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Dortmund - Joachim Löw kündigt an, dass Marc-André ter Stegen nach dem Argentinien-Spiel weitere Einsätze bis zur EM 2020 bekommen wird. Ist Manuel Neuer doch nicht mehr gesetzt?

Nur selten hat man Marc-André ter Stegen zuletzt so gelöst wahrgenommen, wie am Dienstagmittag im Deutschen Fußballmuseum.

Im Kreise der Nationalmannschaft wirkte der 27-Jährige die vergangenen Monate in sich gekehrt, irgendwie unnahbar. Er sprach so gut wie nie, verschwand nach Abpfiff zumeist als einer der Ersten im Mannschaftsbus. Meistens mit einem traurigen Blick nach unten. Frust ob seines Daseins als Nummer zwei hinter Manuel Neuer. 

In Dortmund aber, nur wenige Stunden vor seinem von Joachim Löw zugesagten Einsatz im Testspiel gegen Argentinien, lachte ter Stegen. Sehr viel sogar. Er wirkte nicht wie der ter Stegen, der nach der jüngsten Länderspiel-Reise nach seiner Ankunft in Spanien von einem "harten Schlag" sprach, weil er nicht zum Einsatz kam. Er wirkte diesmal vorfreudig.

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Ter Stegen freut sich auf Länderspiel

"Es ist ein fantastisches Spiel. Jeder freut sich darauf und jeder möchte das Spiel auf dem Platz genießen. So ist auch meine Situation", sagte ter Stegen.

Das letzte Mal als er in einem Länderspiel in der Startelf stand, ist über ein Jahr her – im September 2018 gegen Peru (2:1). Am Mittwochabend (Freundschaftsspiel: Deutschland - Argentinien, ab 20.45 Uhr im SPORT1-Liveticker) nun löst Löw seine Zusage ein, ter Stegen Spielpraxis geben zu wollen. Im Juni verhinderten Knieprobleme seinen geplanten Einsatz, im September setzte Löw auf Neuer in der EM-Quali, weil es nach der Pleite gegen die Niederlande (2:4) brannte.

Mit Anpfiff beginnt für ter Stegen am Dienstagabend somit ein neuer Anlauf im Kampf um das DFB-Tor.

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Interessant: Der Bundestrainer erklärte, dass ter Stegens Einsatz gegen Argentinien schon im September feststand. Also unabhängig der in den Medien ausgetragenen verbalen Gefechte zwischen Neuer und ter Stegen und zwischen ter Stegen und Bayern-Präsident Uli Hoeneß, die laut Löw aber keinen Einfluss auf sein Verhältnis zu Neuer haben. Löw kündigte aber an, dass ter Stegen, die Nummer eins des FC Barcelona, weitere Spiele bekommen wird bis zur EM 2020.

Muss sich Neuer doch noch um seinen Stammplatz fürchten?

Wohl nicht. "Er ist mein Kapitän. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Manu", erklärte Löw auf SPORT1-Nachfrage. Bereits vor Monaten verkündete der Bundestrainer, dass Neuer bei der EM 2020 im Tor stehen wird – als Nummer eins. Sofern nicht Unvorhergesehenes passiere.

"Die einzige Chance, die ich habe"

Ter Stegen weiß um seine Rolle des Herausforderers, sagt: "Wenn man die Aussage sieht, die er (Löw, d. Red.) getroffen hat, dann ist es schon so, dass der Manu einen Vorteil hat. Die einzige Chance die ich habe, ist, das Beste daraus zu machen."

Glaubt ter Stegen dennoch an seine EM-Chance? SPORT1 fragte ihn. "Ich werde alles dafür geben, die Nummer Eins zu sein. Das ist ein persönliches Ziel, natürlich. Jeder andere, der auch in der Position ist und eine Aussicht hat zu spielen, der wird auch alles dafür geben, um am Ende auf dem Platz zu stehen",  sagt ter Stegen.

Nachfrage: Glaubt er also an eine reelle Chance auf das DFB-Tor?

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"Was ist eine reelle Chance?", entgegnete ter Stegen. "Wir reden über Gesundheit und fußballerische Qualitäten, die wir alle haben. In einem Dreivierteljahr kann so viel passieren. Ich möchte mich bestmöglich vorbereiten und im Fall der Fälle zur Stelle sein."

Mit anderen Worten: ter Stegen glaubt an seine EM-Chance!

Fakt ist: Auf dem Weg zur EM darf sich Neuer fortan keine Fehler erlauben. Wie nie zuvor steht er unter Beobachtung. Ter Stegen allerdings auch.

Ter Stegen betont "gutes Verhältnis" zu Neuer

Dass Neuer, der in seiner Karriere im Grunde immer konkurrenzlos war, mit solch einer Situation umgehen kann, zeigt er seit Wochen, denn im Tor des FC Bayern zeigte er zuletzt wieder Weltklasse. "Ich spiele die letzten Wochen eh schon immer gut und konzentriere mich auf meine Leistungen", sagte Neuer zuletzt in London erneut selbstbewusst.

Beide, diesen Eindruck erweckte auch ter Stegen am Dienstag, wollen ihre Scharmützel fortan nicht mehr zum Thema machen. Im Abschlusstraining wechselten sie allerdings kaum ein Wort. Beide wirkten total fokussiert. "Für mich gibt es keine Diskussion und keinen Streit", beteuerte ter Stegen. Man habe "ein gutes Verhältnis", eines, das von Professionalität geprägt sei, beteuerte ter Stegen und versicherte, dass sich die beide Alphatiere unterstützen werden.

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Löw verlässt sich darauf und verzichtete deshalb auch bislang auf ein klärendes Gespräch mit den beiden. Erst nach dem Argentinien wolle er das Thema mit ihnen "nochmal kurz aufreißen". Eine Baustelle sei die Torwart-Frage für ihn überhaupt nicht.

Aber Löw weiß auch: "Marc will natürlich zeigen, dass er, wie Manuel auch, auf einem sehr hohen Level spielt. Er hat sich in Barcelona in den letzten Jahren sehr stark gesteigert. Aber die Situation ist klar, auch intern. Ich habe es auch schon gesagt."

Was Löw meint: Neuer bleibt die Eins. Ter Stegen bekommt aber weitere Einsätze, um sich zu empfehlen. Bis zum EM-Start absolviert die Löw-Elf noch die Quali-Spiele am Sonntag gegen Estland und im November gegen Weißrussland und Nordirland.

Die nächsten Länderspiele folgen im März 2020, wo theoretisch noch zwei Tests stattfinden könnten. Nach dem Pokalfinale am 23. Mai wird die deutsche Mannschaft zur EM-Vorbereitung nach Seefeld/Tirol reisen. Im zweiwöchigen Trainingslager könnte nochmal zwei Testspiele folgen.

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