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SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan glaubt an einen Kampf auf Augenhöhe zwischen Deutschland und Dänemark
SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan glaubt an einen Kampf auf Augenhöhe zwischen Deutschland und Dänemark © SPORT1-Grafik: Getty Images
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SPORT1-Kolumnist Daniel Stephan blickt auf die Chancen der DHB-Frauen im WM-Achtelfinale voraus. Dabei gilt es die Niederlage gegen Holland aus den Köpfen zu bekommen.

Hallo Handball-Fans,

der Gruppen-Showdown bei der Heim-WM gegen die Niederlande war eine große Ernüchterung. Die Mädels sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Was wir in den vorherigen Spielen gut gemacht hatten - leidenschaftliche Deckungsarbeit, Aggressivität - das war überhaupt nicht vorhanden. Vorne haben wir mit einfachen technischen Fehlern die Niederländerinnen zum Gegenstoß eingeladen. Bereits nach einer Viertelstunde konnte man sehen, dass nichts zu holen ist.

Auch der Glaube an sich selbst hat gefehlt. Wir konnten uns auf niemanden verlassen. Nadja Mansson, Alicia Stolle, Angie Geschke und Clara Woltering haben Normalform gebracht, aber alle anderen sind weit unter ihren Möglichkeiten geblieben. Gerade die einfachen Fehler werden in der Weltspitze nicht verziehen. So kam es zu diesem Blackout.

Nun besteht die Kunst darin, das Spiel zu vergessen. Da sind Bundestrainer Michael Biegler und Wolfgang Sommerfeld gefordert. Sie müssen die Frauen psychologisch wieder auf Vordermann bringen. Denn der Schock sitzt tief. Wenn sie aber in das Achtelfinalspiel gegen Dänemark (ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) gut hineinkommen, ist auch das Selbstvertrauen wieder da. Ich glaube, dass die Mannschaft eine gute Chance gegen Dänemark hat, wenn sie die Niederlage gegen Holland abschütteln kann.

Im Video: Deutschland kommt unter die Räder

Das Achtelfinale ist nun ein K.o.-Spiel und hat damit andere Voraussetzungen. Wenn man das gewinnt, redet keiner mehr von dem schlechten Spiel gegen die Niederlande.

Gegen die Däninnen müssen die Frauen versuchen, wieder geschlossen aufzutreten, mit Überzeugung in die Zweikämpfe zu gehen und nach vorne auch in die Tiefe und nicht nur in die Breite zu spielen. Insgesamt gilt es, mehr Druck auf die gegnerische Deckung zu erzeugen. Zudem muss man die technischen Fehler minimieren, sonst haben wir kaum Chancen weiterzukommen.

Die Däninnen spielen einen sehr schnellen Handball, machen aber teilweise Fehler, die Deutschland voll ausnutzen kann. Die Mädels sollten sich aber nicht zu sehr auf Dänemark fokussieren, sondern mehr auf die eigene Leistung schauen.

Aufbauen kann die Mannschaft dabei - auch wenn es im letzten Spiel nicht so gut funktioniert hat - auf ihre Deckung. Torhüterin Katja Kramarczyk spielt eine hervorragende WM und auch Woltering hat gut gehalten. Eine leidenschaftliche Abwehr und viel Körperkontakt waren bislang die Trümpfe der deutschen Mannschaft und daran sollte man festhalten.

Nun hoffe ich, dass die deutsche Mannschaft gegen Dänemark an ihre Leistungsgrenze geht. Das ist ein Kampf auf Augenhöhe, aber wir haben gute Chancen, ihn zu gewinnen.

Bis zum nächsten Mal,
Euer Daniel

Handball-Experte Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.
Die WM der Frauen begleitet er als TV-Experte für SPORT1.

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