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Der THW Kiel triumphierte über die Rhein-Neckar Löwen
Der THW Kiel triumphierte über die Rhein-Neckar Löwen © dpa picture alliance
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Die Rhein-Neckar Löwen kassieren an ihrem skandalumwitterten Doppel-Spieltag zwei herbe Pleiten. Trotz Fokus auf die Liga geht auch der Kracher in Kiel verloren.

Die Rhein-Neckar Löwen haben sich im Termin-Tohuwabohu gründlich verpokert: An einem kuriosen Handball-Tag unterlag die erste Mannschaft des deutschen Meisters im Bundesliga-Topspiel beim THW Kiel, nachdem zuvor schon das B-Team seinen Champions-League-Ausflug zum polnischen Serienmeister KS Vive Kielce verloren hatte. Neben dem Rückschlag im Kampf um den Liga-Titel ist damit auch das Aus in der Königsklasse quasi sicher.

"Klar kann man sagen: Wenn man zweimal verliert, hätte man es vielleicht anders machen können", sagte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen nach dem klaren 22:27 (9:17) in Kiel, dem wegen der absurden Termin-Dopplung ein wochenlanger Streit vorausgegangen war: "Ich wünsche mir einfach, dass man künftig wieder mehr auf die Akteure hört und weniger auf die hohen Herren."

Schmid: "Sind die kompletten Idioten"

Die Löwen hatten für das Bundesliga-Topspiel extra ihr Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League abgeschenkt und die zweite Mannschaft nach Kielce geschickt, wo es mit einem 17:41 (8:21) die erwartet deutliche Pleite gab.

"Das war ein scheiß Tag für uns, ein scheiß Tag für den Verein und ein scheiß Tag für den Handball. Wir sind jetzt die kompletten Idioten. Dieser Tag wird nicht in die positive Geschichte des Klubs eingehen", sagte Löwen-Rückraumspieler Andy Schmid.

"Wir wollen deutscher Meister werden", hatte Löwen-Sportchef Oliver Roggisch noch vor der Begegnung in Kiel zu der Entscheidung des Vereins gesagt. Von diesem Willen war jedoch nicht viel zu sehen. Der Rekordmeister aus Kiel begann vor 10.280 Zuschauern in der ausverkauften Halle furios und lag nach 23 Minuten mit 12:4 in Führung, zur Pause stand es sogar 17:9. In der zweiten Halbzeit kamen die Löwen noch einmal auf vier Tore heran, schafften die Wende aber nicht mehr.

Füchse und Flensburg rücken an Löwen ran

In der Tabelle bleiben die Löwen mit 42:8 Punkten auf Platz eins, spüren aber die Füchse Berlin (40:10) und die SG Flensburg-Handewitt (40:12) im Nacken. Kiel bleibt mit 35:17 Zählern Sechster  (DATENCENTER: Die Tabelle).

Das Aus in der Champions League ist derweil wie erwartet so gut wie besiegelt. Das junge B-Team der Löwen schlug sich in Polen zwar tapfer, verlor aber deutlich. "Die Jungs können stolz sein. Sie haben sich so gut verkauft, wie sie konnten. Dass sie nicht mit zehn Toren verlieren, war uns auch klar", sagte Roggisch bei Sky: "Die Jungs werden später ihren Kindern erzählen, dass sie mal vor ausverkauftem Haus in der Champions League gespielt haben."

Die mit mehreren Teenagern angetretenen Löwen hielten sich beim Königsklassen-Sieger von 2016 besonders zu Beginn wacker, nach 14 Minuten hieß es "nur" 6:10. Die erste Mannschaft habe in Deutschland "am Handy mitgejubelt", so Roggisch. Anschließend setzte sich aber die ganze Klasse der Gastgeber durch. Bester Werfer der Löwen war der 20 Jahre alte Rico Keller mit fünf Treffern. Das Rückspiel findet am Ostersonntag (1. April) statt.

Die Handball-Bundesliga (HBL) hatte das Spiel ohne Rücksicht auf die Champions League angesetzt, auch weil sie sich durch die spielfreie Fußball-Bundesliga eine hohe TV-Quote versprach. Mehrere Kompromissversuche scheiterten.

Das Spiel im Stenogramm:

Rhein-Neckar Löwen 27:22 (17:9)
Tore: Ekberg (6/2), Bilyk (4), Wiencek (3), Santos (3), Nilsson (3), Vujin (3), Zarabec (2), Weinhold (2), Rahmel (1) für Kiel - Pekeler (4), Sigurdsson (4/2), Schmid (3), Petersson (3), Baena Gonzalez (2), Ekdahl du Rietz (2), Reinkind (2), Groetzki (1), Mensah Larsen (1) für die Rhein-Neckar Löwen
Zuschauer: 10.285

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