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Ein Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen einen russischen Fußballer © Getty Images
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Der ehemalige Leiter des Anti-Doping-Labors belastet den russischen Fußball kurz vor WM-Star. Ein Spieler aus dem aktuellen WM-Kader soll wissentlich gedopt haben.

Die russische Fußball-Nationalmannschaft sieht sich rund zwei Wochen vor dem Beginn der Weltmeisterschaft im eigenen Land mit Doping-Anschuldigungen konfrontiert.

Grigory Rodchenkov, einst als Direktor des nationalen Ant-Doping-Labors treibende Hand im russischen Dopingskandal und heute als Whistleblower aktiv, offenbarte in einem Video-Interview bei einer Konferenz in London, dass sich im aktuellen Kader des WM-Gastgebers ein Spieler befinde, dessen Namen sich auf einer einst von ihm überwachten Dopingliste befand.

Dies berichtet der britische Independent.

Um welchen Spieler es sich handelt, sagte Rodchenkov, der sich inzwischen in einem Zeugenschutzprogramm an einem anonymen Ort in den USA aufhält, nicht.

34 Fußballer positiv getestet?

Rodchenkovs Aussagen zufolge lagen ihm seiner Zeit insgesamt 34 positive Doping-Proben von Fußballern vor, die aber ohne jegliche Prüfung vernichtet wurden.

Sein damaliger Chef, der ehemalige Sportminister Vitaly Mutko, habe ihn dazu aufgefordert, Dopingproben von Fußballern "nicht anzurühren" und zugleich dafür zu sorgen, dass jene keine Strafe erhielten, so Rodchenkov. Vor allem das Nationalteam betreffend sei es zu vermeiden, dass Störgeräusche an die Öffentlichkeit geraten.

"Wenn du Probleme hast, dann komme zu mir", habe ihm Mutko gesagt. "Eigentlich hätte ich dann an meinen direkten Vorgesetzten, den Vizeminister berichten müssen. Aber in diesem Fall sollte ich nur an Mutko berichten", führte Rodchenkov weiter aus.

Russland gesteht Doping ein

Erst in der Vorwoche hatte Russland eine Kehrtwende vollzogen und erstmals systematische Manipulationen eingestanden. Das geht aus einem Brief an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hervor, der der französischen Nachrichtenagentur AFP und der Sporttageszeitung L'Equipe vorliegt.

"Die ernsthafte Krise, die den russischen Sport erfasst hat, wurde von einer inakzeptablen Manipulation des russischen Anti-Doping-Systems verursacht, die durch die Untersuchungen der WADA und des IOC enthüllt wurden", hieß es in dem Schreiben, das unter anderem vom russischen Sportminister Pawel Kolobkow und dem Präsidenten des russischen Nationalen Olympischen Komitees (ROC), Alexander Schukow, unterzeichnet ist.

In dem Brief bezeichnet Russland die Manipulationen als "systematisch", das Wort "institutionell", das eine der Hauptschlussfolgerungen der McLaren-Untersuchung war, wird allerdings vermieden. "Wir lehnen den McLaren-Report ab, da er unbegründete Schlussfolgerungen enthält", sagte Kolobkow der russischen Nachrichtenagentur TASS.

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