vergrößernverkleinern
In der Kritik: Christian Prokop (l.) und Bob Hanning
Bob Hanning (r.) und Bundestrainer Christian Prokop stehen beim DHB vor dem Aus © Imago
teilenE-MailKommentare

Der DHB will am Montag die Konsequenzen aus dem EM-Debakel mitteilen. Bei einem Aus für Bundestrainer Prokop ist auch der Rücktritt von Bob Hanning wahrscheinlich.

Doch noch zweite Chance oder kompletter Neuanfang mit ganz großem Stühlerücken: Wenn am Montag beim Handball-Gipfel die Entscheidung in der Personalie Christian Prokop fällt, geht es um weit mehr als die Zukunft des Bundestrainers.

Denn sollte das zehnköpfige DHB-Präsidium nach seiner Sondersitzung im "Maritim Airport Hotel" (alle Entwicklungen JETZT im LIVETICKER) in Hannover den Daumen senken, schmeißt wohl auch Bob Hanning hin.

Nach Informationen von t-online.de hat der Verbandsvize im Falle eines Prokop-Abschieds gegenüber mehreren Spielern und Präsidiumsmitgliedern des DHB einen möglichen Rücktritt angekündigt.

Zur Erinnerung: Hanning, seit 2013 Vize-Präsident des DHB, hatte Prokop 2017 für eine Rekordablöse von einer halben Million Euro von Bundesligist DHfK Leipzig zum DHB geholt und ihn mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet.

Holt Hanning Prokop zu den Füchsen?

Und: Wie das Nachrichtenportal unter Berufung auf DHB-Kreise weiter berichtet, soll Hanning sogar planen, Prokop als Trainer zu den Füchsen Berlin zu holen. Hanning ist neben seiner Rolle beim DHB seit 2005 Geschäftsführer beim Bundesligisten.

So oder so: Der DHB steht elf Monate vor der Heim-WM am Scheideweg. Gegen 16 Uhr soll am Montag die Entscheidung über Prokops Zukunft verkündet werden.

Zwar ist offiziell von einer "ergebnisoffenen Diskussion" die Rede, doch die Zeichen stehen dreieinhalb Wochen nach dem ernüchternden Hauptrunden-Aus bei der EM auf Trennung. "Christian Prokop zu halten – das ist überaus schwierig", sagte Liga-Präsident Uwe Schwenker den Lübecker Nachrichten.

Der mächtige Funktionär ist Sprachrohr der HBL und hat in den vergangenen Wochen mit Prokop, Spielern, Trainern und Managern der Bundesligisten gesprochen. "Ich habe mir ein umfassendes Meinungsbild verschafft."

Das Ergebnis: Schwenker spricht nach wie vor von "atmosphärischen Störungen" zwischen der Mannschaft und Prokop. Sollte Prokop sein Amt behalten, würden dem Vernehmen nach wohl einige Nationalspieler unter ihm nicht weitermachen wollen.

Über mögliche Nachfolger wurde bislang noch nichts bekannt, allerdings wäre ein Coach, der schon im Vorjahr zum Kandidatenkreis bei der Bundestrainersuche gezählt hatte, inzwischen gänzlich frei: Bundesligist TVB Stuttgart trennte sich am Sonntag von Cheftrainer Markus Baur, der 2017 neben Prokop zu den Top-Favoriten auf die Nachfolge von Dagur Sigurdsson gegolten hatte.

Baur blickt zudem bereits auf eine Vergangenheit beim DHB zurück, war von 2012 bis 2016 Junioren-Trainer.

"Tut extrem weh!" Bad Boys am Boden zerstört

Mehrheit stellt sich gegen Prokop

Prokop jedenfalls scheint nur noch schwerlich im Amt zu halten zu sein. t-online.de spricht gar von einem derart zerrütteten Verhältnis zwischen Coach und Mannschaft, dass sich die Mehrheit der DHB-Akteure bei internen Gesprächen zur Aufarbeitung des schlechten EM-Abschneidens gegen Prokop gestellt habe.

Hintergrund ist demnach die Nichtnominierung und spätere Nachnominierung von Abwehrchef Finn Lemke, aber auch das System Prokops und der Umgang des Trainers mit der Mannschaft. Der Coach sei unsicher und zu hektisch, lauten weitere Vorwürfe.

Hanning wirbt dennoch für ein Festhalten an Prokop. "Er hat alle Fehler eingeräumt, analysiert, ist zu den Spielern gefahren. Er hat alles getan. Jetzt geht es um die Frage: Trauen wir es ihm zu? Oder nicht?", sagte der DHB-Sportchef, der Prokop vor einem Jahr als seinen Wunschkandidaten gegen etliche Widerstände durchgeboxt.

Hanning: "Ich kann nicht mehr"

Hanning selbst, das ist kurz vor der Entscheidung am Montag durchgesickert, verknüpft das Schicksal Prokops mit seinem eigenen. Folgt das Präsidium der für ihn "unverhandelbaren" olympischen Gold-Mission 2020 mit Prokop nicht mehr, wird auch er seinen Posten räumen.

Die schwache EM und die in den folgenden Wochen "bewusst geschürten Anschuldigungen", dass er Prokop los werden wolle, haben ihm zugesetzt. "Das ist alles haltlos, da wird Politik gemacht", sagte Hanning den Lübecker Nachrichten: "Ich kann nicht mehr."

Und so wird die Entscheidung in der Causa Prokop plötzlich zu einer richtungweisenden für eine ganze Sportart. Ein Abgang des streitbaren Hanning hinterließe zweifelsohne eine große Lücke. Seit 2013 lenkt er die sportlichen Geschicke beim weltweit mitgliederstärksten Handballverband und führte den DHB neben dem EM-Titel 2016 unter Dagur Sigurdsson auch wirtschaftlich zurück in die Weltspitze.

Prokop selbst ist unmittelbar vor dem High Noon in Hannover auf Tauchstation gegangen. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt ließ er aber keinen Zweifel an seinem festen Willen, das deutsche Team auch auf die Heim-WM im kommenden Jahr vorzubereiten: "Ich möchte diese Aufgabe weitermachen. Ich traue es uns auch gemeinsam zu.

teilenE-MailKommentare