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München - Die EM wird wegen der Coronakrise um ein Jahr verschoben. Bundestrainer Joachim Löw gewinnt wertvolle Zeit. Doch der neue Termin hat nicht nur Vorteile.

Eine Absage, viele Vorteile.

Aufgrund der Coronakrise hat die UEFA am Dienstag beschlossen, die bevorstehende Europameisterschaft um ein Jahr zu verschieben (11. Juni bis 11. Juli 2021).

Eine Entscheidung, die Bundestrainer Joachim Löw als "völlig alternativlos" bezeichnet und ihm nun vor allem eines verschafft: Zeit!

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SPORT1 zeigt die Folgen und verrät, warum die EM-Verschiebung für Löw (fast) nur Vorteile hat.

Verletzte Leistungsträger kehren zurück

Vor allem für Niklas Süle (Reha nach Kreuzbandriss) wäre die diesjährige EM ein Wettlauf mit der Zeit geworden. Nun hat er genug Zeit, seine schwere Verletzung hundertprozentig und ohne Zeit-Druck auszukurieren.

Auch für DFB-Hoffnungsträger Leroy Sané sollte die EM 2021 Vorteile bringen. Nach seinem Kreuzbandanriss kann auch er das kommende Jahr nutzen, um sich wieder in Topform zu bringen. Beide sind bei Löw gesetzt.

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Einspielen im Umbruch

Das letzte Länderspiel absolvierte die Löw-Elf am 19. November in der EM-Quali gegen Nordirland (6:1). Die geplanten Länderspiele gegen Spanien und Italien Ende März wurden aufgrund des Coronavirus bekanntlich abgesagt. Die nächste Länderspielpause soll im Juni stattfinden.

Ob die ab September geplante Nations League (DFB-Gegner wären Schweiz, Spanien und die Ukraine) stattfinden wird, ist noch nicht klar. Viel Leerlauf, mit dem aber auch die anderen Nationen zu kämpfen haben.

Löw hat nach dem WM-Debakel den Umbruch eingeleitet und eine positive Trendwende herbeigeführt. Bis zur EM 2021 kann der Bundestrainer trotz der langen Spielpause nun spielerische Abläufe festigen, Hoffnungsträger wie Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Timo Werner, Kai Havertz und Leon Goretzka und Sané können weiter zusammenwachsen.

Die zweite Reihe, zu der DFB-Newcomer wie Robin Koch, Suat Serdar und Nadiem Amiri gehören, können sich weiterentwickeln. Aber: Auch die Konkurrenz, wie etwa Belgien, Frankreich und England, gewinnt durch die Verschiebung Zeit.

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Titel-Hunger der Routiniers

Gemutmaßt wurde, ob Rio-Weltmeister wie Manuel Neuer oder Toni Kroos nach der EM 2020 ihren Rücktritt verkünden, wenngleich sie selbst nie darüber gesprochen haben.

Nur schwer vorstellbar ist, dass die beiden DFB-Routiniers Löw und die Nationalmannschaft vorzeitig im Stich lassen. Im Gegenteil: Neuer und Kroos dürften mehr denn je gewillt sein, auch in den kommenden Monaten wichtige Eckpfeiler der Mannschaft zu sein und die EM 2021 zu gewinnen – ein Titel, der beiden noch fehlt. Passend dazu bestätigte Kroos am Mittwoch bei Bild: "Wir haben uns alle gemeinsam qualifiziert und wollen gemeinsam das Turnier spielen – auch ich."

Druck auf Löw wird nicht kleiner

Klar ist aber auch, dass der Druck auf Löw (Vertrag bis 2022) nicht kleiner werden wird. Im Falle des vorzeitigen Scheiterns darf der Anfang 2019 eingeleitete Umbruch bei der EM 2021 jedenfalls nicht als Ausrede gelten.

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Möglicher Nachteil für Formstarke und Ausgebootete

Die Verschiebung der EM hat auch individuelle Konsequenzen. Für Marc-André ter Stegen etwa. Er kämpft noch immer um die Nummer eins im DFB-Tor, wird sich, sofern nichts Außergewöhnliches passiert, aber noch ein weiteres Jahr hinter Neuer anstellen müssen. Während der EM 2021 wird ter Stegen schon 29 Jahre alt.

Auch für Timo Werner und Kai Havertz könnte die Turnier-Verschiebung von Nachteil sein. Bekanntlich sind beide in dieser Saison in Topform. Wahrscheinlich ist, dass sich beide im kommenden Sommer einem Top-Klub anschließen. Völlig unklar wäre in diesem Fall, auf wieviel Spielzeit etwa Werner beim FC Liverpool oder Havertz beim FC Bayern käme. Ebenso ist es möglich, dass beide im kommenden Jahr einen noch größeren Entwicklungsschritt vollziehen.

Die Absage der EM 2020 trifft auch die Bayern-Stars Thomas Müller und Jérôme Boateng. Beide sind bekanntlich in Topform und hätten sich, ob der Verletztenmisere, durchaus Hoffnungen auf ein DFB-Comeback machen können. In einem Jahr dürfte ein Comeback der Ausgebooteten, darunter auch Mats Hummels, aber wohl kein Thema mehr sein.

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