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Basel - Oliver Bierhoff nimmt Stellung zur Spielplan-Kritik von Joachim Löw und traut der deutschen Nationalmannschaft bei der EM eine entscheidende Rolle zu.

Oliver Bierhoff kann sich noch nicht vom Ball trennen.

Wie in jungen Jahren trainiert er bei Aufwärmübungen noch immer inmitten der deutschen Nationalspieler und bleibt somit dicht am Geschehen dran. (Nations League: Schweiz - Deutschland am Sonntag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Im Gespräch mit SPORT1 nimmt der DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie Stellung zur Spielplan-Kritik von Joachim Löw und macht Fußball-Deutschland Hoffnung auf bessere Zeiten. 

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SPORT1: Herr Bierhoff, Niklas Süle hat selbstbewusst gesagt, dass Deutschland nächstes Jahr um den EM-Titel mitspielen kann. Teilen Sie seine Meinung? 

Oliver Bierhoff: Auf jeden Fall, wir haben unglaublich starke, junge, talentierte Spieler, gepaart mit Spielern, die viel Erfahrung haben: Toni Kroos, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan. Wir haben eine gute Mischung, wir haben eine tolle Entwicklung in den letzten Monaten bei vielen Spielern gesehen. Man sieht ja auch, wie die Anfrage aus dem Ausland für unsere Spieler da ist. Sie werden dort weiter wachsen; in der englischen Liga, aber auch in anderen Bereichen. Deswegen bin ich zuversichtlich. Wir werden nicht als Favorit in das Turnier gehen. Aber wir werden unsere Chance haben.

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SPORT1: Bundestrainer Joachim Löw hat nach dem 1:1 gegen Spanien kritisiert, dass im Oktober und November drei Länderspiele binnen weniger Tage auf dem Programm stehen. Wie denken Sie darüber?

Bierhoff: Wir wissen, dass die Belastungssteuerung ein enorm wichtiger Aspekt sein wird. Das haben wir auch mit der Akademie aufgegriffen und sind aktiv an alle Vereine der Nationalspieler herangegangen. Wir gehen in den Dialog mit allen Experten, die wir haben. Denn wir müssen uns da abstimmen. Es kann auch nicht sein, dass es immer die Nationalmannschaft ist, die zurücksteckt. Wir nehmen auf gewisse Dinge Rücksicht. Aber es wird enorm wichtig sein für alle Beteiligten, die Spieler zu steuern, ihnen hier und da auch Pausen zu geben. Für uns ist die Weitsicht besonders wichtig, dass wir im nächsten Jahr bei der Europameisterschaft noch relativ frische Spieler haben, die nicht allzu kaputt sind.

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Bierhoff über Havertz-Theater: "Bedauern wir sehr"

SPORT1: Wie denken Sie über die vorzeitige Abreise von Kai Havertz? 

Bierhoff: Das bedauern wir sehr. Auf der einen Seite freuen wir uns riesig für ihn, dass er jetzt diesen Schritt zu einem Top-Verein gegangen ist. Die Premier League wird ihn stark fordern, seine Entwicklung weiter vorantreiben. Wir freuen uns auch für Bayer Leverkusen, dass sie in dieser schwierigen Zeit hohe Einnahmen erhalten durch den Transfer. Wir haben ihn aber vermisst mit seiner technischen Qualität, mit seinen Möglichkeiten, auch Tore zu schießen. Gerade gegen die Schweiz hätten wir ihn natürlich gerne gehabt. Aber das stand jetzt leider im Vordergrund.

SPORT1: Lassen Sie uns nach vorne blicken. Wie wichtig werden zukünftig starke Achsen von Vereinsspielern sein?

Bierhoff: Es geht natürlich auch mit einer guten Mischung. Wichtig ist aber erst einmal ein guter Teamgeist, die Bereitschaft, miteinander zu spielen. Wir haben natürlich den Vorteil, dass wir viele Spieler haben, die schon in den Jugendnationalmannschaften gespielt haben, die sich kennen. Aber eine Achse aus einem Verein hilft natürlich ungemein, weil die Spieler sich dann doch noch intensiver und besser kennen, sie keine Eingewöhnungszeit brauchen, und natürlich im Spiel dann auch sich besser aufeinander abstimmen können.

SPORT1: Hat Joshua Kimmich das Zeug dazu, irgendwann Kapitän der Nationalmannschaft zu werden?

Bierhoff: Ich glaube, Joshua hat schon an verschiedenen Stellen gezeigt, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Das macht er auch ohne Kapitänsbinde. Er ist sicherlich eine Persönlichkeit, die diese Rolle irgendwann auch mal einnehmen kann. Er spielt auch auf einer Position, auf der man viel ins Spiel eingreifen kann. Insofern sind wir froh, dass wir ihn, aber auch andere junge Spieler haben, die schon in sehr frühem Alter ein gewisses Standing und Selbstverständnis haben. 

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