So knacken wir Spanien
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Varazdin und München - Für die deutschen Handballer geht es gegen Spanien ums EM-Halbfinale. Ausgerechnet Kapitän Uwe Gensheimer, der eine Stütze sein sollte, sorgt für Fragezeichen.

"Ist das wirklich Uwe Gensheimer?" fragen sich derzeit viele Handball-Fans. Der 31-jährige Starspieler von Paris Saint-Germain ist bei der Handball-EM nicht wiederzuerkennen.

Ihm fehlen die Leichtigkeit und der Killerinstinkt, die ihn im Verein seit Jahren auszeichnen. Die Tormaschine stockt. Der Mann mit dem genialen Handgelenk wirkt gehemmt.

Und zeigt sich selbstkritisch.

"Ich weiß, dass ich noch nicht gespielt habe, wie ich es von mir gewohnt bin und es andere von mir gewohnt sind", sagte Gensheimer im ZDF-Interview. "Das tut ein Stück weit weh, aber ich werde nicht aufgeben, es zu probieren. Auch gegen Spanien."

Gensheimer kämpft für Titeltraum 

Soll sein großer Traum von einem Titel mit der Nationalmannschaft nicht schon in der Hauptrunde platzen, das weiß Gensheimer, dann muss im "Endspiel ums Halbfinale" gegen die Iberer (20.30 Uhr im LIVETICKER) eine Leistungssteigerung her. Auch und vor allem bei ihm.

Kaum Gefahr im Gegenstoß, schwache Wurfausbeute vom Siebenmeterpunkt, Wackler in der Defensive: Die bisherigen Vorstellungen Gensheimers bei der EM geben Rätsel auf.

Gegenstoß ein Problem der Bad Boys

Den lahmenden Gegenstoß hat Bundestrainer Christian Prokop als eines der Hauptprobleme des deutschen Offensivspiels ausgemacht. Obwohl die Abwehr inzwischen einen überragenden Job macht, fallen bislang kaum leichte Tore.

Ex-Weltmeister Florian Kehrmann bezeichnete in seiner Analyse den Konter als eine der größten Schwächen der deutschen Mannschaft aus. "Das größte Steigerungspotenzial sehe ich nach Ballgewinnen in der Abwehr. Die müssen wir besser nutzen, alle Spieler müssen mit mehr Tempo nach vorne laufen", sagte Kehrmann bei SPORT1.

Auch Prokop hat das Problem erkannt. "Gerade beim Thema Tempospiel müssen wir uns deutlich steigern, wenn wir eine Chance haben wollen", sagte Prokop mit Blick auf die Partie gegen Spanien - eine klare Ansage an Gensheimer und seine Teamkollegen.

Kritik vom Bundestrainer

Im Anschluss an die Partie gegen Dänemark (25:26) kritisierte Prokop Gensheimer sogar direkt.

"Ich war mit der Leistung auf Linksaußen nicht hundertprozentig zufrieden", begründete Prokop die frühe Auswechslung seines Kapitäns.

Nachdem er tags zuvor für viele überraschend den Kieler Rune Dahmke nachnominiert hatte, ließ er Gensheimer gegen Dänemark nach einer schwachen Anfangsphase fast die gesamte Partie auf der Bank schmoren. Dahmke bekam anschließend ein Sonderlob. (SERVICE: So kommt Deutschland ins Halbfinale)

Man hat den Eindruck, dass der neue Bundestrainer und Gensheimer noch nicht zueinander gefunden haben. Skeptische Blicke des Linksaußen in Auszeiten würden diese These unterstützen.

Gensheimer wehrt sich in der Süddeutschen Zeitung jedoch entschieden gegen eine solche Theorie: "Nach den Lippenlesern im Fußball gibt es jetzt Gesichtsausdruckleser im Handball. Das ist lächerlich."

Gensheimer verpasste das EM-Finale 2016

Gensheimers Geschichte mit der Nationalmannschaft ist seit jeher eine besondere. Seit seinem Debüt im Jahr 2005 ist der gebürtige Mannheimer immer mehr in die Rolle einer prägenden Figur im Team des Deutschen Handballbundes (DHB) gewachsen.

Doch ein Titel im Trikot mit dem Adler auf der Brust fehlt dem trickreichen Torjäger noch immer. Den EM-Titel 2016, den großen Triumph unter dem damaligen Coach Dagur Sigurdsson, musste Gensheimer verletzt von der Tribüne aus verfolgen.

Kein weiterer Nackenschlag 

Im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Frankreich war ihm unter schwierigsten Umständen erneut der große Coup verwehrt geblieben. Wegen des plötzlichen Todes seines Vaters reiste Gensheimer erst verspätet an. Das Aus im Achtelfinale gegen Katar war eine sportliche Enttäuschung.

Ein Nackenschlag, der sich in Kroatien nicht wiederholen soll.

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