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Baku und München - Mesut Özil enttäuscht bei der Final-Niederlage in der Europa League die Hoffnungen des FC Arsenal – zum wiederholten Mal. Hinterher hagelt es Kritik.

In Zeitlupe schlich Mesut Özil vom Platz.

Und während die Spieler des FC Chelsea nach dem Schlusspfiff ausgelassen den Titelgewinn in der Europa League feierten, verfolgte der Mittelfeldstar des FC Arsenal das Treiben auf dem Rasen des Olympiastadions von Baku gedankenverloren und zusammengesunken auf der Ersatzbank.

Eine Chance sei es gewesen, die Magie wiederzuentdecken, schrieb der Telegraph: "Die ideale Möglichkeit für Mesut Özil, mehr als nur irgendein talentierter Arsenal-Spieler in einer mäßig erfolgreichen Mannschaft zu werden und die Welt an das Talent in seinen Füßen zu erinnern."

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Aber er nutzte sie nicht.

Özil in 77 Minuten ohne Akzente

Özil wurde "vermisst als sie ihn am meisten brauchten", titelte der Telegraph nach der 1:4-Klatsche.

Dabei gewährte ihm sein Coach Unai Emery, der ihn in dieser Saison häufiger nur auf die Bank setzte, immerhin 77 Minuten, ehe er den 19-jährigen Joe Willock für Özil einwechselte.

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Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Mittelfeldstratege nur eine Torchance kreiert. Nur 25 Prozent gewonnene Zweikämpfe und nur 40 Ballkontakte (sogar der zehn Minuten früher ausgewechselte Lucas Torreira hatte mehr) zeugen von seiner zurückhaltenden Vorstellung.

Ex-Gunner Keown kritisiert Özil

Während Chelseas Nummer 10 Eden Hazard mit einer Vorlage und zwei Toren die Blues fast im Alleingang zum Titel führte, blieb Arsenals Zehner Özil blass.

"Sie haben Hazard, wir hatten Özil", sagte Ex-Profi und Arsenal-Scout Martin Keown bei BT Sport. "Özil ist unser größter Spieler. Die Hälfte der Spiele ist er nicht verfügbar. Er braucht bessere Spieler in einer auf Ballbesitz ausgerichteten Mannschaft um sich herum, weil er ohne Ballbesitz zu wenig macht. Er denkt vielleicht, dass er das macht - aber das macht er nicht."

Özils Körpersprache, die hängenden Schultern und sein mitunter teilnahmslos wirkendes Schlendern über den Platz waren schon während seiner Zeit in der Nationalmannschaft ein gefundenes Fressen für seine Kritiker. Mit genialen Momenten strafte er sie immer wieder Lügen. Doch sein Zauber vergangener Zeiten verblasst zunehmend.

"Bei Real Madrid war er umgeben von top, top Spielern und einer der besten Spieler in der Geschichte dieses Sports", erinnert sich der frühere Arsenal-Star Cesc Fabregas bei BT Sport.

Özil für Fabregas kein Führungsspieler

Mit seinem Wechsel nach London 2013 habe Özil auch den Kreis der Top 3 Europas, zu denen Fabregas neben Real noch Barcelona und Bayern München zählt, verlassen. "Dann musst du dich selbst etwas mehr zeigen, weil du nicht mehr die gleiche Qualität um dich herum hast."

Die Gunners haben Özil einst als Führungsspieler verpflichtet, aber Fabregas entgegnete: "Ich denke nicht, dass Özil das in sich trägt. Ich trainiere nicht jeden Tag mit ihm, aber ich denke nicht, dass er es in sich hat, ein Anführer zu sein."

Und wie geht es jetzt für Özil weiter?

Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Mit einem wöchentlichen Gehalt von 400.000 Euro ist der 30-Jährige Arsenals Topverdiener. Doch mit der Pleite im Europa-League-Finale haben die Gunners auch die letzte Chance auf die Qualifikation für die Champions League verpasst und spielen im dritten Jahr in Folge nur im zweitklassigen Europapokal.

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Wird Özil Opfer eines Arsenal-Umbruchs?

In England mehren sich bereits Forderungen nach einem Umbruch. "Arsenal wäre vielleicht gut beraten, ein paar gute Spieler abzugeben und nach drei oder vier guten Charakteren zu suchen", sagte der ehemalige Premier-League-Trainer Alan Pardew der BBC. "Unai Emery muss den Kader umkrempeln. Ein oder zwei Spieler müssen abgegeben werden, vielleicht sogar Mesut Özil."

Sein Abgang von der großen Bühne in Baku war ein leiser. Weit nach Mitternacht ignorierte er die Rufe der Journalisten in Baku und schlurfte davon.

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