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SPORT1-Kolumnistin Julia Simic erklärt vor dem WM-Viertelfinale der DFB-Frauen gegen Schweden, wie wichtig Dzsenifer Marozsán ist - und welche Gefahr darin steckt.

Hallo Fußball-Freunde,

mit Dzsenifer Marozsán kehrt gegen Schweden Deutschlands beste Fußballerin zurück. Jetzt könnte man meinen, dass das WM-Viertelfinale ein Selbstläufer wird. Wird es aber nicht.

Die Kunst besteht nun darin, Marozsán in die zuletzt eingespielte Offensive einzubauen. Steht sie hingegen auf dem Platz, wird sich wieder alles auf sie fokussieren. Das Spiel der DFB-Mädels ist dann ein anderes als zuletzt.

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Gegen China am ersten Spieltag hat man gemerkt, wie schwer es wird, wenn das Spiel auf Maro zugeschnitten ist, sie aber durch den Gegner aus dem Spiel genommen wird.

In fittem Zustand ist sie im Team die unumstrittene Ausnahmespielerin. Sie hat keinerlei Allüren und genießt deshalb von allen Spielerinnen hohes Ansehen. Ihre ruhige, zurückhaltende Art wird geschätzt. Mit ihrem rechten Fuß kann sie Spiele entscheiden -  sei es durch Gewaltschüsse oder feine Schlenzer. Auch ihre Standards sind eine Waffe.

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Seit Maro vor drei Jahren vom 1.FFC Frankfurt zum europäischen Top-Klub Olympique Lyon gewechselt ist, hat das ihrem Ansehen, aber vor allem auch ihrer fußballerischen Entwicklung noch einmal einen Schub gegeben. Marozsán gewann mit Lyon dreimal in Folge die Champions League, zweimal holte sie das Triple, wurde dreimal hintereinander zu Frankreichs Spielerin des Jahres gekürt und stand zuletzt auch unter den letzten drei Kandidatinnen bei der Wahl zur Weltfußballerin. Wahnsinn!

Hin und wieder hat man aber das Gefühl, dass ihr die Titel und Auszeichnungen zum Verhängnis werden und sie belasten. Die Erwartungshaltung an sie ist enorm, Gegner wie China fokussieren sich auf sie und entwickeln eine Taktik, um sie aus dem Spiel zu nehmen. In nahezu jedem Bundesliga-Spiel, in dem ich gegen Dzseni gespielt habe, war das auch der Fall. Dann haben sogar modernste Trainer wieder zur "Manndeckung" gegriffen.

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Marozsán ist nicht diejenige, die die meisten Kilometer abspult oder Spitzengeschwindigkeiten an den Tag legt. Deutschlands Nummer Zehn wird erst dann richtig gut, wenn sie den Ball am Fuß hat. Und dann passieren manchmal Dinge, die man sonst so selten im Frauenfußball sieht. Achtet mal drauf: Maro schaut fast nie runter zum Ball, ihr Kopf ist immer oben, um zu sehen, wohin der finale Pass hingespielt werden kann oder um die Torhüterin auszugucken.

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Die Erwartungen an Marozsán sind natürlich auch von medialer Seite extrem hoch. Sie wird am meisten kritisiert, wenn es nicht rund läuft im deutschen Spiel und das war auch der Grund, weshalb sie ihre Kapitänsbinde vor dem Turnier freiwillig zurückgegeben hat. Ein Versuch, etwas aus dem Fokus herauszutreten und Ballast zu verlieren, damit sie sich wieder mehr auf das konzentrieren kann, was sie am meisten liebt: Fußball zu spielen und keine Interviews oder große Reden zu halten.

Sollte sie gegen Schweden nach ihrem Zehenbruch von Anfang an spielen, wird der Fokus wieder extrem auf sie gerichtet sein. Die Schwedinnen werden auch wissen, dass ihr Zeh nach zuletzt drei verpassten Spielen noch immer schmerzt.

Meiner Meinung nach sollte sie nur starten, wenn sie richtig fit ist. Andernfalls halte ich es für  sinnvoller, sie nur einzusetzen, wenn Not am "Mann" ist. In diesem Fall kann sie sich weiter erholen und wäre in einem möglichen Halbfinale noch fitter. Zudem hat sich die Mannschaft im Turnierverlauf von Spiel zu Spiel gesteigert und eingespielt.

Allerdings: Kein Trainer der Welt würde eine fitte Marozsán auf die Bank setzen.

Julia Simic gilt als eine der bekanntesten deutschen Fußballerinnen. In der Frauen-Bundesliga lief die 30-Jährige insgesamt 186 Mal für Bayern München, Turbine Potsdam, den VfL Wolfsburg und zuletzt für den SC Freiburg auf (53 Tore). Mit den Wölfinnen wurde sie 2017 Deutscher Meister und gewann mit ihnen zweimal den DFB-Pokal. Ein weiteres Mal gelang ihr der Pokal-Coup mit den Bayern. Aufgrund schwerer Verletzungen absolvierte Simic für die deutsche Nationalmannschaft nur zwei Länderspiele. Für SPORT1 berichtet sie während der WM in Frankreich als Kolumnistin.

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