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Daniel Stephan begleitet die Handball-EM der Männer als TV-Experte für SPORT1
Daniel Stephan begleitet die Handball-EM der Männer als TV-Experte für SPORT1 © SPORT1/Getty Images
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Vor dem Start der Handball-EM in Kroatien blickt SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan auf die Chancen der DHB-Männer und erklärt, warum die Mannschaft schwer auszurechnen ist.

Hallo Handball-Fans,

Christian Prokop hat mit seiner Kader-Nominierung für Aufsehen gesorgt und weiter Druck aufgebaut. Aber wenn er denkt, dass seine Philosophie durch diese Spieler besser zu vertreten ist, ist es legitim.

Im Gegensatz zum früheren Bundestrainer Dagur Sigurdsson lässt Prokop in der Deckung noch etwas aggressiver spielen. Man muss ihm jetzt bei der Europameisterschaft die Chance geben, seine Philosophie auch durchzusetzen. Er ist sicherlich noch akribischer als Sigurdsson und macht sehr viel Videostudium. Um sich abschließend ein Urteil erlauben zu können, müssen wir den Wettkampf abwarten.

Fakt ist, wir sind 2016 überraschend Europameister geworden. Sigurdsson hat die Mannschaft stabilisiert, hat sie nach vorne gebracht. Jetzt muss man sehen, wie es weitergeht.

Deutschland gehört sicherlich zum Favoritenkreis, aber dieser ist groß. Es gibt bis zu sieben Mannschaften, die um Medaillen spielen. Frankreich und Dänemark sehe ich dabei sehr weit vorne. Aber die deutsche Mannschaft kann es sich auf jeden Fall zum Ziel setzen, ins Halbfinale zu kommen.

Wir haben in der Breite einen qualitativ sehr guten Kader. Diese Ausgeglichenheit auf allen Positionen macht es sehr schwer, die deutsche Mannschaft auszurechnen.

Allerdings ist es vielleicht auch eine kleine Schwäche, dass wir nicht den Topstar haben, der in brenzligen Situationen die Verantwortung übernimmt und die anderen mitzieht. Es wird sich zeigen, ob man diesen braucht. Und vielleicht kristallisiert sich bei der EM auch jemand heraus, der die Mannschaft auch in schwierigen Situationen nach vorne führen kann.

Ein gutes Abwehrspiel inklusive Torhüter, um dann den Gegenstoß zu setzen, wird entscheidend sein. Und mit Silvio Heinevetter und Andreas Wolff hat Deutschland zwei ausgezeichnete Torhüter.

So machen sich die Bad Boys heiß auf die EM

Wir haben prinzipiell auch eine sehr gute Deckung, die sich nun neu orientieren muss. Auch wenn Finn Lemke nicht dabei ist, hat die deutsche Mannschaft tolle Abwehrspieler. Hendrik Pekeler hat sich zum Beispiel noch einmal ganz weit nach vorne entwickelt. Nun müssen die Jungs versuchen, einfache Tore durch Gegenstöße zu erzielen. Damit kann man die Gegner mürbe machen.

Eine Gefahr liegt jedoch darin, dass wir zu viele Spieler haben und somit zu viel gewechselt wird. Ich bin ein Freund davon, dass man die erste Sechs erst einmal eine Viertelstunde, zwanzig Minuten spielen lässt. So hat man ein Gerüst, auf dem man aufbauen kann.

Von der Einstellung und der kämpferischen Seite her sind wir aber immer top. Da muss keiner motiviert werden, um eine Europameisterschaft zu spielen.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Daniel

Handball-Experte Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.
Die EM der Männer begleitet er als TV-Experte für SPORT1.

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