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Gummersbach ist erstmals abgestiegen
Enttäuschung nach Gummersbachs Abstieg © Picture Alliance
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Bietigheim-Bissingen und München - Der VfL Gummersbach steigt erstmals in die zweite Liga ab. Das Drama am letzten Spieltag ist der vorläufige Tiefpunkt eines schleichenden Niedergangs.

In den letzten Sekunden eines unbeschreiblichen Handball-Thrillers hatte der VfL Gummersbach sein Schicksal nicht mehr in den eigenen Händen.

Die bangen Blicke in Bietigheim waren nach dem 25:25 des VfL Richtung Ludwigshafen gerichtet.

Ein Unentschieden des direkten Konkurrenten hätte Gummersbach noch in der Liga gehalten. Doch 26 Sekunden vor der Sirene warf Kai Dippe die Eulen mit seinem Treffer zum 31:30 gegen GWD Minden zum Klassenerhalt - und stürzte Gummersbach ins Tal der Tränen. (Die Spiele zum Nachlesen im Ticker)

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"Die Bilder sprechen für sich, man sieht weinende Männer", sagte VfL-Trainer Torge Greve, der den erstmaligen Abstieg des Bundesliga-Dinos zusammengesunken am Torpfosten erlebte.

VfL-Trainer sprachlos - Brand leidet

"Es ist schwer, Worte zu finden", ergänzte Greve bei Sky. "Meine Mannschaft hat alles reingeworfen. Heute hat sie es gut gemacht. Die Spiele vorher, als die Mannschaft die Zitterhand bekommen hat, die tun jetzt weh."

Auch Vereinslegende Heiner Brand litt mit "seinem" VfL. "Es ist das eingetreten, was zu befürchten war. Aber man muss die ganze Saison sehen, der VfL ist nicht heute abgestiegen. Dennoch hätten wir auch mit dieser Mannschaft nicht absteigen müssen", sagte der 66-Jährige.

Zum ersten Mal nach 53 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit ist das einstige Schwergewicht des deutschen Handballs nur noch zweitklassig. (Spielplan und Ergebnisse)

Gummersbachs Niedergang

Die ruhmreiche Klub-Historie mit elf Europapokalsiegen und zwölf Meistertiteln half dem Traditionsverein am Pfingstsonntag im Existenzkampf der HBL auch nicht weiter. (Tabelle der HBL)

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Der erstmalige Absturz in die zweite Liga kommt dabei alles andere als überraschend. In den beiden vergangenen Spielzeiten wurde der Ligaverbleib als Tabellen-15. nur mit Ach und Krach gesichert, 2017 waren es gerade mal 19 Törchen, die den Altmeister in der HBL hielten.

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Auf den ersten Blick erinnert das Schicksal des tief gefallenen Traditionsklubs, der den deutschen Handball über Jahrzehnte im In- und Ausland geprägt hat, stark an das der Fußballer des Hamburger SV.

Parallelen zum Hamburger SV

Auch die Hanseaten galten in der Republik als letzte Dinos, bevor sie - um im Bild zu bleiben - am 12. Mai 2018 nach 55 Jahren und am Ende qualvollem Kampf ausstarben.

Dass der HSV die sofortige Rückkehr in die Bundesliga verpasste, zeigt wie schwer der Weg zurück sein kann.

Zumindest den Super-GAU mit dem drohenden Absturz in die Drittklassigkeit konnte der VfL abwenden. Die finanzielle Lücke im fünfstelligen Bereich konnte fristgerecht geschlossen werden, Ende Mai erteilte die HBL die Lizenz auch für die zweite Liga.

Brand: Müssen einige Dinge passieren

Dort müssten nun "einige Dinge passieren", sagte Brand, der seine gesamte Spielerkarriere sowie insgesamt sechs Jahre als Trainer beim VfL verbracht hatte.

"Man muss wirtschaftlich Ordnung reinbringen", ergänzte Brand und riet dem VfL, sich von seiner Historie freizumachen: "In der Handballwelt wird immer noch über den VfL Gummersbach geredet. Aber davon muss man sich lösen für einen Neuanfang. Trotzdem ist es ein großer Verlust für die Handball-Bundesliga."

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