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Reinhard Rauball legt im Streit um die deutsche Meisterschaft in der Handball-Bundesliga der Frauen nach. Rechtliche Schritte geht der BVB aber nicht.

Drei Tage nach der umstrittenen "Kein-Meister-Entscheidung" im Handball der Frauen brodelt es noch immer bei Borussia Dortmund.

"Ehrenmann" Reinhard Rauball legte im Titel-Zoff nun nach - und argumentierte mit der wichtigsten deutschen Schrift. "Wir haben ja nicht umsonst den Artikel 3 des Grundgesetzes, wonach alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind", moserte der BVB-Präsident bei Sky

Dass es bei den Männern einen Meister gebe und bei den Frauen nicht, sei ein "eklatanter Verstoß gegen Gleichbehandlung". Eine Rolle rückwärts der Handball Bundesliga Frauen (HBF) ist aber ausgeschlossen.

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"Nein", entgegnete Liga-Boss Andreas Thiel in der Bild-Zeitung auf die Frage, ob der BVB nachträglich noch zum Meister erklärt werden könnte: "Ich halte es für völlig unangebracht, in Zeiten wie diesen derlei Diskussionen zu führen." 

Der BVB hatte bis zum Abbruch der Saison mit einem Punkt Vorsprung auf den Rivalen SG BBM Bietigheim an der Tabellenspitze gelegen. Anders als der THW Kiel bei den Männern darf sich der BVB aber nicht Deutscher Meister 2020 nennen - für Rauball ein klares "Anzeichen der Diskriminierung". Der Verein habe aus der "ganzen Republik" auch aus anderen Sportarten Anrufe und Schreiben bekommen, "die das überhaupt nicht verstehen können", sagte Rauball. 

BVB verzichtet auf rechtliche Schritte

Trotzdem will der Verein, für den es die erste Meisterschaft gewesen wäre, keine rechtlichen Schritte gegen die Entscheidung der HBF einleiten. "Wir führen keine Prozesse, um Meister zu werden, aber um auf Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung hinzuweisen, dazu besteht Veranlassung", betonte Rauball. 

Die HBF hatte ihre Entscheidung damit begründet, dass zum Zeitpunkt des Abbruchs "noch fast ein Drittel der Saison zu spielen war" und auch das direkte Duell zwischen Bietigheim und Dortmund noch ausgestanden hatte. Die Handball Bundesliga der Männer (HBL) hatte Kiel auf Basis der Quotientenregel zum Meister ausgerufen - und war damit der Empfehlung des Deutschen Handballbundes (DHB) gefolgt. 

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Thiel verteidigte am Freitag erneut die HBF-Entscheidung. "Damit befinden wir uns aber auch in guter Gesellschaft: Die Eishockey- und die Volleyball-Bundesliga oder internationale Ligen wie in Schweden oder im Baltikum haben sich auch dagegen entschieden, einen Meister zu proklamieren", sagte der ehemalige Torhüter und ergänzte: "Ich habe da nirgendwo gelesen, dass ich einen Meister benennen muss." 

"Wäre ich ein Mann ... "

Die BVB-Spielerinnen hatten ihrem Ärger auf subtile Weise Luft gemacht. Auf Instagram posteten die Handballerinnen um Nationaltorhüterin Isabell Roch Bilder von sich mit künstlichen Bärten und dem Spruch: "Wäre ich ein Mann, wäre ich jetzt deutscher Meister."

Dass Präsident Rauball derart lautstark protestiert, schätzte Roch sehr. "Er ist ein Ehrenmann für uns und unterstützt uns im Frauenhandball", sagte die Torfrau im Eurosport-Podcast Extra Time. Eine Kehrtwende im Titel-Zoff ist dennoch nicht zu erwarten.

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