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Peter Neururer ist seit März 2019 Sportdirektor in Wattenscheid
Peter Neururer ist seit März 2019 Sportdirektor in Wattenscheid © SPORT1
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München - Peter Neururer lässt sein Amt als Sportdirektor bei der SG Wattenscheid derzeit ruhen. Bei SPORT1 spricht der 64-Jährige Klartext und erhebt schwere Vorwürfe.

Erst Anfang des Jahres wendete die SG Wattenscheid 09 eine drohende Insolvenz in letzter Minute ab, nun steht dem einstigen Bundesligisten neues Chaos ins Haus.

Im März übernahm Peter Neururer das Amt des Sportdirektors, etwas mehr als ein halbes Jahr später hat er die Nase bereits gestrichen voll.

Im SPORT1-Interview spricht der 64-Jährige über die Zustände im Klub und rechnet mit den Verantwortlichen schonungslos ab. 

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SPORT1: Herr Neururer, derzeit üben sie ihr Amt als Sportdirektor bei der SG Wattenscheid nicht mehr aus. Wie ist der Stand der Dinge?

Peter Neururer: Fakt ist, dass sich mein Anwalt eingeschaltet hat in Bezug auf die Weiterarbeit bei der SG Wattenscheid. Ich möchte dort arbeiten, aber nicht unter den Voraussetzungen, die mir der Klub zur Verfügung stellt. Und diesbezüglich hat sich mein Anwalt der ganzen Sache angenommen.

SPORT1: Welche Voraussetzungen meinen Sie?

Neururer: Ich kann darüber nicht im Detail sprechen. Wenn ich die Wahrheit sagen würde, würde das dem Verein schaden. Und das möchte ich nicht. Das wird mein Anwalt jetzt klären. Ich halte mich da komplett raus. Aber dass da Dinge auf einem Lügengerüst aufgebaut worden sind, ist zweifelsfrei richtig und enttäuscht mich sehr.

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"Unter diesen Voraussetzungen kann ich nicht helfen"

SPORT1: Wie soll es mit Ihnen weitergehen? Ist eine schnelle Klärung möglich?

Neururer: Das weiß ich nicht. Deshalb habe ja meinen Anwalt eingeschaltet. Unter den Voraussetzungen mache ich das auf keinen Fall mehr weiter, denn so kann ich nicht arbeiten. Mir ist im Augenblick die Möglichkeit genommen worden, bei Wattenscheid 09 arbeiten zu können. Und zwar durch die Führung. Den Präsidenten und den Vorsitzenden habe ich seit Tagen nicht erreichen können. Ich warte immer noch auf einen Rückruf. Die Herren des Aufsichtsrates habe ich schon seit Tagen nicht mehr sprechen können.

Ich habe keinen der Mitglieder an den Hörer bekommen. Es ist schon vor einiger Zeit viel verabredet worden zur Entwicklung der Mannschaft. Dies basiert aber auf Lügengeschichten. Da gibt es so etwas wie einen Hauptsponsor, nennen wir ihn mal so, der ist zurückgetreten. Er ist nicht mehr da und kann seinen Forderungen nicht nachkommen. In der Öffentlichkeit macht der Verein aber noch teilweise Werbung für ihn.

Das sind alles Dinge, hinter denen ich nicht stehen kann und die keine Grundlage bilden für eine weitere Zusammenarbeit. Ich habe vorgehabt, dem Verein zu helfen, aber unter diesen Voraussetzungen kann ich wirklich nicht helfen. Das ist unmöglich.

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"Der Verein erleidet dadurch einen Riesenschaden"

SPORT1: Haben Sie Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung?

Neururer: Ich habe den Wunsch, dass die ganze Sache so schnell wie möglich geklärt wird, ob da etwas weitergehen kann. Die Hoffnung habe ich aber eigentlich aufgegeben.

SPORT1: Was sind die größten Kritikpunkte und Fehler?

Neururer: Mein größter Fehler war, dass ich Oguzhan Can, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden (trat im Juli dieses Jahres zurück, d. Red.), geglaubt habe. Genauso, wie alle Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung ihm geglaubt haben. Er hat sich in seinem Amt bestätigen lassen - mit einer klaren Aussage und mit der Veröffentlichung von Zahlen, die aber von hinten bis vorne alle nur erstunken und erlogen waren. So wurde dieser Mann für drei Jahre im Amt bestätigt. Und ich habe unter diesen Voraussetzungen einen Vertrag unterschrieben, um den Verein nach vorne zu bringen. Heute ist aber klar, dass alles gar nicht der Wahrheit entsprach. Es wurden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten wurden. Und es wurden Gehälter einfach nicht gezahlt. 

SPORT1: Wie enttäuscht sind Sie?

Neururer: Es gibt einige Menschen, die mich nicht enttäuschen können. Und ich bin auch nicht enttäuscht. Wütend bin ich aber darüber, dass ich einen Trainer und eine Mannschaft auf dem Trainingsplatz sehe, die hervorragend zusammenarbeiten. Doch sie werden in ihrer Weiterentwicklung durch diese Leute komplett gebremst und der Verein erleidet dadurch einen Riesenschaden.

SPORT1: Was würde dem Verein zum jetzigen Zeitpunkt helfen?

Neururer: Ein Peter Neururer, der arbeiten darf und kann. Das würde mit Sicherheit helfen. Genauso wie ehrliches Miteinander und das Wiedererlangen von Glaubwürdigkeit.

SPORT1: Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, hat die Techniker Krankenkasse als Gläubiger einen Insolvenzantrag gegen den Traditionsklub gestellt. Was sagen Sie dazu?

Neururer: Das wusste ich gar nicht und das passt ins Bild. Es ist bezeichnend, dass da Dinge passieren, von denen ich gar nichts wusste. Es sind zudem einige Rechnungen nicht bezahlt worden, von denen ich nichts wusste. Alles sehr schlimm. 

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