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Germany v Portugal - Handball European Championship Qualifier
Ein Teil der Handballregeln: Das Ziehen am Trikot ist nicht erlaubt © Getty Images
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München - Wann entscheiden die Schiedsrichter auf Freiwurf? Für welche Vergehen gibt es Siebenmeter? Welche Bedeutung hat die Gelbe Karte? SPORT1 erklärt die Handball-Regeln.

Handball zählt zu den beliebtesten deutschen Team-Sportarten.

Mit acht Welt- und zwei Europameistertiteln hat das DHB-Team bei großen Turnieren eine beeindruckende Bilanz. 2016 sorgten die "Bad Boys" beim letzten großen Titel für Begeisterung für den Handball-Sport.

In den Handballhallen rund um den Globus sind schon viele legendäre und spannende Partien ausgetragen worden. Doch gerade das Regelwerk scheint an manchen Stellen kompliziert.

Bei welchen Vergehen entscheiden die Schiedsrichter auf Siebenmeter? Wann reicht ein Freiwurf aus? Wie viele Time-Outs stehen den Mannschaften zur Verfügung? Ab wann muss ein Spieler das Feld verlassen?

SPORT1 klärt auf und erklärt die Handball-Regeln.

- Strafen:

Handball ist ein körperbetontes Spiel mit viel Einsatz und Härte. Dem Gegner das Spielgerät aus der Hand zu reißen oder zu schlagen, ist verboten. Auch das "Sperren" des Gegenspielers - also das Festhalten - ist regelwidrig.

Die Reißfestigkeit der Trikots zu testen, sollten die Spieler unterlassen. Das Ziehen am Trikot und Gegner wird als Foul gewertet.

Verwarnung (Gelbe Karte):

Bei kleineren Vergehen kann der Schiedsrichter eine Verwarnung aussprechen. Diese wird mit einer Gelben Karte angezeigt. Die Partie wird in der Regel mit einem Freiwurf fortgesetzt.

Maximal drei Verwarnungen können pro Mannschaft ausgesprochen werden. Danach folgt für ein ähnliches Vergehen eine Zwei-Minuten-Strafe. Ein Spieler kann sich nicht mehr als eine Gelbe Karte einhandeln. Begeht er erneut ein Foul, das mit einer Verwarnung sanktioniert werden müsste, erfolgt direkt eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe.

Zwei-Minuten-Strafe:

Wertet der Unparteiische eine Aktion eines Spielers mit einem mittleren Vergehen, erhält der Spieler eine Zwei-Minuten-Strafe, bei der er für zwei Minuten das Spielfeld verlassen muss.

Spain v Slovenia - 24th Men's Handball World Championship
Bei groben Fouls kann eine Zweiminutenstrafe oder eine Disqualifikation erfolgen. Schläge ins Gesicht werden als solche geahndet © Getty Images

Disqualifikation (Rote Karte Blaue Karte):

Eine Disqualifikation erfolgt bei einem besonders schweren Vergehen. Ein brutales Foul, eine grobe Unsportlichkeit oder die Gefährdung der Gesundheit des Gegenspielers wird mit einer Roten Karte und einem Ausschluss vom Spielgeschehen bestraft. Die Mannschaft muss danach für zwei Minuten in Unterzahl weiterspielen.

Seit 2016 gibt es im Handball außerdem eine Blaue Karte. Zeigt der Unparteiische einem Spieler nach der Roten Karte auch noch das blaue Pendant, wird ein schriftlicher Bericht in den Spielbericht aufgenommen. Eine Disziplinarkommission entscheidet über weitere Maßnahmen, in der Regel kommt eine Spielsperre auf den Spieler zu.

Die Regel stellt insbesondere einen Service für die Mannschaften, Zuschauer und Medienvertreter dar - als Zeichen für die Anfertigung eines Berichts. Das Eintragen einer Disqualifikation in den Spielbericht gab es unabhängig von der Blauen Karte bereits vor der Regeländerung 2016.

Siebenmeter

Bei einem Foulspiel entscheiden die Schiedsrichter entweder auf Siebenmeter oder auf Freiwurf. Ein Siebenmeter wird einer Mannschaft dann zugesprochen, wenn es sich um die regelwidrige Verhinderung einer klaren Torchance handelt.

Dies ist auch dann der Fall, wenn ein Verteidiger in der Abwehraktion den Torraum betritt.

Während des Siebenmeters müssen die anderen Spieler mindestens neun Meter vom Tor entfernt sein. Der Torwart darf sich beim Siebenmeter an der Torwart-Grenzlinie (vier Meter vor dem Tor) positionieren. 

Freiwurf

Jedes Foul, das nicht direkt eine klare Torchance verhindert, zieht einen Freiwurf nach sich. Dieser wird normalerweise am Ort des Vergehens ausgeführt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Abstand zum Tor mindestens neun Meter beträgt. Das bedeutet: Erfolgt ein Foul innerhalb des Neun-Meter-Raumes, wird der Freiwurf auf der gleichen Höhe an der Freiwurflinie ausgeführt.

Im Gegensatz zum Siebenmeter, darf die verteidigende Mannschaft versuchen, den Freiwurf zu blocken, muss dabei aber einen Abstand von drei Metern einhalten.

- Wie darf der Ball gespielt werden?

Die Handballregeln besagen, dass der Ball mit Hilfe der Hände, Arme, Oberschenkel, Knie, des Rumpfs und des Kopfs gespielt werden darf. Dabei darf der Ball - auch wenn er auf dem Boden liegt - maximal drei Sekunden von einem Spieler gehalten werden.

Handball
Der Ball darf maximal drei Sekunden festgehalten werden © Getty Images

Den Ball mit dem Fuß oder dem Unterschenkel zu spielen, ist verboten.

Eine weitere Regel ist, dass der Spieler mit dem Ball höchstens drei Schritte gehen darf.

- Passives Spiel

Anders als beim Fußball ist es nicht erlaubt, den Ball im Spiel zu halten ohne erkennbaren Versuch, einen Angriff zu führen und ein Tor zu erzielen.

Das berühmte "Verwalten" oder ein Spiel zu verzögern, um Zeit zu schinden, ist nicht erlaubt. Es liegt jedoch im Ermessen des Schiedsrichters, wann dieser eingreift.

Dieser hebt daraufhin seinen Arm, um das Zeitspiel anzuzeigen. Danach bleiben der angreifenden Mannschaft nur noch sechs Pässe, um den Angriff abzuschließen. 

- Wann gibt es Anwurf, Abwurf oder Einwurf?

Anwurf:

Der Anwurf erfolgt zu Beginn einer Halbzeit und nach einem Tor. Damit der Schiedsrichter abpfeift, muss der ausführende Spieler mit einem Fuß die Mittellinie berühren. Die Gegner müssen drei Meter Abstand zu diesem Spieler halten.

Unmittelbar nach dem Anpfiff durch einen Unparteiischen dürfen die Spieler der angreifenden Mannschaft in die generische Hälfte laufen. Der Anwurf wird auch angepfiffen, wenn sich noch nicht alle Abwehrspieler wieder in ihrer eigenen Hälfte befinden.

Abwurf:

Zum Abwurf durch den Torwart kommt es, wenn der Ball die Torauslinie überschreitet oder im Torraum liegen bleibt. Auch nach einem Übertritt, also wenn ein Angreifer mit Ball den gegnerischen Torraum betritt, folgt ein Abwurf. 

Der Keeper darf den Abwurf im gesamten Torraum ausführen.

Einwurf:

Überquert der Ball die Seitenauslinie, erfolgt ein Einwurf. Der Spieler, der diesen ausführt, muss dabei mit einem Fuß auf der Linie stehen. Die Spieler des gegnerischen Teams müssen einen Abstand von drei Metern einhalten.

- Spielzeit, Verlängerung, Time-Out

Reguläre Spielzeit:

Ein Handballspiel dauert in der Regel 60 Minuten. Nach 30 Minuten gibt es eine zehn bis 15-minütige Halbzeitpause. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) wählt im Jugend-Bereich auch kürzere Spielzeiten.

Verlängerung:

Steht es bei Spielen, bei denen eine Entscheidung herbeigeführt werden muss (wie z.B. Turnieren oder im DHB-Pokal) nach der regulären Spielzeit unentschieden, gibt es eine Verlängerung. Nach einer Pause von fünf Minuten wird das Spiel wieder angepfiffen. Es folgt eine Verlängerung von zwei Mal fünf Minuten, mit einer Minute Pause dazwischen.

Sollte es danach immer noch unentschieden stehen, folgt eine zweite Verlängerung.

Steht danach kein Sieger fest, gibt es Siebenmeter-Werfen. Dabei werfen abwechselnd fünf Spieler pro Mannschaft einen Siebenmeter.

Sollte der Spielstand nach zehn geworfenen Siebenmetern unentschieden sein, erfolgt ein Sudden-Death. Es wird so lange geworfen, bis ein Spieler nicht trifft und das gegnerische Team ein Tor mehr erzielt hat.

Time-Out:

Das Time-Out steht für eine Spielunterbrechung. Der Schiedsrichter entscheidet, wann ein Time-Out erfolgt. Verbindliche Gründe für eine Unterbrechung des Spiels sind: Hinausstellung/Disqualifikation eines Spielers, Team-Time-Out, Pfiff vom Zeitnehmer oder eine notwendige Rücksprache zwischen den Schiedsrichtern. Auch in bestimmten anderen Situationen wie einer Verletzung oder der Notwendigkeit, den Hallenboden zu wischen können die Unparteiischen das Spiel unterbrechen.

Team-Time-Out:

Das Team-Time-Out dient den Mannschaften häufig, um ihre Spieltaktik zu besprechen oder den Spielfluss der generischen Mannschaft zu unterbinden. In der Bundesliga hat jede Mannschaft Anspruch auf insgesamt drei Team-Time-Outs von einer Minute Länge. Pro Halbzeit sind nur zwei Auszeiten möglich. In den letzten fünf Spielminuten der regulären Spielzeit erhält jedes Team nur ein Team-Time-Out.

Im Amateur-Bereich stehen jeder Mannschaft lediglich zwei Team-Time-Outs zur Verfügung, eines pro Halbzeit.

- Die Mannschaft

Eine Mannschaft darf aus bis zu 14 Spielern bestehen, wobei sich höchstens sieben Spieler auf dem Feld befinden dürfen. In der DKB Handball-Bundesliga dürfen seit der Saison 2017/18 sogar 16 Spieler pro Partie eingesetzt werden, ebenso in den beiden Ligen darunter.

Normalerweise befinden sich je sechs Spieler und ein Torwart auf dem Spielfeld. Der angreifenden Mannschaft ist es allerdings erlaubt, den Keeper auszuwechseln und für ihn einen siebten Feldspieler zu bringen. Dieser muss seit 2016 nicht mehr mit einem andersfarbigen Trikot als Torwart gekennzeichnet werden, darf aber auch nicht mehr die Aufgaben eines Torhüters, wie das Betreten des Torraums, erfüllen. 

Seit dieser Regeländerung kommt der siebte Feldspieler deutlich häufiger zum Einsatz. Bei Handball-Übertragungen im TV wird während dieser taktischen Maßnahme der Hinweis "leeres Tor" eingeblendet.

Spielerwechsel:

Eine Ein- bzw. Auswechslung der Spieler muss nicht beim Zeitnehmer oder Schiedsrichter gemeldet werden. Dabei muss der ausgewechselte Spieler zuerst das Spielfeld verlassen, bevor ihn ein anderer ersetzt. Ein Wechselfehler erfolgt, wenn der eingewechselte Spieler zu früh die Spielfläche betritt und wird mit einer Zwei-Minuten-Strafe sanktioniert.

Jeder Akteur darf beliebig oft aus- und eingewechselt werden. Das bringt den Vorteil mit sich, dass Spezialisten auch nur in der Offensive oder der Defensive eingesetzt werden können.

Der Torwart:

Beim Handballspiel darf der Torhüter den Ball mit jedem Körperteil abwehren. Hat er den Ball in der Hand, darf er den Torraum nicht verlassen.

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Beim Torwart gelten andere Regeln als bei den Feldspielern © Getty Images

- Das Spielfeld

Die Spielfläche beträgt 40 Meter, die Breite 20 Meter. Umschlossen wird das Feld von der Seitenaus- und der Torauslinie, die Mittellinie trennt es in zwei Hälften.

Die Tore

Das Tor muss in der Wand oder im Boden verankert sein.

Die Maße für die Tore liegen bei einer Höhe von zwei Metern und einer Breite von drei Metern.

Die Pfosten und die Latte müssen aus dem gleichen Material bestehen (Holz, Leichtmetall) und eine Breite von acht Zentimetern haben.

Der Torraum:

Als Torraum wird der Halbkreis vor dem Tor bezeichnet, der nur vom Torhüter betreten werden darf, und bis sechs Meter vor das Tor geht.

Tritt ein Angreifer vor oder beim Wurf in den Torraum, ist dieser Versuch nichtig und wird nicht gezählt.

Das ausführliche Regelwerk des DHB gibt es hier.

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