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München und Wien - In Italien gefürchtet, in Polen gefeiert: Krzysztof Piatek setzt auch in der Nationalmannschaft seinen Lauf fort - und scheut sich nicht vor großen Vergleichen.

Nur zehn Minuten benötigte der gefürchtete Pistolero, um wieder zuzuschlagen.

Eingewechselt in der 59. Minute, lauerte Krzysztof Piatek in der 69. genau dort, wo ein Stürmer eben zu lauern hat. Nach einem abgewehrten Torschuss köpfte er Polen aus kurzer Distanz zum 1:0-Sieg in Österreich.

"Wien erobert!", titelte die polnische Zeitung Fakt - und auch die übrige Presse feierte Piatek unisono als "Held".

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Lob gab es auch von seinem Kapitän. "Für ihn läuft alles gut", sagte Robert Lewandowski nach dem erfolgreichen Start in die WM-Qualifikation - tadelte seinen Sturmkollegen aber auch: "Wenn wir bei seiner Chance das zweite Tor schießen, wäre das toll."

Die vergebene Großchance in der 76. Minute, als er freistehend am Tor vorbeizielte, passt in der Tat so gar nicht zu dem, wofür der 23-Jährige in dieser Saison steht - nämlich: Tore, Tore, Tore!

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Piatek fast zu Schalke?

Fast wäre der Angreifer unter Umständen beim FC Schalke 04 gelandet.

Wie Tomasz Hajto dem Reviersport verriet, machte er Schalkes Ex-Manager Christian Heidel bereits im Frühling 2017 auf die junge polnische Sturmhoffnung aufmerksam. "Er zeigte eigentlich keine Reaktion. Später habe ich erfahren, dass Schalke Piatek nicht ein einziges Mal beobachten ließ. Ich weiß nicht, warum Heidel sich Piatek nicht ein einziges Mal angeschaut hat", sagte Hajto.

Stattdessen schlug im vergangenen Sommer der FC Genua für 4,5 Millionen Euro zu – und die Investition machte sich prompt bezahlt.

Von Genua zum AC Mailand

In der Serie A entwickelte sich Piatek zum "Serientäter", traf in jedem seiner ersten acht Einsätze in Italiens Oberhaus. Der Pistolero-Jubel wurde sein Markenzeichen, mittlerweile zeigt er ihn auch regelmäßig im Trikot des AC Mailand.

Für 35 Millionen Euro wechselte Piatek im Winter von Genua zu Milan, dort gingen seither wettbewerbsübergreifend acht der 17 Tore der Rossoneri auf sein Konto. In der Serie A benötigte Piatek für seine ersten sechs Tore seit seinem Wechsel nur 310 Minuten - schneller erreichte diese Marke vor ihm niemand im Milan-Trikot.

"Ich gehe davon aus, dass er 35 Tore erzielen wird, sonst hätte ich ihn nicht für so viel Geld verkauft", sagte Genuas Präsident Enrico Prezioso im Februar über den Wechsel.

Shevchenkos Erbe

In der Serie A steht er aktuell bei 19, gleichauf mit einem gewissen Cristiano Ronaldo.

Bei Milan fühlen sich daher viele an Andriy Shevchenko erinnert. Milans Topstürmer, der Anfang der 2000er Jahre insgesamt 175 Tore erzielte, bezeichnete Piatek als seinen legitimen Nachfolger.

"Er ist mein Erbe", sagte Shevchenko bei Sport Mediaset: "Er hat einen unglaublichen Instinkt vor dem Tor und schießt Tore wie ein großer Stürmer. Er schließt mit beiden Füßen gleich gut ab und ist auch gut per Kopf."

"Neuer Lewandowski" scheut Vergleich nicht

Die Vergleiche mit großen Namen begleiten Piatek seit seinem starken Einstand in Italien. Schon zuvor galt er in seiner Heimat als "neuer Lewandowski".

"Ich weiß, dass ich sein Niveau erreichen kann, aber ich muss noch hart arbeiten", sagte Piatek vor der Partie in Österreich.

Der sieben Jahre ältere Bayern-Torjäger ist sein Idol seit seiner Jugend. "Wir haben viele ähnliche Eigenschaften", erklärte Piatek. "Ich habe versucht, mir sein Verhalten auf dem Platz abzuschauen. Während des Spiels versuche ich, mich auf ähnliche Weise zu bewegen."

Polens Trainer im Dilemma

Lewandowski zähle für ihn zu den drei besten Stürmern der Welt. "Wenn man einen solchen Spieler auf dem Feld hat, ist es sicherlich einfacher zu spielen, denn die Verteidigung konzentriert sich auf den besseren, erfahreneren. Dadurch hat der Partner mehr Platz."

Nach Piateks Einwechslung gegen Österreich agierten beide Topstürmer Seite an Seite. Doch der Erfolg des Milan-Stürmers stürzt Polens Nationaltrainer Jerzy Brzeczek in ein gewisses Dilemma, schließlich ist Lewandowski als Kapitän gesetzt. In Wien lief zudem der ebenfalls formstarke Napoli-Goalgetter Arkadiusz Milik als hängende Spitze auf.

Für den eingewechselten Piatek war es erst der dritte Einsatz für die "Bialo-Czerwoni". Dass er dabei auch als Joker genauso abliefern kann, bewies er mit seinem zweiten Länderspieltor nacheinander – eine Serie, die Piatek nur allzu gerne ausbauen würde.

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