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München - Drei Länderspiele haben Bundestrainer Joachim Löw viele Erkenntnisse gebracht. Aus einem Dreikampf wird ein Zweikampf, ein Fohlen macht Druck auf die Elite.

Von einem Aufbruch rund um die deutsche Nationalmannschaft kann auch nach den vergangenen drei Länderspielen keine Rede sein.  

 3:3 gegen die Türkei, 2:1-Zittersieg in der Ukraine und nochmal ein 3:3 gegen die Schweiz

 Die Löw-Auswahl ist hinten nicht dicht!  

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GEWINNER 

ROBIN KOCH: Die DFB-Defensive wackelt, der Leeds-Neuzugang hat daran allerdings keine Schuld. Im Gegenteil: Gegen die Türkei spielte Koch im Zentrum der Dreierkette und hinterließ einen guten Eindruck. Weniger nachvollziehbar ist, dass er danach nicht mehr zum Einsatz kam. Der 24-Jährige muss sich noch trauen, lautstärker zu werden. Denn nie zuvor war die Chance für ihn größer, an seiner schwächelnden Konkurrenz vorbeizuziehen.  

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FLORIAN NEUHAUS: Bei seinem Löw-Debüt gegen die Türkei hinterließ der Mönchengladbacher einen erfrischenden Eindruck und traf sogar zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung. Neuhaus hat bewiesen, dass er im Zentrum für Belebung und Spielwitz sorgen kann. Joshua Kimmich und Toni Kroos bleiben gesetzt. Die EM-Chancen von Neuhaus aber steigen.  

JULIAN DRAXLER: Frust in Paris, Freude bei Löw. In der DFB-Auswahl genießt Draxler Vertrauen und zahlte es in der vergangenen Wochen zumeist zurück. Gegen die Türkei war er sogar Kapitän, was seine bedeutende Rolle unter Löw unterstreicht. Sein sehenswerter Treffer zum 1:0 wird ihm Aufwind geben. Um unumstritten zu sein, wird er sich in Paris allerdings einen Stammplatz erarbeiten müssen.  

KAI HAVERTZ: Dass sich Fußball-Deutschland regelmäßig darüber echauffiert, wenn Löw Havertz nicht spielen lässt, zeigt die Hoffnungen, die auf dem Supertalent liegen. Havertz fehlt im Spiel unter Löw noch die Konstanz. Mal taucht er völlig ab, bleibt aber unheimlich effizient. Zwei Assists gegen die Türkei, eine Vorlage und ein toller Treffer gegen die Schweiz - dem 21-Jährigen ist der zeitnahe Durchbruch in der DFB-Auswahl zu wünschen. 

TIMO WERNER: Der Neu-Londoner war vor Wochenfrist gesundheitlich leicht angeschlagen und verpasste daher das Türkei-Spiel. In der Ukraine half er in den Schlussminuten, den Sieg über die Zeit zu bringen. Mit seiner beeindruckenden Einzelaktion zum 1:2 gegen die Schweiz brachte er Deutschland zurück ins Spiel. Legte auch den Ausgleich zum 3:3 von Serge Gnabry stark auf. Sammelte damit weitere Pluspunkte bei Löw.

MATTHIAS GINTER: Man nimmt ihn kaum war, dennoch ist der Weltmeister von 2014 präsent. Ginter spielt nicht fehlerfrei, wackelte auch ab und an gegen die Schweiz. Insgesamt hinterließ er aber einen guten Eindruck. Er traf in der Ukraine und sorgte mit seinen Flanken immer wieder für Gefahr, dazu ist er stark in der Luft. Bleibt Löw bei der Dreierkette, dürfte Ginter auch zukünftig gesetzt sein.  

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LEON GORETZKA: "Er ist für uns unverzichtbar", sagte Löw nach dem Ukraine-Spiel, bei dem Goretzka per Kopf traf. Kimmich und Kroos sind im Zentrum gesetzt. Den Bayern-Star will der Bundestrainer aufgrund dessen Führungsstärke, Schnelligkeit, Robustheit und Torgefahr aber nicht draußen lassen. Spannend wird zu sehen sein, wen Löw anstelle Goretzkas in der Offensive opfern wird.  

VERLIERER

JULIAN BRANDT: Das große Feuerwerk des Dortmunders ist auch diesmal ausgeblieben. Brandt blieb gegen die Türkei blass. Gegen die Ukraine und die Schweiz wurde er gar nicht eingewechselt. Zu wenig für die Ansprüche des Offensiv-Allrounders, der mit seinen klaren Aussagen so wichtig ist für diese brave DFB-Auswahl. Sollte ihn Löw im November nicht nominieren, sofern starke Leistungen beim BVB ausbleiben, wäre das keine Überraschung.  

NICO SCHULZ: In drei Länderspielen testete Löw drei Spieler auf der linken Seite. Schulz durfte sich trotz seines Reservisten-Status in Dortmund gegen die Türkei zeigen, konnte sicher aber nicht empfehlen und erlitt obendrein einen Muskelfaserriss. Anschließend hagelte es für seine Nominierung auch noch Kritik von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Muss Löw den Kader verkleinern, dürften Marcel Halstenberg und Robin Gosens für die linke Seite infrage kommen.   

Linksverteidiger Robin Gosens hatte gegen die Schweiz zu kämpfen und wurde nach schwacher Leistung ausgewechselt.
Linksverteidiger Robin Gosens hatte gegen die Schweiz zu kämpfen und wurde nach schwacher Leistung ausgewechselt. © Imago

ANTONIO RÜDIGER: Der Chelsea-Reservist bringt so viel Qualität mit, zeigt sie aber zu selten. Physisch ist er stark wie kaum ein Zweiter im DFB-Team. Dennoch wirkt der 27-Jährige viel zu oft überhastet und übermotiviert. Gegen die Ukraine spielte er stark und bereite einen Treffer entschlossen und sehenswert vor. Gegen die Schweiz verfiel er wieder in alte Unsicherheits-Muster und fiel gegen Spielende mit einer Ellbogenattacke unangenehm auf. Setzt Löw auf nur zwei Innenverteidiger, könnte es zukünftig eng für ihn werden.  

ROBIN GOSENS: Bei seinen ersten Einsätzen im September hinterließ Gosens einen guten Eindruck. In der vergangenen Woche kam er nur gegen die Schweiz zum Einsatz und wurde bereits nach 57 Minuten ausgewechselt. Gosens ist ein lauffreudiger Arbeiter, muss sich aber noch an seine technisch beschlageneren Mitspieler gewöhnen. Halstenberg hat auf links die Nase vorn.  

JONATHAN TAH: Bei Leverkusen nur Reservist, blüht ihm auch beim DFB vorerst keine andere Rolle. Gegen die Türkei durfte er sich etwa 30 Minuten beweisen und blieb fehlerfrei. Wie Koch blieb er danach zweimal nur auf der Bank. Im Kampf um die EM-Tickets braucht er unbedingt Spielzeit im Verein. 

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