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München - Der Zoff zwischen Silvio Heinevetter und Bob Hanning polarisiert. Stefan Kretzschmar fühlt mit dem Keeper, kann die Entscheidung des Funktionärs aber verstehen.

Kaum ein Handball-Thema polarisierte in letzter Zeit so sehr wie die Streitigkeiten zwischen Füchse-Boss Bob Hanning und Torwart Silvio Heinevetter. Spätestens als sich Schauspielerin Simone Thomalla in die Angelegenheiten ihres Freundes einmischte, mutierten die gescheiterten Vertragsverhandlungen mehr und mehr zur Schlammschlacht.

Sky-Experte Stefan Kretzschmar (Füchse Berlin vs. THW Kiel heute ab 18.30 Uhr LIVE auf Sky) will sich im SPORT1-Interview auf keine der beiden Seiten schlagen.

"Es steht mir nicht zu, auf einer Seite zu stehen. Sicherlich habe ich ein intensiveres Verhältnis zu Silvio, aufgrund unserer gemeinsamen Vergangenheit in Magdeburg. Trotz allem weiß ich durch meine Position in Leipzig aber auch, dass man in verantwortlicher Position manchmal unpopuläre Entscheidungen treffen muss“., erklärte der Aufsichtsrat.

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Kretzschmar versteht beide Seiten

Grundsätzlich kann Kretzschmar beide Seiten verstehen. "Es geht um das Wie. Wenn man mit offenem Visier agiert und mit dem Spieler offen kommuniziert, wird der Spieler anfangs schwer schlucken und sicherlich enttäuscht sein", P.S. Das sind Vereine im umgekehrten Fall allerdings genauso , wenn ein wichtiger Spieler sich für eine Veränderung entscheidet. So ist das Business.“ ist sich der 46-Jährige sicher.

Dennoch glaubt Kretzschmar nicht, dass Heinevetter die Entscheidung von Bob Hanning, ihm keinen langfristigen Vertrag anzubieten, aktuell nachvollziehen kann. "Natürlich fühlt sich Silvio im Moment bestimmt ungerecht behandelt. Er ist seit Jahren das Gesicht der Füchse Berlin und ist es immer noch. Er hätte bestimmt gerne seine Karriere dort beendet", so der Sky-Experte.

Dieser Enttäuschung entspringen demnach auch die emotionalen Aussagen des Nationaltorhüters. "So eine erste Reaktion ist oft im Affekt und emotional nachvollziehbar. In einigen Jahren wird er das vielleicht anders sehen."

Heinevetter und Hanning nah beieinander

Die Rolle von Simone Thomalla sieht Kretzschmar dabei nicht allzu problematisch. "Für mich sind die Aussagen von Heinevetter und Hanning maßgeblich und die Meinungen der beiden über die Verhandlungen gehen nicht weit auseinander. Simone Thomalla ist eine eigenständige Persönlichkeit, die tun und lassen kann, was sie will. Das habe ich nicht zu bewerten", erklärte der frühere Magdeburg-Profi.

Dass Heinevetter seinen noch bis 2020 laufenden Vertrag bei den Füchsen nicht erfüllt, glaubt Kretzschmar nicht.

"Er hat einen Vertrag bis zu diesem Zeitpunkt. Beide haben sich offenbar ausgesprochen und sachlich über die Situation gesprochen", weiß der frühere Nationalspieler. Sollte nicht noch weiteres Öl ins Feuer gegossen werden, dürften beide Parteien an einem würdevollen Abgang interessiert sein.

Heinevetter hat große Bedeutung für Berlin

Denn trotz der Streitigkeiten hat der Keeper für die Berliner auch weiterhin eine große Bedeutung. "In den letzten Jahren hat Heinevetter jeden Euro seines Gehalts gerechtfertigt. Einerseits durch seine sportlichen Leistungen, aber auch durch seine eigene Popularität und die Partnerschaft mit Simone, die den Füchsen viel PR gebracht hat", ist sich Kretzschmar sicher.

Dass Hanning trotz Heinevetters Bedeutung für die Füchse entschieden hat, ihm keinen langfristigen Vertrag anzubieten, lässt sich im harten Handball-Business nicht vermeiden.

"Es gab viele Menschen in den vergangenen Jahren, die die Entscheidungen von Hanning nicht nachvollziehen konnten. Er trifft auch unpopuläre Entscheidungen und führt seinen Verein und den DHB autokratisch. Wenn man erfolgreich sein will, kann man meiner Meinung nach einen Verein, eine Firma, oder den DHB aber auch nicht demokratisch führen, weil wenn zu viele Menschen mitreden, bringt man nichts voran und es endet im Chaos", zeigt Kretzschmar Verständnis.

"Ein starker Partner, ein Regulativ, ist bei solch starken Persönlichkeiten hingegen allerdings positiv und produktiv.“

Melsungen gute Wahl

Auch wenn das Kapitel Silvio Heinevetter spätestens 2020 in Berlin ein Ende nimmt, mit Melsungen hat der Keeper eine gute Wahl getroffen. "Melsungen glaubt an ihn und das nicht ohne Grund. Abgesehen von seinem jahrelangen Lebensmittelpunkt und seinen Freundschaften hat er es nicht schlecht getroffen. Er wird gutes Geld verdienen und kann, angesichts des Budgets, um die Champions League mitspielen."

Spätestens dann wird an die Streitereien, die für Stefan Kretzschmar nichts anderes als "amüsant" sind, niemand mehr denken.

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