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Daniel Stephan blickt auf den Titelkampf und die Rollen von Steffen Fäth, Hendrik Pekeler und Rasmus Lauge (v.l.n.r.)
Daniel Stephan blickt auf den Titelkampf und die Rollen von Steffen Fäth, Hendrik Pekeler und Rasmus Lauge (v.l.n.r.) © SPORT1-Grafik Davina Knigge: Imago
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München - SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan blickt voraus auf die neue Saison. Er erwartet einen spannenden Dreikampf um den Titel und prognostiziert seine Spieler der Saison.

Liebe Handball-Freunde,

die Bundesliga steht in den Startlöchern und ich rechne mit einer ähnlich spannenden Saison wie im vergangenen Jahr.

Gerade an der Spitze erwarte ich ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Meister Flensburg, den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel. Aber auch im Abstiegskampf wird es sicherlich heiß hergehen (Alle Infos zur neuen Handball-Saison).

Interessant zu sehen sein wird, wie Flensburg den Abgang einiger Leistungsträger verkraftet. Gerade Mattias Andersson im Tor ist in den letzten Jahren ein Weltklasse-Spieler und Rückhalt gewesen.

Dennoch hat Trainer Maik Machulla, der ohne Frage eine ausgezeichnete Arbeit leistet, eine intakte Mannschaft zur Verfügung. Dazu kommt der Rückenwind der – am Ende etwas überraschenden – Deutschen Meisterschaft. Daher traue ich Flensburg auch in diesem Jahr wieder zu, um die Meisterschaft mitzuspielen.

Selbiges gilt für die Löwen. Natürlich ist die Talfahrt, die im Aus in der Champions League und dem Verpassen der sicher geglaubten Meisterschaft gipfelte, nicht leicht zu verkraften. Doch dazwischen liegen mittlerweile zwei Monate Vorbereitung.

Außerdem ist Nikolaj Jacobsen ein vorzüglicher Trainer, der seine Mannschaft mit Sicherheit auf Vordermann bringen wird. Fakt ist aber auch, dass Hendrik Pekeler die Rhein-Neckar Löwen in Richtung Kiel verlassen hat. Da muss man erst einmal sehen, ob man das – vor allem in der Abwehr – kompensieren kann.

Im Angriff haben sie mit Steffen Fäth einen Spieler geholt, der Andy Schmid ab und an eine Pause ermöglichen kann. Das ist wichtig, denn gerade in der Endphase der letzten Saison hat man gesehen, dass Schmid der langen und intensiven Saison Tribut zollen musste und dann nicht mehr der Weltklasse-Spieler der letzten Jahre war.

Umso wichtiger ist daher, dass Fäth auch Spielanteile in der Mitte bekommt. Denn die Löwen brauchen einen ausgeruhten und fitten Andy Schmid, wenn sie wieder ganz oben angreifen wollen. Wenn er nicht funktioniert, wird es sehr schwierig. Das ist die Achillesferse der Löwen.

Beim THW bleibt dagegen abzuwarten, was Domagoj Duvnjak in dieser Saison im Stande ist zu leisten. Der Kroate ist der Schlüsselspieler bei Kiel. Nach seiner schweren Verletzung kam er in der letzten Saison nie wirklich zu 100 Prozent in Tritt. Er hat zwar auch gute Spiele gemacht, aber man konnte nicht erwarten, dass er kontinuierlich das Heft in die Hand nimmt. Findet er in der neuen Spielzeit wieder zu alter Form zurück, wird der THW auch wieder ganz oben mitmischen.

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Entgegen der Mehrzahl der Bundesliga-Trainer sehe ich die "Zebras" aber nicht als den Top-Favoriten und erwarte vielmehr einen Drei-, eventuell sogar einen Vierkampf um den Titel. Denn mit Berlin, Magdeburg oder Melsungen liegen bereits mehrere Teams in Lauerstellung.

Gerade die Füchse haben in der vergangenen Saison gezeigt, wozu sie im Stande sind. Besonders freue ich mich auf Neuzugang Wael Jallouz, der vom FC Barcelona kam. Er wird mit seiner Athletik und seinem knallharten Wurf auch mal die einfachen Tore aus der zweiten Reihe erzielen können. (SERVICE: Spielplan Handball-Bundesliga)

Die Qualität an der Tabellenspitze macht deutlich, dass die Bundesliga - entgegen der Meinung vieler - immer noch stark genug ist. Wir haben viele tolle Spieler in der HBL, auch auf Weltklasse-Niveau. Dazu zähle ich neben Schmid und Duvnjak auch Rasmus Lauge. Er ist ein Spieler, der auf einem ganz hohen Level spielen kann. Diese drei werden ganz heiße Kandidaten auf den Titel des Spielers der Saison sein.

Aus deutscher Sicht kommt an dieses Niveau momentan am ehesten wohl Hendrik Pekeler heran. Allerdings muss sich der 27-Jährige bei seinem zweiten Gastspiel in Kiel erst noch beweisen, nachdem seine erste Zeit beim THW eher enttäuschend verlief. Jedoch kann man den Pekeler von damals nicht mehr mit dem heutigen vergleichen. Er hat seitdem viele Schritte nach vorne gemacht, auch was die Persönlichkeitsfindung angeht.

Die neue Saison verspricht folglich auf vielerlei Ebenen spannend zu werden. Wir alle dürfen uns auf eine tolle HBL-Saison 2018/2019 freuen.

Euer Daniel Stephan

SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.

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