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Die englische Nationalmannschaft erlebt in Bulgarien einen Abend mit starken rassistischen Anfeindungen. Gareth Southgate gibt danach ein bemerkenswertes Statement ab.

Hässliche Szenen spielten sich im EM-Qualifikationsspiel zwischen Bulgarien und England ab.

Der 6:0-Erfolg der Three Lions geriet angesichts mehrfacher rassistischer Entgleisungen wie Affenlauten gegen die dunkelhäutigen englischen Spieler und dem Hitlergruß einiger bulgarischer Fans komplett in den Hintergrund. Zwei Mal stand die Partie vor dem Abbruch.(SERVICE: Spielplan und Ergebnisse

Bulgariens Trainer Krassimir Balakov wollte von all dem nichts mitbekommen haben. "Ich persönlich habe die Gesänge nicht gehört. Ich sah, wie der Referee das Spiel unterbrach. Aber ich muss auch sagen, dass nicht nur die bulgarischen Fans sich schlecht benommen haben, sondern auch die englischen Fans, die bei der Nationalhymne gepfiffen haben."

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Im Stadion gab es nach den ersten Entgleisungen (28.) eine Durchsage, dass die Partie abgebrochen wird, wenn die rassistischen Entgleisungen nicht aufhören. Wenig später (43.) musste der kroatische Schiedsrichter Ivan Bebek die Partie aber erneut unterbrechen. 

Southgate: "Niemand sollte das erleben"

England-Coach Gareth Southgate fand deutliche Worte: "Niemand sollte das erleben, was unseren Spieler widerfahren ist. Wir folgten dem vorgegeben Protokoll. Wir haben zwei Botschaften gesendet. Zum einen hat der Fußball gesprochen, und zum anderen haben wir zwei Mal das Spiel unterbrochen."

Der Referee stand in engem Kontakt mit den englischen Verantwortlichen. "Er hat die ganze Zeit mit uns gesprochen", lobte Southgate den Kroaten. 

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"Bei der zweiten Unterbrechung hätten wir vom Feld gehen können, aber die Spieler wollten unbedingt die erste Hälfte beenden. Nicht ein Spieler wollte aufhören, sie waren sich absolut sicher", verriet Southgate die Gedanken im Team während der ersten Hälfte. 

50 Personen werden aus Stadion geworfen

Nach der Pause ging die Partie ohne Unterbrechungen zu Ende. Bulgariens Kapitän Ivelin Popov war in der Halbzeitpause zum eigenen Anhang gegangen und hatte mit einigen von ihnen gesprochen. Daraufhin sollen circa 50 Fans das Stadion verlassen haben, die offenbar für den Großteil der rassistischen Äußerungen verantwortlich waren. 

Greg Clarke, Chef des englischen Fußball-Verbands FA, bestätigte dies nach der Partie dem TV-Sender ITV: "Uns wurde von Offiziellen gesagt, dass 50 Menschen in der Halbzeit aus dem Stadion geworfen wurden." Als er gefragt habe, warum nicht auch die anderen Probleme gelöst wurden, wurde ihm gesagt, dies seien Einzelfälle gewesen keine Massenvorfälle. Das Protokoll sehe nur bei Massenvorfällen weitere Maßnahmen vor, so Clarke weiter.

Three-Lions-Coach Southgate verteidigte das Vorgehen seines Teams: "Was auch immer wir getan hätten, wäre als nicht ausreichend wahrgenommen worden. Aber ich denke, dass wir ein großes Statement gesetzt haben. Wir haben ein Zeichen gesetzt, mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben unter solch schwierigen Umständen. Ich glaube nicht, dass ein Spiel von solcher Bedeutung schon zwei Mal unterbrochen wurde. Ich bin unglaublich stolz auf die Spieler und mein Trainerteam."

England-Stars "traurigerweise abgehärtet"

Der normale Umgang seiner Spieler mit den rassistischen Entgleisungen auf den Tribünen verwunderte Southgate nicht mehr. "Wegen ihrer Erfahrungen in unserem eigenen Land sind sie traurigerweise abgehärtet gegenüber Rassimus. Ich weiß nicht, was das über unsere Gesellschaft sagt, aber das ist die Realität. Das macht mich traurig." 

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Die Spieler seien in der Kabine und freuten sich über den Erfolg und ihre Leistung, berichtete der englische Nationaltrainer.

Southgates Abschlussfazit: "Wir wussten alle, dass wir in einer ziemlich unmöglichen Situation waren. Also haben wir versucht, das Beste daraus zu machen."

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