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Marco Russ steht vor einer unsicheren Zukunft als Eintracht-Spieler © Imago
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Erst vor zwei Jahren besiegte Marco Russ den Krebs - nun droht ihm das Karriereende. Dennoch lächelt der Eintracht-Verteidiger schon wieder.

Als Marco Russ mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Spielfeld humpelte, hielten Mitspieler, Trainer und Fans den Atem an.

Der Abwehrspieler war beim glanzlosen 1:0-Sieg im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen den FC Vaduz in der 37. Minute umgeknickt und deutete sofort an, dass es für ihn nicht weitergehen würde.

Schon bevor die genaue Diagnose erstellt wurde, war sich Eintracht-Trainer Adi Hütter sicher. "Er wird sehr lange ausfallen, das ist der Wermutstropfen am heutigen Abend."

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Bobic: "Es ist ärgerlich und schade"

Am Freitagvormittag wurde es dann zur Gewissheit: Russ hat sich einen Achillessehnenriss zugezogen und wird mindestens ein halbes Jahr pausieren - angesichts seines fortgeschrittenen Alters könnte die Verletzung sogar das Karriere-Aus bedeuten.

© Imago

Im März 2019 hatte Russ schon einmal wegen Achillessehnenproblemen gefehlt, die ihn einen Monat außer Gefecht setzten.

"Es ist ärgerlich und schade, das tut mir leid", sagte Sportvorstand Fredi Bobic, dem das große Pech des 34-Jährigen sichtlich nahe ging. "Er ist ein Musterprofi und lebt diesen Verein. Wir sind für ihn da", sagte Bobic beim TV-Sender Nitro.

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Auch bei seinen Mitspielern überlagerte das persönliche Schicksal des ungemein beliebten Verteidigers das Weiterkommen in der Europa-League-Qualifikation. "Es ist total schade für ihn, denn er gehört hier einfach rein", zeigte sich Timothy Chandler geknickt -  ebenso wie Torwart Kevin Trapp: "Marco ist in der Kabine und im Verein sehr wichtig."

Rode kritisiert Zustand des Rasens

Für Sebastian Rode, der gegen Vaduz ein solides Comeback nach seinem Knorpelschaden im Knie feierte, könnte der Zustand des Rasens für Russ' schwere Verletzung verantwortlich gewesen sein. "Der Platz hatte heute keine optimalen Bedingungen, so sollte kein Bundesliga-Rasen sein. Marco ist wohl umgeknickt, weil der neue Rasen noch nicht so richtig angewachsen ist."

Doch trotz seines großen Verletzungspechs ließ sich der Routinier nicht davon runterziehen. "Marco hat mir gesagt, dass er schon Schlimmeres hatte", sagte Bobic. 

Verglichen mit den Schicksalsschlag, der Russ vor über drei Jahren ereilte, mutet die jetzige Verletzung in der Tat wie eine Bagatelle an. Im Mai 2016 wurde bei Russ Hodenkrebs diagnostiziert, er stand nicht nur als Fußballer vor einer ungewissen Zukunft.

Trotz der bitteren Diagnose spielte er im Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Nürnberg noch mit und half, dass seine Eintracht in der Folgesaison erstklassig blieb. Kurze Zeit später musste er sich einer Chemotherapie unterziehen.

Russ besiegt den Krebs

Diese Strapazen überwand Russ dank seiner Familie - und einer großen Portion Optimismus. "Auch die Chemotherapie und alles, was mit ihr zusammenhängt, haben wir versucht, mit Humor zu nehmen", erzählte er 2016 der Welt am Sonntag. "So ist unsere Art, mit Dingen umzugehen. Diese lustige, humorvolle Art hat uns in den vergangenen Wochen sehr geholfen." 

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Russ besiegte den Krebs und kämpfte sich zurück ins Team. Als er ziemlich genau ein Jahr später wieder auf dem Platz stand, sprach Russ vom "wilden Ritt in der Achterbahn der Gefühle".

Nun also der nächste Rückschlag für den Verteidiger, der ihn aber nicht aus der Bahn werfen wird. Beim Spiel gegen Vaduz tauchte Marco Russ in der 61. Minute auf Krücken an der Ersatzbank auf und verfolgte die Partie bis zum Schluss. Laut Bobic hatte er schon wieder ein Lächeln auf den Lippen. 

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