vergrößernverkleinern
Tim Wiese glaubt nicht, dass Deutschland 2020 Europameister werden kann
Tim Wiese glaubt nicht, dass Deutschland 2020 Europameister werden kann © SPORT1-Grafik: Getty Images
teilenE-MailKommentare

In seiner Kolumne als SPORT1-Experte nimmt sich der frühere Bundesligatorwart Tim Wiese das DFB-Team zur Brust. Bundestrainer Joachim Löw versteht er nicht.

Hallo Fußball-Freunde,

das Jahr 2018 war sehr ernüchternd für die deutsche Nationalmannschaft. Die großen Zeiten sind vorbei. Höhepunkt war natürlich die Schmach bei der Weltmeisterschaft in Russland. Dafür muss man sich als Fan heute noch schämen. Danach habe ich nicht verstanden, warum Joachim Löw als Bundestrainer nicht zurückgetreten ist. Jeder Vereinstrainer wäre sofort danach entlassen worden.

Aber vielleicht will er es allen Kritikern zeigen, dass er die EM 2020 gewinnen kann. Doch da sehe ich momentan schwarz. Aktuell sind viele andere Nationen einfach besser als die Deutschen. Belgien, Frankreich und England haben uns den Rang abgelaufen und auch die Spanier sind wieder stark zurückgekommen. 

Ein richtiger Schnitt wäre gut gewesen. Jetzt bekam Löw Druck und hat einen zarten Umbruch begonnen. Was anderes bleibt ihm auch gar nicht mehr übrig.

"Wie im schlechten Film": DFB-Stars hadern mit 2018

Was mich auch verwundert hat, ist, dass alle anderen beim DFB auch so weitermachen können wie zuvor. DFB-Präsident Reinhard Grindel hätte nach der WM alleine schon wegen seines schlechten Krisenmanagements in Sachen Mesut Özil gehen müssen. Er und alle anderen in der Chefetage hoffen jetzt natürlich, dass die jungen Spieler über sich hinauswachsen und den DFB in neuem Glanz erstrahlen lassen. Es ist einfach viel versäumt worden. Die anderen Nationen schlafen nicht. Es ist nicht mehr wie vor 20 Jahren, als wir die Gegner relativ leicht schlagen konnten.

Für all das bekommen Löw und der DFB von mir die Schulnote fünf, mangelhaft, Versetzung gefährdet.

Was den Neustart betrifft, so hätte Löw mit dem Umbruch viel früher beginnen müssen. Jungs wie Leroy Sane, Thilo Kehrer oder Serge Gnabry zeigen jetzt, wie erfrischend sie aufspielen können. Auch wenn diese Drei ihre Erfahrungen im internationalen Geschäft erst noch sammeln müssen.

In den vergangenen Spielen hat es auf jeden Fall wieder Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen, auch wenn gegen eine B-Elf von Russland ein souveräner Sieg hätte rauskommen müssen. Gegen Frankreich war es okay. Die jungen Spieler laufen und wollen sich beweisen, das gefällt mir. 

Löws Urteil: Es war nicht das Jahr des Thomas Müller

Für 2019 macht mir Hoffnung, dass die jungen Spieler mit großer Lust dabei sind. Ausgerechnet Sane, der nicht mit zur WM durfte, schmollte nicht, sondern spielt jetzt groß auf und zeigt sein Können. Das muss Löw zum Nachdenken bringen. In England zeigte Sane bei Manchester City tolle Leistungen und wurde als bester Nachwuchsspieler der Premier League gewählt, das hätte ich ihm gar nicht zugetraut.  

Thomas Müller ist leider für mich der Absteiger 2018. Sein Zenit scheint überschritten zu sein. Wenn nicht ein Wunder passiert, dann war es das für ihn.

Sane, Kehrer und Gnabry stehen dagegen für den Glauben an bessere Zeiten!

Bis zum nächsten Mal,

Euer Tim Wiese

Tim Wiese gewann 2009 mit Werder den DFB-Pokal und absolvierte in seiner Karriere für Bremen, den 1. FC Kaiserslautern und die TSG Hoffenheim 269 Bundesliga-Spiele. Für den SVW stand der 36-Jährige zwischen 2005 und 2011 zudem 20 Mal in der Champions League auf dem Platz. Nach seiner Fußballer-Karriere sorgte der frühere Nationaltorwart, der 2010 bei der Fußball-WM in Südafrika mit dem DFB-Team den dritten Platz erreichte, als Wrestler für Aufsehen, und stieg 2016 siegreich bei WWE (World Wrestling Entertainment) aus dem Ring. Fortan ist er für SPORT1 im Fantalk und beim CHECK24 Doppelpass als Experte und auf SPORT1.de als Kolumnist im Einsatz. 

Nächste Artikel
previous article imagenext article image