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Joshua Kimmich schied mit der deutschen Mannschaft in der Vorrunde aus
Joshua Kimmich schied mit der deutschen Mannschaft in der Vorrunde aus © Getty Images
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München - Nach der verkorksten WM in Russland zieht Joshua Kimmich Bilanz. Der Verteidiger spricht über fehlende Selbstkritik im Team und seine Rolle als Verteidiger.

Joshua Kimmich hat sich vor dem Auftakt in der Nations League gegen Frankreich (ab 20:45 Uhr im LIVETICKER) kritisch mit der deutschen Nationalmannschaft und seiner Rolle bei der WM auseinandergesetzt.

Der Rechtsverteidiger findet, dass das DFB-Team auch an fehlender Selbstkritik gescheitert sei. "Das war vielleicht der Hauptgrund: dass Dinge innerhalb des Teams nicht gepasst haben", sagt der 23-Jährige in der Süddeutschen Zeitung. "Ich glaube daher, dass jeder Spieler erst einmal sich selbst hinterfragen sollte."

Kimmich: Mir hat die Balance gefehlt

So kann der Profi des FC Bayern die Kritik an seiner Spielweise durchaus nachvollziehen. "Was mir oft vorgeworfen wurde, war die fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive. Dazu muss ich sagen, dass wir die komplette Quali mit sehr hochstehenden Außenverteidigern agiert haben. Im Turnier hat das nicht gut funktioniert, das muss ich mir auch ankreiden: da muss ich in den einzelnen Spielsituationen mehr die Balance finden, besser antizipieren und abwägen."

Bundestrainer Joachim Löw hatte bereits angekündigt, die Spielweise des DFB-Teams gravierend ändern zu wollen. "Wir müssen wieder das Bewusstsein schaffen, das eigene Tor auf Teufel komm raus zu verteidigen. Daran müssen sich alle Spieler beteiligen", sagte Löw. Dazu gehört etwa, dass die defensiven Außen nicht mehr wie bei der WM ständig im Vorwärtsgang sind.

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Das sieht auch Kimmich so. "Für kleine Mannschaften ist es leichter, sich hinten reinzustellen, auf Konter zu lauern, über Standards zu Toren zu kommen - und nicht allein auf Ballbesitz zu drängen. Und was für kleine Mannschaften einfach ist, das müsste ja auch für uns einfach sein."

Die "Vision" Ballbesitzfußball will Löw allerdings "nicht völlig eingraben, das wäre kompletter Blödsinn. Das ist die Grundbasis unseres Spiels." Es gehe jedoch um eine "viel bessere Balance" zwischen Defensive und Offensive.

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Kimmich will Fehler abstellen

An der fehlenden Balance will Kimmich auf jeden Fall arbeiten. "Das ist ein Punkt, an dem ich arbeiten muss. Ich erinnere mich an sehr viele gute Torchancen, an denen ich beteiligt war, aber es eben auch Kontersituationen über meine Seite. Diese Kritik stelle ich mich."

Das habe damit zu tun gehabt, dass der Bayern-Profi "sehr offensiv gestanden habe". "Wir hatten dann viele Ballverluste, die gerade uns hochstehenden Außenverteidigern das Leben erschwert haben. Geht der Ball rein, heißt es: Super, er schlägt die entscheidende Flanke. So aber wird der Schluss gezogen: Na toll, er hat hinten immer gefehlt."

Grundsätzlich sieht sich der ausgebildete Sechser Kimmich mittlerweile dauerhaft auf der Außenbahn: "Inzwischen fühle ich mich als Rechtsverteidiger ziemlich wohl." Einer Rückkehr auf seine ursprüngliche Position würde er sich aber auch nicht verschließen: "Bisher deutet nichts darauf hin. Aber falls es so kommen sollte: Ich wäre bereit."

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