehementer ansprechen sollen. Das werfe ich mir definitiv vor", sagte Hummels.

Der Bayern-Verteidiger ergänzte: "Ich habe mit Mitspielern gesprochen, um zu erfahren, wie es gesehen wird, wenn ich mich äußere. Ich führe mir vor Augen, wie wirkt das jetzt bei diesem Spieler, wenn ich mit meinen 1,90 Metern gestikulierend und schreiend dastehe.  Ich meine es gar nicht böse, aber die Wirkung kann ganz anders sein. Ich habe gelernt, das ist definitiv der Fall.“

Rücktritt für Hummels kein Thema

Ein eigener Rücktritt kam für Hummels hingegen nicht in Frage.

"Eher das Gegenteil, ich spürte sofort eine Trotzreaktion: So kann ich aus der Nationalmannschaft nicht abtreten. Nach all den schönen Jahren war ein Rücktritt kein Thema für mich. Und große Sorgen, dass ich nicht wieder dabei sein könnte, habe ich mir nicht gemacht."

Hummels stärkt Löw den Rücken

Bundestrainer Joachim Löw habe nach dem WM-Debakel "auf keinen Fall" an Autorität verloren. "Ein Trainer, der eigene Fehler eingesteht, gewinnt bei einer Mannschaft sehr viel an Kredit und Stellenwert, diese Erfahrung habe ich gemacht", so Hummels: "Der Bundestrainer hat bei der Mannschaft überhaupt nichts von seinem Stellenwert verloren, er hat sogar gewonnen."

Dass sich Löw während seiner WM-Analyse vor seine Spieler gestellt und viel Selbstkritik geübt hatte, werde ihm hoch angerechnet.

"Wir alle wissen, dass der Bundestrainer sehr viel Kritik einstecken musste für Sachen, die wir Spieler auf dem Platz uns eingebrockt haben", sagte Hummels: "Wir wissen, was wir an diesem Bundestrainer haben, wie unglaublich gut er die Nationalmannschaft geführt hat, seit 2006 allein und davor als Co-Trainer: Er wird von der Mannschaft das Richtige auf dem Platz zurückbekommen."

Die DFB-Elf startet am Abend gegen Weltmeister Frankreich (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) in die UEFA Nations League.

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