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München - Der europäische Handball hat Grund zur Freude, ein neuer TV-Vertrag spült jede Menge Geld in die Kasse. Was das für den Sport, Vereine und Fans bedeutet.

So viel Geld gab es im Handball noch nie.

Mindestens eine halbe Milliarde Euro spült der neue Medien- und Marketingvertrag in die Kassen der Europäischen Handballföderation EHF.

Sogar 600 Millionen Euro kann der Rekordvertrag, der seit Beginn des Jahres läuft, durch Klauseln einbringen. Ziel des Deals ist die Innovation des Handballs, gerade mit Blick auf ein digitales Angebot mit Fokus auf ein "jüngeres Publikum".

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Und auch für die Vereine und nationalen Verbände soll es dank der bereits im Mai 2018 geschlossenen EHF-Abmachung mit dem Rechtevermarkter Infront und dem Streamingdienst DAZN mehr Geld geben. Was der Zehnjahresvertrag für die deutschen Handballfans bedeutet, ist aber nur zum Teil klar.

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"Das ist ein Wendepunkt für unseren Sport und die EHF. Die neue Partnerschaft mit Infront und Perform wird die Zukunft des Handballsports auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene prägen. Nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch mit dem enormen Potenzial, das sie für zukünftiges Wachstum und Entwicklung mit sich bringt", erklärte EHF-Präsident Michael Wiederer den Vertrag.

Keine Chance gegen den Fußball

Für die Vereine soll sich der Rekordvertrag auszahlen. "80 Prozent der Einnahmen werden an die Klubs gehen, 20 Prozent erhält der Verband", kündigte der EHF-Präsident an.

Die Vereine würden damit rund viermal so viel Geld erhalten wie bisher. Dennoch sind (maximal) 600 Millionen Euro in zehn Jahren Peanuts im Vergleich zum Fußball.

Allein die Fußball-Bundesliga kassiert 1,36 Milliarden Euro aus den TV-Rechten - pro Jahr! Für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 erhofft sich die DFL sogar eine weitere Steigerung.

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Die UEFA kassiert für die Champions-League-Rechte von den bisherigen Rechteinhabern DAZN und Sky allein in Deutschland derzeit 200 Mio. Euro pro Saison. Ab 2021/22 sollen es dank der künftigen Rechteinhaber DAZN, Amazon und Sky sogar 320 Millionen Euro jährlich werden.

Bedenkt man, was weitere Länder wie England (470 Millionen pro Jahr), Spanien oder Italien für das "Premiumprodukt" Champions League bezahlen dürften, gehen die UEFA-Einnahmen weit in die Milliarden.

Dabei gar nicht aufgezählt sind die UEFA-Einnahmen für die Vermarktung der Europameisterschaft und die Europa League. Im EHF-Vertrag sind die Einnahmen dagegen für die Europameisterschaften, die Champions League, die weiteren Europapokal-Wettbewerbe sowie Beachhandball zusammengefasst.

Handball-Fans dürften sich über EM-Spiele freuen

Für die deutschen Handball-Fans sieht es bei den Europameisterschaften gut aus. Mindestens bis zum Heimturnier 2024 laufen die deutschen EM-Spiele ohne Zusatzzahlung im frei zu empfangenden Fernsehen. Die Agentur SportA hat von Infront/DAZN bereits die TV-Rechte für ARD und ZDF erworben.

Spiele der Handball-Champions-League werden wohl auch weiterhin im Pay-TV zu sehen sein
Spiele der Handball-Champions-League werden wohl auch weiterhin im Pay-TV zu sehen sein © Getty Images

Zusätzlich haben die öffentlich-rechtlichen Sender vom Handballweltverband IHF die WM-Rechte 2021, 2023 und 2025 gekauft.

Die Champions League wird hingegen mit großer Wahrscheinlichkeit auch zukünftig im Bezahlbereich laufen, so wie bis zum Ende der Saison beim Pay-TV-Sender Sky.

"Bei den Klub-Wettbewerben läuft der Vergabeprozess der Rechte", sagte Wiederer der Deutschen Presse-Agentur, "da werden Gespräche mit Sky genauso geführt wie mit allen anderen". Die Chancen auf Champions-League-Spiele im Free-TV erscheinen jedoch gering.

Rekordvertrag wird sich auszahlen

"Das ist nicht verpflichtend", sagte der EHF-Boss. "Wir wollen Qualität haben und brauchen Fläche", erklärte er, "wir brauchen eine große Abdeckung, und die ist für manche Sender schwer zu erreichen. Möglicherweise wird es zu Kombinationen kommen."

Wiederer brachte die ARD ins Spiel, die beim Handball bereits mit Sky kooperiert und einen gemeinsamen Bundesliga-Vertrag hat.

Den Rekorddeal insgesamt bezeichnet der Verbandschef als "Riesenschritt für die Entwicklung des europäischen Handballs". Es gehe dabei "nicht nur um das Geld, sondern auch um ganz neue Plattformen, auf denen Handball künftig gezeigt" werde. 

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