UEFA Nations League: Das erwartet die Fans
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Berlin - Was hat die Nations League mit der EM 2020 zu tun? Und ab wann es für Bundestrainer Joachim Löw brenzlig wird? SPORT1 hat Fragen und Antworten zur Nations League.

Für die deutsche Nationalmannschaft geht es am Samstagabend im Prestigeduell in Amsterdam gegen die Niederlande (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) nicht nur ums Renommee. Nach dem 0:0 gegen Frankreich zum Auftakt der Nations League steht die DFB-Elf in der Nations League schon unter Druck.

Klar ist: Eine Niederlage sollte sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw nicht erlauben - auch hinsichtlich der EM 2020. Was die Nations League mit der Europameisterschaft zu tun hat? Und ab wann es für Löw brenzlig wird? SPORT1 klärt auf.

Warum kann Deutschland überhaupt absteigen?

Weil dieser Fall im Modus der Nations League verankert ist.

Es gibt insgesamt vier Ligen (A-D) mit je vier Gruppen (1-4) auf die sich alle 55 UEFA-Nationalmannschaften gemäß der UEFA-Rangliste aufteilen. So spielen in Liga A die Top 12 der UEFA-Rangliste - unter anderem Deutschland in Gruppe 1 mit Niederlande und Frankreich. Deutschland hat in Gruppe 1 der Liga A vier Gruppenspiele (Hin- und Rückspiel).

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Die jeweils Gruppenersten aus Liga A erreichen die Final Four. Diese vier Mannschaften spielen im Juni 2019 den Sieger der Nations League aus. Dabei geht es allein um den Titel. Der Gewinn allein berechtigt zu nichts.  

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Der jeweilige Gruppenzweite bleibt in seiner Gruppe. Der jeweilige Gruppenletzte steigt in Liga B ab. Dafür steigen alle vier Gruppensieger aus Liga B in Liga A auf. Dieses Auf- und Abstiegsregelung zieht sich bis Liga D durch.

2020/21 findet die nächste Nations League statt, also alle zwei Jahre.

Was hat die Nations League mit der EM 2020 zu tun?

24 Mannschaften nehmen an der EM 2020 teil. 20 davon (jeweils der Erste und Zweite der zehn Quali-Gruppen) qualifizieren sich direkt per EM-Qualifikation (März bis November 2019). Die EM-Quali findet nach Abschluss der Gruppenphase der Nations League statt.

Die restlichen vier Startplätze werden in separaten Playoffs im März 2020 ausgespielt. Basis dieser Playoffs ist die Nations League, denn die je vier besten Mannschaften jeder Liga (A-D), die sich wiederum nicht direkt per EM-Quali für die EM 2020 qualifizieren, nehmen an diesen Playoffs teil. Beispiel: Sollte Deutschland in Liga A nach vier Spielen, gemäß Punkte und Toren, zu den vier besten der dort 12 spielenden Teams (u.a. Spanien, Belgien) zählen, in der EM-Quali aber scheitern, könnte sich die DFB-Elf noch über die Playoffs für die EM qualifizieren.

Jede Liga erspielt sich also ein EM-Ticket, per Halbfinale und Finale.

Die Nations League ist daher vor allem für kleinere Länder reizvoll, weil somit definitiv ein Land auch aus Liga C (z.B. Litauen) und D (z.B. Gibraltar) zur EM 2020 fährt. Kleinere Nationalmannschaften, die es wahrscheinlich nicht direkt per EM-Quali schaffen werden.

Kann Deutschland heute absteigen?

Nein. Frankreich (2 Spiele, 4 Punkte) ist aktuell Erster. Deutschland (1 Spiel, 1 Punkt) ist Zweiter. Niederlande (1 Spiel, 0 Punkte) Letzter. Selbst wenn die DFB-Elf heute in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam verlieren sollte, ist noch alles möglich. Dann sollten aber die Rückspiele in Frankreich (16.10.) und gegen die Niederlande (19. November) gewonnen werden.

Warum wäre ein Abstieg fatal?

Sollte Deutschland absteigen und in Liga A die schlechteste oder zweitschlechteste der dort spielenden 12 Mannschaften sein (gemessen am  Punkte- und Torverhältnis), so werden sie bei der Auslosung zur EM-Quali 2020 am 2. Dezember 2018 in Dublin in Topf 2 sein. Das heißt, dass Deutschland nicht mehr Gruppenkopf ist und zumindest ein mutmaßlich starker Gegner aus Liga A, also den zehn besser platzierten, in der EM-Quali-Gruppe droht.

Wackelt Löw beim Abstieg?

Ja. Fakt ist, dass Löw (Vertrag bis 2022) das Vertrauen des DFB-Präsidiums genießt, er die Mannschaft unbedingt zur EM 2020 führen soll. Sollte Deutschland aber nach dem WM-Debakel nun auch in der Nations League versagen, wäre dies sogleich das Scheitern des versprochenen Neuaufbaus. Löw stünde dafür erneut in der Verantwortung, sieht seine Position aber nicht gefährdet. "Ich bin jetzt seit 2006 Nationaltrainer", sagte er auf SPORT1-Nachfrage, "ich spüre nicht mehr Druck als bei der Heim-WM 2006, der WM 2010 oder 2014. Warum sollte ich?" 

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Löw selbst hat keine Angst vor einem eventuellen Abstieg. "Man will aus dieser Gruppe eins nicht absteigen, das ist klar. Das Allerwichtigste ist aber die Qualifikation für die EM 2020”, beteuerte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz am Freitag. Löw versprach sogar, dass man die Qualifikation schaffen werden. Kurzum: Die Nations League ist für den 58-Jährigen von Bedeutung, aber nicht das Nonplusultra.

Wissen die Spieler, was auf dem Spiel steht?

"Ja, das wissen wir. Aber selbst, wenn wir absteigen würden, ändert sich ja nichts, wenn wir die EM-Qualifikation bestehen. Aber klar, dann wäre der Aufschrei wieder groß. Wichtig ist, dass wir durch die Quali durchmarschieren”, sagte Stürmer Timo Werner im SPORT1-Interview.

In den vergangenen Tage hatte man aber nicht den Eindruck, dass sich alle Spieler darüber bewusst sind, dass ein Abstieg, sofern auch die spielerischen Leistungen nicht überzeugend sein werden, nach dem WM-Debakel ein weiterer, enormer Image-Schaden für den deutschen Fußball wäre. Ein "Wir dürfen auf keinen Fall absteigen" war dieser Tage jedenfalls nicht zu hören.

Unabhängig davon freuen sich Spieler und Trainer darüber, dass Deutschland unter Wettkampfbedingungen auf namhafte Gegner trifft und es keine unbedeutenden Freundschaftsspiele mehr gibt. "Für uns als deutsche Nationalmannschaft ist es cool, dass wir jetzt gegen andere große Nationen spielen und mit Holland und Frankreich zwei Riesen-Nationen bekommen haben”, sagte Werner bei SPORT1.

Der 22-Jährige weiter: "Die Nations League ist eine gute Sache, weil es jetzt um Punkte geht, man will gewinnen. Und es geht um Prestige.” Auch Thomas Müller sagte unlängst, dass er das Format "ganz gut” findet. "Natürlich gibt es ein paar kritische Stimmen: Nächster Schritt in Richtung Kommerzialisierung, wieder ein Wettbewerb diktiert von der UEFA. Aber als Sportler finde ich es besser, die Testspiele in Wettkampfform zu packen. Der Offensiv-Allrounder gibt die Losung für das Spiel gegen die Niederlande aus: "Wir sind alles Wettkampftypen. Verlieren bevorzugen wird nicht.”

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