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Hamburg - Norwegen will das deutsche WM-Märchen beeenden - mit Tempo-Handball und einem Superstar von Paris Saint-Germain. SPORT1 stellt die Norwegen vor.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft trifft im Halbfinale der WM auf Norwegen (Handball-WM: Deutschland - Norwegen am Freitag ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).

Christan Schwarzer spricht in seiner SPORT1-Kolumne von einer "sehr starken und gefährlichen Mannschaft", auch Holger Glandorf freut sich im SPORT1-Interview auf ein "Duell auf Augenhöhe".

Doch wie spielen die Norweger? Wer ist der Star? SPORT1 stellt Deutschlands Hindernis zum Final-Traum vor.

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Wer ist der Star?

Aus einer starken Mannschaft ragt ein Mann heraus: Sandor Sagosen.

"Super-Sagosen", wie das norwegische Boulevardblatt VG den Starspieler nennt, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Der Teamkollege von Uwe Gensheimer bei Paris Saint-Germain setzt die gefährlichen Außen wie Magnus Jöndal (SG Flensburg-Handewitt/46 Tore) immer wieder kreativ ein und ist mit 42 Toren der zweitbeste Werfer seiner Mannschaft (Spielplan der Handball-WM 2019).

Sagosen sei ein Spieler, "der versucht, alles zu regeln und das Spiel an sich reißt", sagte Schwarzer. Es sei aber falsch, Norwegen nur auf Sagosen zu reduzieren, sagte Bundestrainer Prokop.

Wer ist der Trainer?

Christian Berge ist in Deutschland bestens bekannt. Zwischen 1999 und 2006 lief der heute 45-Jährige für die SG Flensburg-Handewitt auf, meist auf der Spielmacherposition im Rückraum.

Die Entwicklung unter Berge in den vergangenen Jahren ist spektakulär. Binnen drei Jahren führte er seine Nation nun schon zum dritten Mal bei großen Turnieren ins Semifinale. 2016 scheiterte Norwegen erst nach Verlängerung am späteren Europameister Deutschland.

Bei der WM 2017 war erst im Endspiel Gastgeber Frankreich eine Nummer zu groß. Bundestrainer Christian Prokop lobte Berge als "ausgewiesenen Fachmann und Kenner der Szene".

Wer spielt in der Bundesliga?

Satte zehn Bundesliga-Profis versammelt Berge in seinem Kader.

Die Keeper Espen Christensen (GWD Minden) und Torbjorn Bergerud (SG Flensburg-Handewitt) sowie Petter Overby (HC Erlangen), Jondal, Goran Johannessen, Magnus Rod (alle Flensburg), Kristian Bjornsen (HSG Wetzlar), Magnus Gullerud (GWD Minden), Christian O'Sullivan (SC Magdeburg) und der nachnominierte Harald Reinkind vom THW Kiel.

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Mindens Kevin Gulliksen wurden inzwischen aus dem Kader gestrichen. Mit Bjarte Myrhol ist der ehemalige Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen, der erfolgreich den Krebs besiegt hat, Kapitän.

Wie endeten die letzten Duelle?

Im Juni kassierte Deutschland im Test gegen Norwegen eine klare 25:30-Pleite. Damals ragte Sagosen mit sieben Treffern heraus. Im EM-Halbfinale 2016 hatte Deutschland beim 34:33 nach Verlängerung das bessere Ende für sich.

Wie spielt Norwegen?

Deutschland muss sich auf Tempo-Handball einstellen. "Sie sind stark im Eins-gegen-eins, spielen sehr, sehr schnell nach vorne", sagte Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer.

Norwegen setzt auf eine klassische 6:0-Deckung und schnelle Gegenstöße. "Norwegen ist eine Mannschaft, die viele Tore im Umschaltverhalten macht. Sie haben zwei sehr treffsichere Außen", sagte Prokop.

Sagosen ist die prägende Figur, insgesamt sind die Norweger aber "ähnlich gestrickt wie wir", so Glandorf: "Sie kommen auch über das Team."

Gensheimer betont: "Bei der Abwehrleistung, die wir bisher gezeigt haben, brauchen wir uns vor denen auch nicht verstecken."

Wie stark sind die Torhüter?

Mindens Espen Christensen spielt bislang ein bärenstarkes Turnier.

Mit 42 Prozent abgewehrten Würfen ist der 33-Jährige bislang der statistisch beste Torhüter des Turniers. Andreas Wolff hat zwar 16 Paraden mehr auf dem Konto, kommt aber "nur" auf 36 Prozent und ist damit Achter.

Christensens Ersatzmann Bergerud hat mit 32 Prozent die gleiche Quote wie Silvio Heinevetter.

Was sind die Schlüssel zum Sieg?

Berge will "sehr viel laufen". Das norwegische Team müsse sich stetig bewegen und damit auch die deutsche Abwehr zum Laufen bringen und sich nicht in Eins-gegen-Eins-Situationen verzetteln.

Deutschland will sich auf sein eigenes Spiel konzentrieren, sprich auf Teamplay und das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter. "Wir werden unsere Stärken morgen ausspielen", kündigte Prokop an: "Orientierung an uns ist ganz wichtig."

Schwarzer rät, sich an Dänemark ein Vorbild zu nehmen. Die Dänen hätten gegen Sagosen "ein gutes Mittel gefunden. Sie haben ihn fast komplett aus dem Spiel genommen, konnten sich zwischenzeitlich sogar eine Neun-Tore-Führung erarbeiten." Daher werde es wichtig, Sagosen "gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Damit können wir der gesamten Mannschaft den Zahn ziehen."

Dänen-Star Mads Mensah Larsen prognostiziert: "Wenn Deutschland es schafft, gut zurückzulaufen, gewinnen sie", sagte der Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen bei SPORT1: "Wenn Norwegen Erfolg hat mit den Gegenstößen, wird es schwierig für Deutschland."

Im Angriff hat Deutschland noch Steigerungspotenzial. "Ich hoffe, dass wir noch eine Schippe drauflegen können", meinte Glandorf. Ein Pluspunkt bleibt dem deutschen Team: Zum letzten Mal genießt die DHB-Auswahl Heimspiel-Atmosphäre.

"Das wird eine ganz enge Kiste, allerdings sehe ich aufgrund des Publikums kleine Vorteile bei uns", sagte Glandorf.

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