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Christian Schwarzer (l.) analysiert die Lage in der HBL
Christian Schwarzer (l.) analysiert die Lage in der HBL © SPORT1-Montage: Florian Hajra/GettyImages/iStock
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München - Die Handball-Bundesliga ist in dieser Saison spannend wie lange nicht. Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer analysiert die Gründe und erklärt, worauf er hofft.

Fassungslos schauten die Spieler der SG Flensburg-Handewitt nach dem Aus gegen den TSV Hannover-Burgdorf im Viertelfinale des DHB-Pokals ins Nichts.

Nachdem der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen tags zuvor gerade noch so ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Pokal verhindern konnten, ging der aktuelle deutsche Meister vor heimischer Kulisse deutlich mit 20:26 gegen die Niedersachsen unter.

Bereits eine Woche zuvor hatte die SG in der Liga gegen den ungeschlagenen Überraschungstabellenführer von der Leine verloren und rangiert dort nach sieben Spieltagen - mit einem Minuspunkt mehr (5) als in der gesamten Vorsaison - nur auf einem enttäuschenden sechsten Platz. (Tabelle der HBL)

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Dabei spiegeln die Ergebnisse unter der Woche genau das wieder, was sich in der Liga bereits seit dem Saisonstart abzeichnet: Die Dominanz der großen Drei bröckelt – und zwar gewaltig.

Auch Kiel und Löwen schöpfen volles Potenzial nicht aus

"Dass die Spannung da ist und sich Mannschaften nicht wieder direkt von Anfang an absetzen, ist für die HBL natürlich richtig, richtig gut. Ich bin gespannt, wie lange sich Hannover noch da oben halten kann", fasst Christian Schwarzer, Handball-Weltmeister des Jahres 2007, die Situation im SPORT1-Interview zusammen.

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Auch die Zebras und die Löwen haben es in der laufenden Spielzeit noch nicht geschafft, ihr Potenzial komplett auf die Platte zu bringen, stattdessen mischen Teams wie Hannover, die Füchse Berlin oder SC DHfK Leipzig die Liga auf.

"Ich habe bereits vor der Saison gesagt, dass es wahrscheinlich wieder ein Überraschungsteam geben wird. In Flensburg sieht man jetzt vielleicht ein bisschen, dass man die Abgänge von Rasmus Lauge und Tobias Karlsson nicht ganz kompensieren konnte. In Kiel ist man dabei, dass Filip Jícha seine Philosophie umsetzen kann, aber auch das dürfte noch Zeit brauchen. Und auch die Löwen haben einen neuen Trainer", erklärt Schwarzer die Schwierigkeiten bei den Topklubs.

Schwarzer hofft, dass Hannover nicht einbricht

Bereits in der Vorsaison hatte der SC Magdeburg einen Traumstart hingelegt und musste erst im achten Spiel die erste Niederlage hinnehmen. Am Ende reichte es dennoch nur zum dritten Platz hinter Flensburg und Kiel.

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Wie lange können Hannover und Co. den Titelkampf in dieser Spielzeit offen halten? Wenn es nach Christian Schwarzer geht, möglichst bis zum Ende.

"Ich hoffe natürlich, dass Hannover dieses Niveau lange halten kann. Die ganze Situation spielt aktuell aber so ein bisschen dem THW Kiel in die Karten. Flensburg hat schon fünf Minuspunkte, die Löwen sind aber noch gut dabei. Deshalb muss man einfach abwarten, wie sich das alles entwickelt", so Schwarzer.

Meisterrennen in Handball-Bundesliga offen wie lange nicht mehr

Acht Jahre ist es inzwischen her, dass mit dem HSV Hamburg ein anderer Klub außer Kiel, Flensburg oder den Löwen Meister wurde. Die Chance, diese Dominanz zu durchbrechen, erscheint aktuell so groß wie schon lange nicht mehr. "Die anderen Mannschaften haben aufgeschlossen, machen einen besseren Job und daher ist jetzt alles so eng", meint Schwarzer.

Neben Hannover, Berlin und Leipzig zeigen sich aktuell auch die HSG Wetzlar und die MT Melsungen in bestechender Form. Gerade den Hessen bescheinigt der Ex-Profi "rein von der nominellen Besetzung" ein "Top-Team" zu sein. 

Für Hannover-Burgdorf spricht zudem, dass man im Gegensatz zu den Top-Teams keine Doppelbelastung durch Champions League bzw. EHF-Cup hat und sich folglich voll auf die Meisterschaft konzentrieren kann.

Die Spieler aus Hannover schwimmen aktuell auf einer Erfolgswelle
Die Spieler aus Hannover schwimmen aktuell auf einer Erfolgswelle © Getty Images

"Es wird interessant zu sehen sein, wie die zweite Saisonhälfte nach der EM verläuft", freut sich Schwarzer deshalb auf einen spannenden Saisonverlauf.

Schwarzer: "Jeder kann jeden schlagen"

Dennoch macht er auch klar, dass er nicht sicher ist, "ob man die Spannung von letzter Saison noch einmal toppen kann". Damals waren die Entscheidungen im Meisterrennen und im Abstiegskampf jeweils erst am letzten Spieltag gefallen.

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"Im Moment deutet es sich zumindest an, dass gleich mehrere Teams um den Titel spielen können und es auch im Abstiegskampf spannend zugehen wird. Die Ausgeglichenheit in der Liga ist einfach schön, denn im Endeffekt kann jeder jeden schlagen", sagt der 49-Jährige.

Und ganz egal wer am Ende der Spielzeit ganz oben stehen wird, die Handball-Fans erleben schon jetzt eine der spannendsten Spielzeiten seit langem.

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