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Der VfL Wolfsburg kämpft am Sonntag (ab 19 Uhr auf SPORT1) um das Triple - und um Anerkennung. Fußball-Deutschland sollte stolz auf das Aushängeschild sein.

"Ihr seid nach wie vor unser Aushängeschild" - mit diesen tragendenden Worten hat Oberbürgermeister Klaus Mohrs den Frauen des VfL Wolfsburg zum Finaleinzug in der Champions League offiziell gratuliert.

Und bei Wolfsburgs oberstem Repräsentanten kommt das von Herzen: Er ist glühender Frauenfußball-Anhänger mit Dauerkarte. Aber trotz Wertschätzung von höchster Stelle der Stadt: Die Euphorie hält sich - nicht nur durch Corona-Beschränkungen - in überschaubaren Grenzen.

Triple-Jagd! Das Champions-League-Finale der Frauen mit dem VfL Wolfsburg - Sonntag ab 19 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1 und im Stream! 

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Immerhin wird es zum Finale in einer Fankneipe Public Viewing geben. Das bedeutet nicht, dass in Wolfsburg die überragenden Leistungen der Frauen keine Anerkennung finden würden: Das Zuschauerinteresse nimmt zu (aber halt langsam), die Wölfinnen werden als sympathisch und erfolgreich wahrgenommen, die Fußball-Fans in der Stadt sind auch über die Frauenmannschaft auf dem Laufenden. "Stiller Stolz" trifft es in der Beziehung zwischen Stadt und Team aber wohl oftmals begrifflich am besten. 

Wolfsburgs Frauen trotz Erfolg im Schatten der Männer

Trotz aller Titel wie am Fließband, dieses eine Auto-Fußball-Wortspiel sei gestattet, steht die erfolgreichste Frauen-Fußballmannschaft Deutschlands immer noch deutlich im Schatten der weit weniger erfolgreichen VfL-Männer.

Man stelle sich das Brimborium vor, die 1. Herrenmannschaft des Vereins würde am Sonntag im Champions League-Finale stehen. Doch genau diese Vergleiche sind es, die es den Frauen immer noch schwer machen, trotz der guten sportlichen Leistungen die nötige Aufmerksamkeit, Wertschätzung und vor allem eigenständige Wahrnehmung zu erhalten.

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Das ist kein Wolfsburger Problem, sondern eins von Fußball-Deutschland. Stammtisch-Vorurteile sind zwar weniger geworden, aber immer noch da. Während andere Verbände und internationale Vereine die Zeichen im Frauenfußball längst erkannt haben, tun sich DFB und viele Bundesligisten immer noch schwer, notwendige Dinge voranzubringen - insbesondere, was die Vermarktung oder überhaupt ein klares Bekenntnis angeht.

Auch die mediale Unterstützung hält sich in Grenzen: Wenn SPORT1 zum Halbfinale Wolfsburg - Barcelona erst zur Platzwahl rüberschaltet, weil vorher der Männer-Nachwuchs-Cup Youth League übertragen wird, dann sagt das auch einiges über das Standing des Frauenfußballs aus.

Gelingt gegen Lyon das Triple?

Beim VfL Wolfsburg hat man in diesem Punkt nicht alles, aber vieles richtig gemacht: gute Scouting- und Transferpolitik, beste Bedingungen, Perspektiven für die Spielerinnen über den Fußball hinaus. Die VfL-Frauen sind präsent, zum Beispiel bei öffentlichen Auftritten für Eigentümer Volkswagen. Trotzdem ginge auch hier rund um den Verein mehr.

Der Beweis: 2018 ließ der VfL seine Frauenmannschaft filmisch während der Saison begleiten - bis hin zum verlorenen Champions League-Finale in Kiew. Der Film zeigt eindrucksvoll, was die erfolgreiche Frauen-Fußballmannschaft ausmacht: Auf den Erfolgen ausruhen - Fehlanzeige! Es wird hart an der Bestätigung gearbeitet. In jedem Spiel - ob gegen Meppen oder Madrid. "Immer alles geben" heißt dann auch der passende Titel des Films. Das dürfte auch Frauenfußball-Skeptikern Respekt abringen, zahlt es doch auf die Kernwerte ein, die wir am Fußball lieben.  

Finalgegner der Wölfinnen übrigens damals wie heute: Olympique Lyon, die internationale Übermannschaft. Ein Sieg des VfL, und damit der dritte Titel in der Champions League, würde eine erneut grandiose Saison mit dem Triple krönen - und den Stolz auf Wolfsburgs Aushängeschild hoffentlich noch mal erhöhen.

Zum Verfasser des Textes: Lars M. Vollmering ist Journalist und Buchautor. Der gebürtige Wolfsburger begleitet seit Jahren aktiv das Geschehen rund um den VfL.

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