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Udine - Spaniens U21 will im EM-Finale gegen Deutschland Revanche für 2017, die Presse schwärmt vom derzeitigen "Kaviar-Fußball". Wird den Spaniern das zum Verhängnis?

Eine altbekannte Weisheit mag zwar etwas anderes behaupten - aber das Leben gibt einem dann eben doch nicht immer eine zweite Chance.

Wer also das Glück hat, sollte es nutzen. So wie die spanische U21 im Finale der UEFA U21 EM 2019 am Sonntag (U21-EM, Finale: Deutschland - Spanien ab 20.45 Uhr im LIVETICKERHighlights ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1).

"Lust auf Revanche", titelte die Marca in ihrer Samstagsausgabe in großen Buchstaben - und gab damit das eindeutige Motto für die Neuauflage des EM-Finals von 2017 vor.

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"Lust auf Revanche": Borja Mayoral und Co. sind heiß aufs Finale der U21-EM
"Lust auf Revanche": Borja Mayoral und Co. sind heiß aufs Finale der U21-EM © Marca

"Wir wollen zeigen, dass wir die beste Mannschaft des Turniers sind. Ein Finale zu spielen, motiviert schon - aber es gegen Deutschland zu bestreiten, nachdem wir vor zwei Jahren so gegen sie verloren haben, motiviert noch mehr", betonte der ehemalige Dortmunder Mikel Merino.

Weiser schockt Saúl, Asensio und Co.

Die Niederlage von Krakau, sie steckt immer noch in den spanischen Köpfen.

Nicht nur, weil in Merino, Jorge Meré, Jesús Vallejo, Borja Mayoral, Carlos Soler, Dani Ceballos und Mikel Oyarzabal gleich sieben Spieler aus dem damaligen Kader erneut dabei sind.

Sondern auch, weil angesichts so klangvoller Namen wie Saúl Niguez, Héctor Bellerín oder Marco Asensio damals kaum jemand mit einer Niederlage gegen Julian Pollersbeck, Marc-Oliver Kempf und Co. gerechnet hatte.

Eine vom Trainerteam um Stefan Kuntz und Antonio Di Salvo perfekt eingestellte deutsche Mannschaft nahm den überragenden Einzelkönnern auf der Gegenseite jedoch jegliche Lust am Fußball, Mitchell Weiser besorgte per Kopf das entscheidende Tor.

Spanien glänzt im Halbfinale gegen Frankreich

Nun aber ist 730 Tage später auf einmal die Chance da, das alles vergessen zu machen. "Natürlich wollen wir zeigen, dass wir dazugelernt haben und in der Lage sind, Deutschland zu schlagen", kündigte Kapitän Vallejo an.

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Was diesmal anders ist? Auf den ersten Blick gar nicht so viel.

Die Spanier gelten wie vor zwei Jahren als Favorit. Auch wenn es sich nur um Schätzungen handelt, liegt der Marktwert ihres Kaders laut transfermarkt.de bei rund 437 Millionen Euro, die deutsche Auswahl bringt es lediglich auf 314 Millionen Euro.

Dann die Eindrücke aus dem Halbfinale: Beim 4:1 gegen Frankreich gelang den Iberern wie 2017 beim 3:1 gegen Italien ein beeindruckendes Ergebnis. Die DFB-Junioren konnten ein Elfmeterschießen wie damals gegen England zwar vermeiden, das 4:2 gegen Rumänien war jedoch mit ähnlich viel Mühe verbunden.

"Wie Kaviar": Spaniens Presse frohlockt

Und auch die Euphorie in der spanischen Medienlandschaft ist ähnlich groß wie vor zwei Jahren. "Diese Rojita ist wie Kaviar", frohlockte die as nach der Machtdemonstration gegen die Franzosen, mit dieser Mannschaft kehre die Freude am guten Fußball zurück.

Eine Beobachtung, die angesichts der spanischen Leistung nicht aus der Luft gegriffen ist. Vielleicht sind jedoch genau derartige Lobhudeleien das große Problem im Land des Weltmeisters von 2010: Die Erwartungshaltung ist einmal mehr riesig, die Fallhöhe für die Jungstars enorm.

Wie vor zwei Jahren bei Saúl lasten diesmal riesige Erwartungen auf den Schultern von Dani Ceballos. Der 22-Jährige von Real Madrid, der unter Zinédine Zidane nicht zum Zug kommt und vor einem 50-Millionen-Transfer stehen soll, spielt bisher eine herausragende EM - das galt vor zwei Jahren jedoch auch für Saúl.

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Ceballos als Anführer eines starken Teams

Zugute kommt Ceballos, dass das Team des seit Sommer 2018 verantwortlichen Trainers Luis de la Fuente diesmal nicht nur mit einer Ansammlung vielversprechender Namen glänzt, sondern auch wieder typisch spanisch mit ansehnlichem Kombinationsfußball.

Aber auch Kuntz hat seine Mannschaft weiterentwickelt. In Sachen Teamgeist scheint sich die deutsche U21 im Jahr 2019 auf einem ähnlichen Level wie ihre Vorgänger zu bewegen, dank des Mittelfeld-Zentrums um Mahmoud Dahoud, Florian Neuhaus und Maximilian Eggestein ist sie schon rein spielerisch jedoch mindestens eine Klasse besser.

Hinzu kommt eine unglaubliche Effektivität: Mit nur 58 Torabschlüssen erzielten die Deutschen 14 Treffer, allein Luca Waldschmidt stellte mit seinen sieben Toren schon vor dem Finale den Turnierrekord ein.

Diese Kaltschnäuzigkeit könnte gerade im Finale zum entscheidenden Faktor werden, denn angesichts des zu erwartenden Ballbesitzfußballs der Spanier sollten die Deutschen am Sonntagabend in Udine besser gleich bei erster Gelegenheit zuschlagen - um gar nicht erst auf eine zweite Chance hoffen zu müssen.

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