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In ihrer SPORT1-Kolumne zieht Julia Simic ein zwiespältiges WM-Fazit. Um konkurrenzfähig zu bleiben, nimmt sie auch die Traditionsvereine in die Pflicht.

Die WM ist vorbei – zumindest für unsere Frauen-Nationalmannschaft. 

War das Erreichen des Viertelfinals schon ein Erfolg oder ist das Scheitern im Viertelfinale als Misserfolg zu bewerten? 

Die Mannschaft hat das Viertelfinale ohne Gegentor erreicht und zum Teil vielversprechende Leistungen gezeigt. Auch das eine oder andere Traumtor war dabei.

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Letztlich hat das DFB-Team aber das Minimalziel, die Olympia-Qualifikation, verfehlt – und damit ein Großereignis, bei dem es wieder die Chance gehabt hätte, auf sich und den Frauenfußball aufmerksam zu machen. 

Deutschland fehlt gefestigte Defensive

Im Vorfeld des Turniers wurde viel über einen Umbruch gesprochen. Es gab fünfzehn WM-Debütantinnen. Trainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte seit ihrem Amtsantritt nur vier Testspiele Zeit, um ihre Spielphilosophie auf eine Mannschaft zu übertragen, die zuvor im EM-Viertelfinale gegen Dänemark ausgeschieden war und um ein Haar die WM-Qualifikation verpasst hätte.  

Von daher war die Mannschaft – realistisch betrachtet - einfach noch nicht auf dem notwendigen Level. Auch im Spiel gegen Schweden wurde deutlich, dass ohne eine gefestigte Defensive kein Turnier zu gewinnen ist. Da waren leider zu viele Stellungsfehler in der Abwehr. 

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Einsatz von Marozsán kam zu früh

In der vorherigen Kolumne habe ich auch die gefährliche Situation mit Dzsenifer Marozsán angesprochen. Am Ende lässt sich sagen, dass ihr Einsatz wahrscheinlich zu früh kam. Sie konnte - sei es aufgrund der Schmerzen oder des fehlenden Spielrhythmus - nicht den Unterschied ausmachen. 

Trotzdem sage ich: Für einzelne Spielerinnen war die WM auch ohne Medaille oder Olympia-Qualifikation ein absoluter Erfolg. Die Aufmerksamkeit, nicht zuletzt in den sozialen Netzwerken, hat Spielerinnen wie Giulia Gwinn und Sara Däbritz auf ein neues Vermarktungslevel gehoben. 

Die Frage wird nun sein, wie der Ligaalltag künftig aussehen wird? Zurück zu leeren Stadien und wenig bis keiner medialen Präsenz?  

Vereine wie BVB müssen sich beteiligen

Einer der wichtigsten Punkte ist für mich: Große Vereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und Hertha BSC müssen sich endlich auch am Frauenfußball beteiligen.

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In die englische Women‘s Super League sind gerade Manchester United und Tottenham Hotspur aufgestiegen und komplettieren damit die Frauenliga, in der nun alle namhaften Männervereine auch mit Frauenteams vertreten sind.

Das ist ein deutliches Signal und zeigt die Wertschätzung, die dem Frauenfußball auf der Insel entgegengebracht wird. 

Wir müssen nachziehen, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

Julia Simic gilt als eine der bekanntesten deutschen Fußballerinnen. In der Frauen-Bundesliga lief die 30-Jährige insgesamt 186 Mal für Bayern München, Turbine Potsdam, den VfL Wolfsburg und zuletzt für den SC Freiburg auf (53 Tore). Mit den Wölfinnen wurde sie 2017 Deutscher Meister und gewann mit ihnen zweimal den DFB-Pokal. Ein weiteres Mal gelang ihr der Pokal-Coup mit den Bayern. Aufgrund schwerer Verletzungen absolvierte Simic für die deutsche Nationalmannschaft nur zwei Länderspiele. Für SPORT1 berichtet sie während der WM in Frankreich als Kolumnistin.

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