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Hamburg und München - Martin Strobel spielt in der 2. Liga. Er und Teamkollege Groetzki erklären bei SPORT1, warum er dennoch die beste Lösung für die Spielmacher-Position ist.

Souveränität und Gelassenheit strahlt Martin Strobel aus, wenn man ihn in Interviews oder auf dem Feld in den letzten Tagen vor der Handball-WM 2019 beobachtet (ab 10. Januar im LIVETICKER).

Der 32-Jährige ist alles andere als ein schriller Lautsprecher – und doch eine besondere Figur im deutschen Ensemble.

Denn Strobel wird bei der Heim-WM als Spielmacher auf Rückraum Mitte so etwas wie der Kopf des deutschen Nationalteams sein – und das, obwohl er seit eineinhalb Jahren in der 2. Bundesliga unterwegs ist. Ein Zweitligaprofi soll das nächste deutsche Handball-Märchen wahr machen? Klingt komisch? Ist es nicht.

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Groetzki: Strobel kein Zweitligaprofi

Denn zum einen fehlt Deutschland ein Spielmacher auf Weltklasseniveau. Zum anderen ist Strobel kein "normaler" Zweitligaprofi, wenngleich Christian Schwarzer in seiner SPORT1-Kolumne Zweifel äußerte, ob Strobels Qualitäten für Deutschlands Ambitionen reichen.

"Martin ist von seinen Spielfähigkeiten, von seinen ganzen Qualitäten, kein Zweitligaspieler", sagte Teamkollege Patrick Groetzki bei SPORT1: "Er hat ja über zehn Jahre in der Bundesliga gespielt."

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Doch 2017 stieg die HBW Balingen-Weilstetten aus der HBL ab. Aber statt deswegen die Biege zu machen, trat Strobel – ähnlich wie Jonas Hector im Fußball beim 1. FC Köln – den bitteren Gang in die 2. Liga an und blieb seinem Jugendverein, zu dem er 2013 nach fünf Jahren in Lemgo zurückgekehrt war, treu.

Pause nach Olympia-Bronze

"Es ist für uns unbedeutsam, in welcher Liga er spielt. Für uns spielt es eine Rolle, welche Leistung er jeden Tag im Training zeigt. Das sehen wir jeden Tag", stellte Groetzki klar und nannte Strobels Vorteile: "Er ist in der Lage, die Mannschaft als Mittelmann zu führen und die richtigen Impulse zu geben."

Diese Impulse setzt der erstklassige Zweitligaprofi bereits eine ganze Weile. Seit seinem Länderspieldebüt 2007 ist Strobel bei nahezu jedem Turnier dabei gewesen. Nur die WM 2011 und die EM 2014 verpasste der gebürtige Rottweiler.

2016 folgte dann ein triumphales Jahr mit EM-Gold und Olympia-Bronze, ehe Strobel eine Auszeit im Nationalteam einlegte. Doch Bundestrainer Christian Prokop überzeugte ihn von einer Rückkehr, wohl auch, weil ihm bei der EM-Enttäuschung 2018 (9. Platz) eine ordnende Hand fehlte.

Strobel gibt "Struktur und Steuerung"

Diese Ruhe und Übersicht nennt Strobel auch als seine Stärken. Er spricht von einer guten Mischung, aus der Prokop auf der Mittelposition wählen kann (Alle Infos zur Handball-WM).

"Jeder Spieler hat eine gewisse Aufgabe. Wenn ich meinen Teil habe, den ich dazu beitragen kann, mit meinem Spiel, mit meiner gewissen Struktur und Steuerung, dann werde ich das tun", sagte Strobel zu SPORT1. Wobei wichtig ist, dass Strobel auch hin und wieder selbst als Torschütze aktiv wird, wie in den Tests gegen Tschechien und Argentinien.

Zieht man die letzten Eindrücke zu Rate, ist Strobel Prokops erste Wahl. Der verlängerte Arm des Bundestrainers weiß aber auch: "Wenn wir andere Sachen brauchen, haben wir genug Spieler, dass wir auch nochmal umstellen können."

So wie Fabian Wiede zum Beispiel, der dem deutschen Spiel als Linkshänder eine überraschende Note geben kann, auf die sich gegnerische Abwehrreihen erst einmal einstellen müssen.

Weltmeister und Aufstieg?

"Dieser Mix muss gut sein, um den Gegner vor unterschiedliche Aufgaben zu stellen", ergänzte Strobel. Neben dieser Komponente brauche Deutschland beim Heim-Turnier "eine gute Abwehr und gute Torhüter". Dann könne man "sehr viel bewegen, um viel Tempo ins Spiel zu kriegen und uns und vor allem die Zuschauer zu begeistern."

Strobels Plan: Nach "einem guten Start ins Turnier" solle man sich "Schritt für Schritt" vorarbeiten – mindestens bis in Halbfinale.

Und wer weiß: Vielleicht hat die 2. Liga ja bald einen Weltmeister. Ob dieser Zustand dann allerdings noch lange Bestand hat, ist fraglich. Denn Balingen, das in den kommenden drei Partien ohne Strobel auskommen muss, führt die Tabelle der 2. Liga nach 20 Spielen an.

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