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München - Moise Kean ist der neue Hoffnungsträger in Italien. Der 19-Jährige soll nach großen Enttäuschungen die stolze Fußballnation in eine Ära führen und das Land einen.

Nach der gescheiterten Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 stand ganz Italien unter Schock. Mehr noch: Die stolze Fußball-Nation war am Boden zerstört und lechzt nun nach neuen Hoffnungsträgern, nach einer neuen Ära.

Jetzt leitet ein aufregendes Talent genau diesen Aufbruch nach der großen Enttäuschung ein. Beim Spiel gegen Finnland am Samstag erzielte Moise Kean seinen ersten Treffer für die italienische Nationalmannschaft.

Italiens neuer Hoffnungsträger

Damit ist er Italiens zweitjüngster Torschütze und außerdem der erste Spieler des 2000er-Jahrgangs in der Squadra Azzurra.

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Schon jetzt ist der Stürmer von Juventus Turin Hoffnungsträger für eine neue Epoche, "die so leicht wie dieser 19-Jährige ist. Er hat die Mannschaft mit derselben Natürlichkeit geführt, mit der er Hip-Hop tanzt", wie der Corriere della Sera schrieb.

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Kean steht für alles, was die Italiener in den letzten Jahren vermissen ließen: Selbstvertrauen, Talent, jugendlichen Spielwitz und eine große Zukunft. Und ja, er steht auch für Nationalstolz, auch wenn seine Eltern von der Elfenbeinküste kommen.  

Kean macht sich gegen Rassismus stark

"Ich bin gebürtiger Italiener", hatte Kean vor drei Wochen gesagt, unmittelbar nach seinen ersten beiden Toren in der Serie A gegen Udine. "Meine Eltern sind seit über 30 Jahren hier."

Er ist sich bewusst, dass Rassismus in Italien ein Problem ist und will dieser Denkweise mit all seinen Möglichkeiten entgegenwirken. "Es tut mir leid, aber wir leben alle im selben Land. Und wenn wir hier leben, müssen wir auch als Italiener behandelt werden." 

In Italien könnte das junge Talent bald großen Einfluss besitzen, schon jetzt erfreut er sich großer Beliebtheit. "Jeder ist verrückt nach Kean", brachte es die italienische Sportzeitung Tuttosport auf den Punkt.

Mancini schwärmt von seinem Stürmer

Das gilt auch für seine Mitspieler und vor allem für seinen Trainer in der Nationalmannschaft. "Ich denke, Kean ist dafür bestimmt, Großes zu erschaffen. Er ist ein Spieler mit viel Qualität, verbessert sich ständig und ich glaube, dass er ein sehr wichtiger Spieler werden kann", sagte Roberto Mancini zu Rai Sport.

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Dass der Stürmer schon jetzt auf dem besten Weg ist, zeigte er auch bei seinem dritten Länderspiel am Dienstag. Beim 6:0-Schützenfest gegen Liechtenstein spielte Kean die Verteidigung schwindelig und erzielte sein zweites Länderspieltor. 

Nur bei Juventus kam er in dieser Saison nur sporadisch zum Einsatz. Erst in Udine durfte er Anfang März erstmals von Beginn an ran - und punktete mit zwei Toren und einer Vorlage. Doch eine Woche später saß er bei der Niederlage in Genua wieder bis weit in die Schlussphase auf der Bank.

Spekulationen um Keans Zukunft

Anfang der Woche machten daraufhin Aussagen seines berüchtigten Beraters Mino Raiola im Corriere dello Sport die Runde, wonach Kean mehr spielen müsse. Zwar bestritt Raiola via Twitter die Echtheit der Zitate, doch die Diskussionen um die Zukunft des Youngsters bei der Alten Dame sind nicht neu.

Sein Vertrag läuft nur noch bis 2020, im vergangenen Sommer gab es bereits Gerüchte um Borussia Dortmund. Auch Manchester City, der FC Arsenal und Manchester United sollen bereits interessiert gewesen sein.

Als Kind habe Kean Inter unterstützt, wegen Obafemi Martins, verriet sein Vater Biorou Jean Kean bei Rai Radio. "Er spielte für den FC Turin. Aber ich schickte ihn zu Juve, weil ich Fan der Bianconeri bin."

Das erste Länderspieltor seines Sohnes erfüllte ihn mit Stolz. "Ich danke Gott, es ist eine große Freude für die ganze Familie", sagte er.

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Keans rasante Entwicklung setzt so mancher Experte mit einem Wunder gleich. 

Das Wunder, das Italien gebraucht hat

In Sachen Wunder kennt man sich bei den Keans ohnehin aus. "Schon seine Geburt war ein Wunder", erzählte seine Mutter Isabelle am Montag Tuttosport. "Mein Sohn Giovanni hat mich auch nach einem kleinen Bruder gefragt. Die Ärzte sagten mir aber, dass ich keine Kinder mehr kriegen könnte."

Doch Isabell betete für einen weiteren Sohn und war vier Monate später schwanger. 19 Jahre später ist Kean das Wunder, das Italien gebraucht hat. Sein rasanter Aufstieg ist nicht nur für die Nationalmannschaft positiv. Er ist ein gutes Zeichen für eine Nation, die derzeit in vielen Fragen gespalten ist. Vor allem beim Thema Einwanderung.  

Kean zeigt, dass die Hautfarbe nicht relevant sein sollte, wenn es um die Frage geht, wer Italiener ist und wer nicht.

Außerdem soll er die stolze Squadra Azzurra zurück in die Erfolgsspur führen. Die Fans in Italien glauben daran, dass Moise Kean sie in eine erfolgreiche Ära führt. Das ganze Land glaubt an das, was der Corriere della Sera jüngst titelte: "Yes We Kean."

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