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München - Stefan Kuntz ist zum zweiten Mal nach 2017 Europameister mit der U21. Ein beeindruckender Erfolg, der die Frage aufwirft, ob der Coach sich bald eine neue Aufgabe sucht.

"Der liebe Gott hat bei mir zwar das Alkohol-Gen vergessen, für zwei Gin Tonic hat's aber gereicht", berichtete Stefan Kuntz grinsend bei der Abschluss-PK der deutschen U21 am Montagnachmittag. 

Der Erfolgscoach des Europameisters räumte eine kurze Nacht in Ljubljana ein, die ihm durchaus anzusehen war. Auch die Stimme war dünn, die Laune war nach der Landung in Frankfurt aber noch immer titelwürdig. Der Empfang ging Kuntz unter die Haut. Es herrschte "extreme Tränengefahr", als die Mitarbeiter des DFB Spalier standen, gab er zu. (Bericht: Das Geheimnis der Hyänen-Bande)

Von jeder Menge Wetten, bester Stimmung und abrasierten Haaren sprach Kuntz, der mit der U21 zum zweiten Mal nach 2017 den Titel bei der EM holte. Nur eine knappe Finalniederlage gegen Spanien 2019 verhindert im Nachhinein einen Titel-Hattrick. (Die Final-Helden in der SPORT1-Einzelkritik)

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Der gebürtige Saarländer räumte bei der Pressekonferenz erneut ein, dass er dem jetzigen Team den Titel kaum zugetraut hätte. Es war ihm daher auch anzumerken, dass es sich um den wohl größten Erfolg seiner Karriere handelte. Doch wie geht es nach einem solch überraschenden und kraftraubenden Triumph weiter? 

Kuntz "ein geeigneter Kandidat für oben"

Kuntz' Vertrag läuft noch bis 2023. Der DFB weiß aber gut, dass der Erfolg der U21 Begehrlichkeiten weckt. "Ich weiß, wie sich Dinge entwickeln und dass jetzt viele Vereine hellhörig geworden sind", sagte Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter der Nationalmannschaften beim DFB, bei der PK am Montag. 

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Wie es weitergehen könnte, ließ Chatzialexiou offen: "Was die Zukunft bringen wird, müssen wir sehen und werden wir sehen." 

Der 45-Jährige wurde dann aber doch noch konkreter und geriet bei Kuntz ins Schwärmen: "Für uns war Stefan auch ein geeigneter Kandidat für oben. Wir haben mit Hansi Flick und Stefan nun zwei große Trainer bei uns. Bei Stefan gilt das nicht nur für die U21, ich traue ihm noch viel mehr zu. Ich habe ihn über die Jahre begleitet." 

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Kuntz will seine Gedanken nach Olympia ordnen 

Kuntz selbst hatte unmittelbar nach dem Endspiel erklärt, dass er noch genügend Kraft für weitere Aufgaben habe. 

Die nächste Aufgabe für ihn werden die Olympischen Spiele im japanischen Tokio sein. Diese werden im Juli und August ausgetragen. Bis Ende Juni muss Kuntz als Trainer einen 18-köpfigen U23-Kader nominieren. Drei Akteure dürfen vor 1997 geboren sein.

"Da geben wir schon noch einmal Gas", gab Chatzialexiou die Marschroute vor. Es klang entschieden nach einer Mission Gold. Olympia wird Kuntz auf jeden Fall noch mitnehmen, doch danach ist die Zukunft trotz Vertrag bis 2023 noch nicht geklärt. 

"Ich will nach Olympia meine Gedanken ordnen. Wie können neue Ziele aussehen?", erklärte Kuntz. "Du bist jetzt in einem Tunnel drin, wenn du in so einem Turnier bist. Da brauchst du mal eine Woche Pause. Ich weiß zu schätzen, wo ich bin. Ich werde mich aber fragen, ob ich eine neue Herausforderung brauche, oder ob der neue Jahrgang eine gute Herausforderung für mich ist." 

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"Noch keinen Job 20 Jahre lang gemacht"

Eine klare Deadline nach Olympia will sich der 58-Jährige aber nicht setzen: "Ich glaube, dass das normale Gedanken sind. Ich würde das nicht als Deadline sehen, dass Kuntz nach Olympia entscheiden wird, was passiert. Es ist aber ein Knick nach zwei Turnieren, nach dem man nachdenken muss." 

Kuntz ist nun seit fast fünf Jahren Coach der U21. Kann er sich vielleicht sogar eine Ära vorstellen, wie sie Joachim Löw bei der A-Nationalmannschaft geprägt hat? Seine Antwort auf die Frage, ob er vielleicht 20 Jahre Trainer der U21 bleiben würde, klang nicht danach: 

"Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, dann habe ich noch keinen Job 20 Jahre lang gemacht. So lange hat es nicht einmal als Fußballer gereicht." 

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