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München - Durch die Entlassung von Christian Prokop verliert der DHB an Glaubwürdigkeit. Die Entscheidung pro Alfred Gislason ist aber nachvollziehbar. Der SPORT1-Kommentar.

Der Deutsche Handball-Bund gibt aktuell ein klägliches Bild ab.

Noch vor zwei Wochen erklärten Sportvorstand Axel Kromer und Vizepräsident Bob Hanning unisono, dass der DHB "natürlich" mit Christian Prokop in Richtung Olympia gehen werde.

Diese Worte wirken mit der Trennung von Christian Prokop am Donnerstag im Nachhinein nahezu grotesk.

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Entscheidung für Gislason richtig, aber...

Dabei ist die Entscheidung rein sportlich erklärbar und auch vertretbar. Deutschland verpasste bei allen drei Turnieren unter Prokop das angepeilte Ziel, der Job des Bundestrainers schien nie wirklich passend für den Handball-Fachmann.

Und mit Alfred Gislason steht ein Mann parat, dessen Expertise seinesgleichen sucht und der mit seiner Erfahrung und seinem Know-how auch in kurzer Zeit in der Lage sein sollte, dem deutschen Team den erhofften Impuls für die Spiele in Tokio zu geben.

Die Chance auf den Isländer konnte sich der DHB fast nicht entgehen lassen - wenn da nicht die Posse um Prokop wäre, die, um im Bild zu bleiben, alles andere als olympiawürdig ist.

Fragwürdige Aussagen von Hanning 

Der deutsche Vorstand wirkt erst recht chaotisch, wenn man bedenkt, dass Prokop nicht nur eine Jobgarantie ausgestellt wurde.

Nein, zudem wurde eine Medienschelte betrieben, als sich die Pressevertreter erlaubten, Hannings Aussage, das Hauptrundenspiel gegen Österreich nach dem verpassten Halbfinaleinzug werde zeigen, "was die Mannschaft mit ihrem Trainer macht", als eine Art Ultimatum zu verstehen.

Eine keineswegs an den Haaren herbeigezogene Interpretation, wie übrigens auch Hanning selbst später einräumte.

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Entweder war Prokops Stuhl doch schon während des Turniers angesägt, oder die "ausführliche interne Analyse", die Hanning und Co. immerhin angekündigt hatten, hat zu einem radikalen Umdenken geführt.

So oder so: Die Glaubwürdigkeit des Verbandes hat massiv gelitten, immerhin sprachen die Verantwortlichen am Freitag selbst von einer "mehr als unglücklichen Außendarstellung".

DHB droht großer Imageschaden

Menschlich ist das Handeln des DHB allemal fragwürdig – zumal die zügige Benennung Gislasons zeigt, dass sich das DHB-Präsidium längst mit dem 60-Jährigen beschäftigt hat. Der Umgang mit Prokop war schlechter Stil.

Gislason tritt nun eine Mammutaufgabe an, die er eigentlich nur mit dem Olympia-Gold, mindestens aber einer Medaille meistern kann. Denn das war und ist das von Hanning ausgerufene Ziel.

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Gislason ist das zuzutrauen. Sitzt der Schuss des DHB aber nicht, gibt es am Ende nur Verlierer. Ein weiteres Köpferollen wäre unvermeidbar, schon das Scheitern Prokops ist auch ein Stück weit ein Scheitern Hannings.

Der (selbst verschuldete) Imageschaden für den deutschen Handball wäre nur gut ein Jahr nach der begeisternden Heim-WM beträchtlich.

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