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Wien - Iouri Chevtsov kennt Deutschland aus seiner erfolgreichen Vergangenheit. Mit Weißrussland kann er heute Deutschlaunds EM-Träume früh platzen lassen.

Iouri Chevtsov macht keinen Hehl daraus, dass die Partie gegen Deutschland am Donnerstag (Handball-EM: Deutschland - Weißrussland ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) keine ganz gewöhnliche ist.

"Sehr besonders" sei das Spiel aufgrund seiner Bundesliga-Vergangenheit. "Ich treffe auf alte Spieler, auf Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Aber wir sind jetzt auf verschiedenen Seiten."

Der frühere Trainer der SV Blau-Weiß Spandau, des TBV Lemgo, des TUSEM Essen und der Rhein-Neckar Löwen ist mit der weißrussischen Nationalmannschaft der erste Gegner der Deutschen in der Hauptrunde der Handball-EM und kennt vor allem einen Akteur noch gut: Uwe Gensheimer.

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Anschiss für Gensheimer

Zwischen 2005 und 2008 machte Chevtsov bei den Löwen Gensheimer zum gestandenen Bundesligaprofi und Nationalspieler.

"Er probiert immer, das Beste aus seinen Spielern herauszuholen - und da gibt es auch mal den einen oder anderen Anschiss", sagte Gensheimer am Mittwoch. Er habe "einiges abbekommen" – aber eben auch viel gelernt.

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Am Medientag liefen sich Förderer und Ex-Schüler über den Weg, tauschten sich aus und umarmten sich.

Chevtsov: "Uwe ist reifer geworden"

"Uwe ist reifer geworden im Vergleich zu der Zeit, als er bei mir war. Er überlegt ab und zu, was er macht", berichtet Chevtsov im Gespräch mit SPORT1.

Trotz Gensheimers bisher bisweilen wackligen Vorstellungen betont der erfahrene Coach: "Er ist ein erfahrener und sehr guter Spieler und kann eine Mannschaft immer nach vorne bringen."

Generell möchte Chevtsov die deutschen Leistungen nicht überbewerten. "Deutschland ist nicht angeschlagen. Sie sind nicht richtig ins Turnier reingekommen. Aber sie können sich immer steigern," warnte Chevtsov.

Seit 2009 fördert und fordert der 60-Jährige die Handballer seines Heimatlandes als Nationaltrainer. Und musste dort im Gegensatz zu seiner Zeit in der Bundesliga als gefeierter Meistercoach in Lemgo (1996 bis 2001), Europapokalsieger in Essen (2001 bis 2005) und bei den Löwen fast bei Null anfangen.

Wolff trifft Teamkollege

"Als ich gekommen bin, da war alles auf dem Boden", sagte er im Interview dem Mannheimer Morgen: "Es gab praktisch keine Nationalmannschaft, wir haben alles mit jungen Leuten aufgebaut und viel in die Jugend investiert."

Das hat sich gelohnt: Nach Rang 12 im Jahr 2014 und zwei 10. Plätzen bei den letzten beiden Europameisterschaften qualifizierte sich das frühere Handball-Entwicklungsland, das mit dem HC Brest regelmäßig einen Verein in der Champions League stellt, nun schon zum vierten Mal hintereinander für die Hauptrunde.

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Und nach Siegen in der Vorrunde gegen Serbien (35:30) und Montenegro (36:27) winkt die beste Platzierung seiner EM-Geschichte. Nun will die Mannschaft um Kreisläufer Artsem Karalek, der wie Andreas Wolff bei Vive Kielce spielt, auch für Deutschland zum Stolperstein werden.

"Wir werden richtig Kraft und Energie brauchen. Denn das ist eine Geschwindigkeitsmannschaft, die ein hohes Tempo anschlägt", sagte Christian Prokop.

Endspiel für Deutschland

Eine Niederlage zum Hauptrundenstart können sich Gensheimer & Co. nicht erlauben, soll der Medaillentraum weiterleben (Die Tabelle der Hauptrunde).

Denn im Gegensatz zu Spanien, Österreich und Kroatien geht man punktlos in den "Neustart". Zwei Tage später wartet das Kracherduell mit Kroatien, nur die ersten zwei Teams schaffen den Einzug ins Halbfinale (Handball-EM: Kroatien - Deutschland ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).

DHB-Vizepräsident Bob Hanning sprach nicht umsonst von einem "Endspiel".

"Wir müssen jetzt raus aus der Komfortzone und dürfen uns nicht hinter dem Zielgedanken verstecken. Die Spieler müssen jetzt ihre individuelle Stärke zeigen", forderte der 51-Jährige.

Dann ist Deutschland, das betonte auch Chevtsov, der Favorit. Doch der Trainerfuchs weiß auch: "Jedes Spiel ist eine eigene Geschichte."

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