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Daniel Stephan über die Termin-Farce um die Rhein-Neckar Löwen
SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan nimmt die Rhein-Neckar Löwen in Schutz © SPORT1-Grafik: dpa Picture Alliance
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Die Rhein-Neckar Löwen gehen in mehrfachem Sinn als Verlierer aus dem Terminstreit. SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan erklärt, welche Folgen die Farce hat.

Liebe Handball-Freunde,

der Wirbel um die Terminkollision bei den Rhein-Neckar Löwen bedeutet einen erheblichen Imageverlust - für alle Seiten. Für die Löwen ist es nun auch nicht einfach, das Rückspiel gegen Kielce verkommt zur Farce.

Ich finde die Entscheidung aber konsequent und richtig, die Partie in Polen mit der zweiten Mannschaft bestritten zu haben. Zwar wäre es ein deutlicheres Zeichen gewesen, offen zu lassen, welches Team in welchem Wettbewerb antritt. So hätten sie beide Verbände unter Druck gesetzt. Aber ich habe vollstes Verständnis dafür, wie die Vereinsführung agiert hat.

Im ganzen Terminzoff muss man die Löwen in Schutz nehmen. Es waren die beiden Verbände HBL und EHF, die diesen Murks veranstaltet haben. Liga-Chef Frank Bohmann und EHF-Boss Michael Wiederer haben überhaupt kein Verhältnis zueinander. Das ist sehr schade für die Champions League und die Bundesliga.

Es ist unfassbar, dass so eine Terminkollision passieren konnte - und das gab es ja nicht zum ersten Mal. Aus ähnlichen vergangenen Fällen haben die Verbände nichts gelernt.

Mir fehlt das Verständnis dafür, dass die verantwortlichen Verbände keine entsprechende Lösung gefunden haben. Insgesamt sind beide Verbände nicht unschuldig, wobei die HBL die Situation ein wenig provoziert hat. Es ist verständlich, dass die HBL versucht, Sendezeit in der ARD zu bekommen, aber der Champions-League-Spielplan stand zuerst fest.

Es kann einfach nicht sein, dass die Vereine, in diesem Fall die Löwen, die Leidtragenden sind. Andererseits war es natürlich auch sehr unseriös und unmöglich, dass die EHF das Angebot der Löwen abgelehnt hat, auf Sonntag auszuweichen, um die Terminkollision zu verhindern.

Die Fronten sind auf Funktionärsebene sehr stark verhärtet - die Vereine stehen da zwischen den Verbänden. Eigentlich müssten die Verbände im Sinne der Vereine agieren. Das geschah in diesem Fall nicht und das ist sehr traurig für die Sportart Handball.

Um solche Streitigkeiten in Zukunft zu vermeiden, müssen die Verantwortlichen auf Augenhöhe kommunizieren und ihre Sturheit ablegen. So kann es nicht weitergehen.

Der Wirbel um die Terminkollision hat die Spieler der Rhein-Neckar Löwen offenbar beeinflusst. Darauf deutet der enttäuschende Auftritt in der ersten Halbzeit beim Bundesliga-Spiel in Kiel hin.

Im Vorhinein herrschte schon eine außergewöhnlich große Aufregung. Das ging an der Mannschaft sicher nicht spurlos vorüber. Mit einem Teil der Aufmerksamkeit waren sie bestimmt auch noch beim Spiel in Kielce, das die zweite Mannschaft kurz zuvor bestritten hatte. Da war es schwierig, den Fokus voll auf die Partie in Kiel zu legen. Das soll glaube ich keine Ausrede der Löwen sein, zumal Kiel eine Wahnsinns-Leistung gezeigt hat.

Durch die Niederlage beim THW ist beim Tabellenführer sicherlich moralisch ein kleiner Knacks entstanden. Sie waren mit dem Drumherum beschäftigt - und dann gehen sie in der ersten Halbzeit so unter. Das war enttäuschend, was sie da gespielt haben, insbesondere im Angriff ging sehr wenig. Der Druck nimmt im Hinblick auf den Kampf um die Meisterschaft zu, aber ich denke schon, dass die Löwen gefestigt genug sind, um die Situation zu überstehen.

Euer Daniel Stephan

SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.

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